CryptoDaily
altcoins

U.S. Bank testet eigenen Stablecoin auf Stellar

Die fünftgrößte US-Bank hat erstmals einen Dollar-Stablecoin über eine öffentliche Blockchain geschickt. Der Pilotversuch könnte die Debatte um bankgeführte Krypto-Infrastruktur neu ordnen.

CryptoDaily 3 min

U.S. Bank testet eigenen Stablecoin auf Stellar

U.S. Bank testet eigenen Stablecoin

U.S. Bank hat mit USBDC einen eigenen, dollargedeckten Stablecoin auf dem öffentlichen Stellar-Netzwerk getestet. Bei dem Piloten flossen reale Zahlungen zwischen Niederlassungen in Nordamerika und Europa – ein seltener Fall, in dem eine Großbank offene Blockchain-Infrastruktur für interne Zahlungen nutzt.

Vom Piloten zur Infrastruktur-Frage

Der Test umfasste den vollständigen Lebenszyklus eines digitalen Dollars: Ausgabe, Übertragung, Rücknahme sowie technische Kontrollmechanismen wie das Einfrieren und Zurückrufen von Token. USBDC läuft dabei auf einer bankeigenen Plattform, die On-Chain-Aktivitäten mit internen Risiko- und Compliance-Systemen verbindet.

Entscheidend ist die Wahl des Netzwerks. Stellar wurde laut U.S. Bank wegen seiner Transaktionsgeschwindigkeit im Sekundenbereich und minimaler Kosten als Settlement-Schicht ausgewählt – also als technische Abwicklungsebene für Transaktionen. Das Netzwerk hält derzeit rund 3,3 Milliarden US-Dollar an tokenisierten Real-World Assets. CEO Gunjan Kedia betonte das Ziel, Kapital rund um die Uhr zu minimalen Kosten ohne traditionelle Intermediäre bewegen zu können.

Was ist ein bankeigener Stablecoin?

Ein digitaler Token, der von einer Bank selbst ausgegeben und eins zu eins mit US-Dollar gedeckt wird. Anders als bei Drittanbieter-Stablecoins wie USDC behält die Bank die vollständige Kontrolle über Ausgabe, Rücknahme und technische Steuerung.

Noch ist USBDC ein geschlossenes Instrument. Es gibt keinen kommerziellen Starttermin. Der Stablecoin dient ausschließlich internen Treasury-Zwecken wie Liquiditätsmanagement außerhalb der Banköffnungszeiten und konzerninternen Transfers. U.S. Bank verwaltet rund 680 Milliarden US-Dollar an Vermögenswerten und gehört damit zu den größten Geschäftsbanken des Landes.

Eigenbau statt geteilte Infrastruktur

Das Timing des Piloten ist bemerkenswert. Nur etwa eine Woche nach der USBDC-Ankündigung plant Circle den Mainnet-Start seines Arc-Netzwerks, einer geteilten Stablecoin-Settlement-Infrastruktur für Banken. U.S. Bank erscheint nicht unter den Gründungsvalidatoren dieses Netzwerks.

Marktbeobachter werten diese zeitliche Abfolge als Hinweis darauf, dass große Banken proprietäre Stablecoin-Schienen gegenüber gemeinsamer Infrastruktur bevorzugen könnten. Parallel hat ein Konsortium von 21 Großbanken, darunter Bank of America, Goldman Sachs und Citigroup, angekündigt, bis 2027 einen gemeinsamen dollargedeckten Token betreiben zu wollen. Wells Fargo testet bereits tokenisierte Einlagen auf einem eigenen Ledger.

Was sind tokenisierte Einlagen?

Bankeinlagen, die als digitale Token auf einer Blockchain abgebildet werden. Sie repräsentieren bestehende Guthaben in digitaler Form und können dadurch schneller und effizienter transferiert werden.

Regulatorisch bleiben Fragen offen

Unter dem geplanten GENIUS Act könnten die Freeze- und Clawback-Mechanismen von USBDC – also die Möglichkeit, Token einzufrieren oder ohne Zustimmung des Inhabers zurückzurufen – dazu führen, dass der Token nicht als regulierter Payment Stablecoin qualifiziert. Eine aufsichtsbehördliche Klärung wäre Voraussetzung für jeden externen Einsatz.

Warum das jetzt zählt

Der Pilotversuch markiert einen Wendepunkt in der Debatte um Stablecoins. Bislang dominierten Krypto-native Unternehmen wie Tether und Circle den Markt. Wenn eine der größten US-Banken einen eigenen Stablecoin auf einer öffentlichen Blockchain betreibt, verschiebt sich die Machtdynamik. Die Frage lautet nicht mehr, ob Banken Stablecoins nutzen, sondern ob sie dabei auf eigene oder geteilte Infrastruktur setzen.

Einordnung und Ausblick

USBDC ist ein Pilotprojekt, kein fertiges Produkt. Zwischen einem internen Test und einem kommerziellen Rollout liegen regulatorische Hürden, technische Skalierung und die Frage, ob Geschäftskunden einen Bankstablecoin gegenüber etablierten Alternativen bevorzugen würden. Sollte sich das Modell bewähren, könnte es eine Blaupause für andere Großbanken werden. Scheitert es an regulatorischen oder operativen Hürden, dürften die bestehenden Konsortialansätze und Drittanbieter-Stablecoins gestärkt aus der Debatte hervorgehen.

Hinweis: Keine Anlageberatung. Dieser Artikel dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten dar.

USBDC · U.S. Bank Stablecoin · Stellar Netzwerk · Bankstablecoin · Dollar Stablecoin · tokenisierte Einlagen · Blockchain Banking · Stablecoin Regulierung · GENIUS Act · digitaler Dollar