Strategy verkauft erstmals Bitcoin – und nennt es Strategie
Der größte börsennotierte Bitcoin-Halter meldet einen Quartalsverlust von 8,2 Milliarden Dollar und bricht mit einem Tabu: Erstmals wurden BTC verkauft, um Dividenden zu bedienen.
CryptoDaily 3 min

Strategy berichtet über Nettoverlust und Strategiewechsel
Strategy hat im zweiten Quartal 2026 einen Nettoverlust von 8,22 Milliarden Dollar verbucht. Der Grund: ein unrealisierter Buchverlust von 8,32 Milliarden Dollar auf die Bitcoin-Bestände, ausgelöst durch den Kursrückgang von rund 88.400 Dollar zum Jahresende 2025 auf etwa 64.700 Dollar Ende Juni. Doch die eigentliche Nachricht liegt nicht in den Zahlen, sondern in einem Strategiewechsel. Das Unternehmen hat laut eigenem Quartalsbericht erstmals Bitcoin im Wert von rund 218 Millionen Dollar verkauft, um Vorzugsdividenden zu finanzieren. Für ein Unternehmen, das sein gesamtes Geschäftsmodell auf die Maxime Kaufen und Halten gebaut hat, ist das ein bemerkenswerter Bruch.
Strategy hält laut eigenen Angaben 843.775 Bitcoin, ein Anstieg von 25 Prozent seit Jahresbeginn. Der durchschnittliche Kaufpreis liegt bei rund 75.476 Dollar pro Coin. Bei einem Marktpreis von knapp 64.700 Dollar bedeutet das: Der gesamte Bestand notiert unter den Anschaffungskosten.
Trotz dieser Lage hat das Unternehmen im laufenden Jahr 17 Milliarden Dollar über Kapitalmarktprogramme eingeworben und weiter zugekauft. Gleichzeitig wurde das neue BTC-Monetarisierungsprogramm gestartet, über das die Juli-Verkäufe liefen. Strategy betont, die Dollarreserven von 3,75 Milliarden Dollar reichten für mehr als zwei Jahre Dividenden- und Zinszahlungen. Wandelanleihen wurden um 18 Prozent auf 6,71 Milliarden Dollar reduziert, teilweise durch Rückkäufe unter Nennwert. Das operative Softwaregeschäft brachte 122 Millionen Dollar Umsatz bei einer Bruttomarge von knapp 67 Prozent.
Michael Saylor erhöhte auf dem Earnings Call den Einsatz: Berkshire Hathaways Kapitalbasis von rund 348 Milliarden Dollar solle innerhalb von drei bis fünf Jahren übertroffen werden. Seine These: Berkshires Barreserven in US-Staatsanleihen verlieren real an Wert, Bitcoin sei die überlegene Alternative. Die MSTR-Aktie schloss am Berichtstag mit einem Plus von 4,7 Prozent, gab nachbörslich leicht nach.
Der Schritt, Bitcoin zu verkaufen, wirkt auf den ersten Blick wie ein technisches Detail. Er ist es nicht. Strategys gesamte Bewertungslogik basiert darauf, dass das Unternehmen Bitcoin akkumuliert und nie veräußert. Das sogenannte Flywheel funktioniert so: Aktien und Anleihen werden emittiert, der Erlös fließt in Bitcoin, die wachsende Reserve legitmiert weitere Emissionen. Sobald Bitcoin jedoch zur Finanzierung laufender Verpflichtungen herangezogen wird, verändert sich die Dynamik. Das Unternehmen wird vom reinen Akkumulierer zum aktiven Verwalter seiner Position.
Die Märkte reagierten bisher gelassen. Doch die Frage ist struktureller Natur: Wenn Bitcoin 27 Prozent unter dem Jahresanfangskurs notiert und die Bestände bereits unter den Kaufkosten liegen, wie lange trägt ein Modell, das auf steigende Kurse angewiesen ist? Strategy argumentiert mit ausreichend Liquiditätspuffer und einem Bitcoin Yield von 4,5 Prozent. Kritiker verweisen darauf, dass ein anhaltender Bärenmarkt die Schuldeninstrumente des Unternehmens unter Druck setzen könnte.
Für den Gesamtmarkt bleibt Strategy ein Gradmesser. Wenn das Unternehmen, das wie kein anderes für bedingungslose Bitcoin-Überzeugung steht, beginnt, Bestände zur Deckung laufender Kosten einzusetzen, verschiebt sich die Erzählung. Nicht zwingend ins Negative, aber ins Realistische.
Die nächsten Quartale werden zeigen, ob der erste Verkauf eine Ausnahme bleibt oder der Anfang eines neuen Musters ist.
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