Strategy verkauft erstmals seit 2022 Bitcoin – Markt hält stand
Trotz 216-Millionen-Dollar-Verkauf und Mt.-Gox-Transfers stabilisiert sich Bitcoin über 63.000 Dollar. ETF-Zuflüsse und rückläufiger Verkaufsdruck deuten auf eine Bodenbildung hin.
CryptoDaily 4 min

Michael Saylors Strategy hat erstmals seit 2022 nennenswerte Bitcoin-Bestände verkauft
Die 3.588 BTC brachten 216 Millionen Dollar ein, die Dividenden auf Vorzugsaktien finanzieren sollen.
Verkauf als Vorsichtsmaßnahme, nicht als Kurswende
Strategy verkaufte in zwei Tranchen: 1.363 BTC zu durchschnittlich 59.256 Dollar und weitere 2.225 BTC zu rund 60.773 Dollar. Die Erlöse sollen laut SEC-Filing Dividendenzahlungen für 17 Monate abdecken. Der Gesamtbestand sinkt auf 843.775 BTC – das Unternehmen bleibt damit der mit Abstand größte börsennotierte Bitcoin-Halter.
Das Analysehaus Bernstein hatte das Risiko eines Zwangsverkaufs im Vorfeld als gering eingestuft. Strategy weist zwar 8 Milliarden Dollar unrealisierte Verluste auf seinen BTC-Beständen aus, die Fremdkapitalquote liegt jedoch bei lediglich 8 Prozent. Der Verkauf war demnach keine Notmaßnahme, sondern eine kalkulierte Bilanzentscheidung. Bitcoin reagierte zunächst mit einem Rücksetzer auf 61.300 Dollar, erholte sich aber innerhalb von Stunden auf rund 63.500 Dollar.
Gegengewichte: ETF-Zuflüsse kehren zurück, Langzeithalter halten still
Parallel lieferten mehrere Indikatoren Signale der Stabilisierung. US-Spot-Bitcoin-ETFs verzeichneten nach zehn aufeinanderfolgenden Abflusstagen laut Farside-Daten erstmals wieder Nettomittelzuflüsse. Die Angaben variieren je nach Quelle zwischen 143 und 223 Millionen Dollar, doch die Richtung ist eindeutig: Institutionelle Käufer kehren zurück.
Was sind Spot-Bitcoin-ETFs? Börsengehandelte Fonds, die direkt in Bitcoin investieren und es institutionellen Anlegern ermöglichen, über regulierte Wertpapiermärkte in die Kryptowährung zu investieren.
Gleichzeitig sank der Transfer von Langzeithaltern an Börsen laut Glassnode auf durchschnittlich 4.130 BTC pro Tag, gegenüber 8.040 BTC eine Woche zuvor. Wer lange hält, verkauft derzeit nicht.
Der annualisierte Funding Rate für Perpetual Futures stieg auf 9 Prozent, nachdem er am Wochenende noch negativ gewesen war. Das deutet auf ein ausgeglichenes Verhältnis zwischen Long- und Short-Positionen hin, ohne extreme Überhitzung. Das Put-to-Call-Verhältnis bei Deribit lag bei 1,15 – deutlich unter dem Stressniveau von 2,0.
Was ist der Funding Rate? Eine regelmäßige Gebühr zwischen Käufern und Verkäufern bei Perpetual Futures. Positive Werte zeigen leicht optimistische Marktstimmung an, negative Werte das Gegenteil.
Belastungsfaktoren bleiben bestehen
Zur Vorsicht mahnt allerdings der breitere Kontext. Im Juni flossen insgesamt 4,51 Milliarden Dollar netto aus US-Bitcoin-ETFs ab – ein Rekordwert.
Ein Mt.-Gox-Wallet transferierte laut Bitcoinist 47.228 BTC an die Börse Bitstamp, was auf eine Beschleunigung der Gläubigerrückzahlungen hindeutet. Ob und wann diese Bestände auf den Markt kommen, bleibt bislang unbestätigt.
Was ist Mt. Gox? Eine ehemals führende Bitcoin-Börse, die 2014 nach einem Hack Insolvenz anmeldete. Die laufende Rückzahlung an geschädigte Gläubiger kann bei Verkäufen Druck auf den Bitcoin-Kurs ausüben.
Mehrere Marktbeobachter erwarten ein makroökonomisches Tief erst im dritten Quartal 2026, mit möglichen Kursen um 50.000 Dollar. John Bollinger identifiziert zwar ein potenzielles Doppelboden-Muster im Chart, räumt aber ein, dass die Bestätigung aussteht. Ohne eine Folge deutlicher ETF-Nettomittelzuflüsse bleibt eine nachhaltige Rallye über 65.000 Dollar nach Einschätzung von Cointelegraph-Analysten unwahrscheinlich.
Warum das jetzt zählt
Der Strategy-Verkauf war ein Realitätscheck. Er zeigte, dass selbst der prominenteste Bitcoin-Halter pragmatisch handeln muss, wenn Vorzugsaktien-Dividenden fällig werden. Er zeigte aber auch, dass der Markt diesen Verkaufsdruck absorbieren kann. Die Kombination aus zurückkehrenden ETF-Zuflüssen, nachlassendem Langzeithalter-Verkaufsdruck und stabilen Derivatedaten deutet auf eine Bodenbildung im Bereich um 60.000 Dollar hin.
Einordnung / Ausblick
- Bullisches Szenario: Halten die ETF-Zuflüsse an und bleibt der Verkaufsdruck durch Langzeithalter und Mt.-Gox-Gläubiger begrenzt, könnte sich Bitcoin über 63.000 Dollar stabilisieren und mittelfristig die 65.000-Dollar-Marke testen.
- Bärisches Szenario: Beschleunigen sich die Mt.-Gox-Auszahlungen und kehren die ETF-Abflüsse zurück, ist ein erneuter Test der 60.000-Dollar-Marke oder ein Rückgang Richtung 50.000 Dollar im dritten Quartal nicht auszuschließen.
Bitcoin notiert aktuell bei 64.039 Dollar. Die strukturelle Unterstützung scheint zu halten, doch die Belastungsproben sind noch nicht vorbei.
Hinweis: Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Jede Investitionsentscheidung sollte auf eigener Recherche basieren.
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