XRP fällt auf Jahrestief – ETF-Zuflüsse widersprechen
Während Bitcoin und Ethereum Kapital verlieren, fließt Geld in XRP-Fonds. Die Divergenz wirft Fragen auf.
CryptoDaily 3 min

XRP notiert bei rund 1,15 US-Dollar und hat in einer Woche zwölf Prozent verloren. Vom Allzeithoch bei 3,65 US-Dollar trennen den Token inzwischen rund 70 Prozent. Doch ausgerechnet jetzt zeigen institutionelle Anleger ein auffälliges Gegensignal.
ETF-Zuflüsse gegen den Trend
Spot-XRP-ETFs verzeichneten in der vergangenen Woche Nettozuflüsse von 2,62 Millionen US-Dollar. Die Summe ist überschaubar, gewinnt aber im Kontext an Gewicht. Denn gleichzeitig zogen Anleger mehr als 1,7 Milliarden US-Dollar aus Spot-Bitcoin-ETFs ab. Auch Ethereum-ETFs verloren 173 Millionen US-Dollar.
Was ist ein Spot-ETF? Ein börsengehandelter Fonds, der den aktuellen Marktpreis eines Vermögenswerts direkt abbildet. Anleger können so in Kryptowährungen investieren, ohne diese selbst zu halten.
Unter allen beobachteten Spot-ETFs erzielten laut verfügbaren Daten nur noch HYPE-Fonds höhere Zuflüsse. Für Litecoin, Avalanche und Hedera meldeten die Produkte keinerlei Aktivität. Die Zahlen zeigen eine klare Präferenz: Während der breite Kryptomarkt unter Druck steht, positioniert sich ein Teil der institutionellen Anleger gezielt bei XRP. Das allein ist kein Kurstreiber, aber ein strukturelles Signal.
Was der Chart sagt
Technisch befindet sich XRP in einer fragilen Lage. Der Kurs hat auf dem Monatschart die 50-Monats-EMA unterschritten – ein gleitender Durchschnitt, der in früheren Zyklen als Wendezone diente.
Was ist die 50-Monats-EMA? Der exponentiell gewichtete gleitende Durchschnitt der letzten 50 Monatsschlusskurse. Er gibt jüngeren Kursen mehr Gewicht und dient Analysten als langfristiger Trendindikator.
Analyst EGRAG CRYPTO verweist auf ein wiederkehrendes Muster: Nach einem solchen Bruch folgte historisch häufig ein weiterer Rücksetzer zur 100-Monats-EMA, bevor eine stärkere Erholung einsetzte. Als mögliche Auffangzonen nennt er Niveaus zwischen 0,70 und 1,09 US-Dollar.
Ein separater Zyklusvergleich des Analysten ChartNerd stützt die These einer möglichen Bodenbildung. Frühere XRP-Bärenmärkte dauerten zwischen 400 und 790 Tagen bei Rückgängen von 85 bis 90 Prozent. Der aktuelle Zyklus läuft seit rund 350 Tagen bei etwa 70 Prozent Drawdown und wäre damit historisch milder. Ein Bodenbildungsfenster vor Ende 2026 hält ChartNerd für möglich.
Warum das jetzt zählt
Die Divergenz zwischen Kursverfall und institutioneller Positionierung ist das zentrale Signal. ETF-Zuflüsse allein drehen keinen Trend. Aber sie zeigen, dass professionelle Anleger den aktuellen Preisbereich offenbar anders bewerten als der breite Markt. In früheren Phasen lösten vergleichbare Konstellationen bei XRP verzögerte Gegenbewegungen aus.
Einordnung und Ausblick
Ob sich die institutionelle Nachfrage in Kursstärke übersetzt, hängt vom Gesamtmarkt ab. Zinserwartungen, regulatorische Unsicherheit rund um das US-Marktstrukturgesetz und die gedämpfte Stimmung nach dem Bitcoin-Verkauf durch Strategy belasten das Umfeld.
- Bullisches Szenario: Falls sich die Marktstimmung dreht, bietet die aktuelle institutionelle Positionierung Potenzial für eine überproportionale Erholung.
- Bärisches Szenario: Sollte der Kryptomarkt weiter nachgeben, könnten auch die ETF-Zuflüsse versiegen und der Kurs die von EGRAG CRYPTO genannten tieferen Auffangzonen testen.
Sicher ist nur die Diskrepanz selbst. Ihre Auflösung steht noch aus.
Hinweis: Keine Anlageberatung. Dieser Artikel dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten dar.
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