Strategy zwischen Kaufsignal und Verkaufsoption
Saylors nächster Bitcoin-Kauf deutet sich an – doch der CEO öffnet erstmals die Tür für einen möglichen Verkauf
CryptoDaily 3 min

Strategy sendet widersprüchliche Signale
Am 31. Mai postete Michael Saylor auf X den Hinweis 'Working Better' – ein Muster, das in der Vergangenheit neue Bitcoin-Käufe ankündigte. Fast zeitgleich erklärte CEO Phong Le, das Unternehmen könnte erstmals Teile seiner Bestände verkaufen.
Kaufsignal bei fallenden Kursen
Strategy hält laut SaylorTracker.com derzeit rund 844.000 Bitcoin zu einem Durchschnittspreis von etwa 75.700 Dollar. Bitcoin notiert aktuell bei rund 73.600 Dollar und liegt damit unter dem Einstandskurs des Unternehmens. Saylors Post folgt einem etablierten Kommunikationsmuster: In der Vergangenheit kündigte er Käufe regelmäßig über kryptische Beiträge auf X an, bevor das Unternehmen Tage später offiziell meldete. Seit mehreren Wochen hatte Strategy keine Zukäufe mehr getätigt. Ein Kauf zum aktuellen Niveau würde den Durchschnittspreis erstmals senken statt erhöhen. Das wäre operativ sinnvoll, verändert aber nichts am Grundproblem: Die Gesamtposition liegt im Minus.
Die Verkaufsoption verändert das Narrativ
Deutlich schwerer wiegt die Aussage von CEO Phong Le. Strategy hatte seine Bitcoin-Strategie seit Jahren als unwiderruflich kommuniziert. Die Formel lautete: kaufen, halten, niemals verkaufen. Les Äußerung bricht mit dieser Linie. Er formulierte den Verkauf als Option unter bestimmten finanziellen Bedingungen – eine Verschiebung von Bitcoin als permanenter Reserve hin zu einem flexiblen Bilanzposten.
Was ist ein Bilanzposten?
Ein Bilanzposten ist ein einzelner Vermögenswert oder eine Verbindlichkeit in der Unternehmensbilanz. Wird Bitcoin als flexibler Bilanzposten behandelt, kann das Unternehmen ihn je nach finanzieller Lage kaufen oder verkaufen.
Prediction-Market-Daten auf Polymarket spiegeln diese Einschätzung: Die Wahrscheinlichkeit eines Bitcoin-Verkaufs durch Strategy bis Jahresende wird dort mit knapp 89 Prozent bewertet. Parallel läuft bis zum 7. Juni eine Proxy-Abstimmung über eine Änderung der Dividendenfrequenz bei der STRC-Vorzugsaktie. Strategy braucht dafür die Zustimmung von mindestens 50 Prozent aller Aktionäre. Historisch stimmen Privatanleger jedoch nur rund 29 Prozent ihrer Anteile ab, was das Erreichen des Quorums erschwert und den finanziellen Spielraum des Unternehmens einschränken könnte.
Was ist eine Proxy-Abstimmung?
Bei einer Proxy-Abstimmung geben Aktionäre ihre Stimme zu Unternehmensanträgen ab, ohne persönlich an der Hauptversammlung teilzunehmen. Die Stimmabgabe erfolgt vorab per Brief, online oder über einen Bevollmächtigten.
Warum das jetzt zählt
Strategys Position entspricht einem erheblichen Anteil des zirkulierenden Bitcoin-Angebots. Jede Änderung der Haltestrategie hätte Auswirkungen weit über das Unternehmen hinaus. Ein Verkauf, selbst in Tranchen, würde spürbaren Angebotsdruck erzeugen. Ein erneuter Kauf dagegen würde das bisherige Narrativ stützen und dem Markt ein institutionelles Kaufsignal liefern.
Einordnung und Ausblick
Die gleichzeitige Existenz beider Optionen ist das eigentlich Neue. Strategy ist nicht mehr der bedingungslose Käufer, sondern ein Akteur, der seine Position aktiv bewertet.
- Bull-Szenario: Saylor setzt das Kaufmuster fort, der Durchschnittspreis sinkt, und das Unternehmen bekräftigt seine langfristige Bitcoin-Überzeugung. Das würde das institutionelle Vertrauen stärken.
- Bear-Szenario: Les Aussage signalisiert eine strategische Neuausrichtung. Sollte Strategy tatsächlich verkaufen, würde ein Markt, der diese Bestände als quasi gesperrtes Angebot eingepreist hat, erheblichen Angebotsdruck erfahren. Die kommenden Wochen werden zeigen, welches Signal sich durchsetzt.
Hinweis: Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Die Inhalte dienen ausschließlich der Information. Investitionsentscheidungen sollten auf Basis eigener Recherche und professioneller Beratung getroffen werden.
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