Strategy verkauft Bitcoin – und will trotzdem weiter kaufen
Das Unternehmen von Michael Saylor trennt sich von 1.690 Bitcoin, hält aber an seiner Kaufstrategie fest. Gleichzeitig wächst der Druck, die eigene Bilanzstruktur zu finanzieren.
CryptoDaily 3 min

Erster Verkauf seit Jahren
Strategy hat in der Woche bis zum 11. August 2026 insgesamt 1.690 Bitcoin für rund 109 Millionen Dollar verkauft. Das geht aus einer SEC-Pflichtmeldung hervor, die das Unternehmen am Mittwoch veröffentlichte. Es ist der erste bestätigte Bitcoin-Verkauf seit mehreren Jahren.
Das Unternehmen hält nach eigenen Angaben weiterhin mehr als 840.000 Bitcoin. Die verkaufte Menge entspricht damit weniger als 0,2 Prozent des Gesamtbestands. Strategy nutzte für den Verkauf einen sogenannten ATM-Mechanismus – dabei werden Vermögenswerte schrittweise über die Börse veräußert statt in einer einzelnen Großtransaktion, um den Marktpreis möglichst wenig zu beeinflussen.
Allein in den vergangenen 30 Tagen kaufte Strategy laut eigener Kommunikation rund 42.000 Bitcoin. Auf jeden verkauften Bitcoin kommen also etwa 25 neu gekaufte. Präsident Phong Le sagte bei einer Investorenkonferenz im Juli: Unser Ziel bleibt, Bitcoin zu akkumulieren – nicht zu traden.
Vorzugsaktien als Auslöser
Strategy hat mit STRC eine Klasse sogenannter Vorzugsaktien ausgegeben. Vorzugsaktien unterscheiden sich von normalen Stammaktien: Ihre Inhaber erhalten eine feste Dividende, die vorrangig vor allen anderen Ausschüttungen bedient werden muss, haben dafür aber in der Regel kein Stimmrecht. STRC zahlt eine jährliche Dividende von 10 Prozent.
Diese Dividenden kosten das Unternehmen aktuell rund 120 Millionen Dollar pro Quartal. Strategy erwirtschaftet mit seinem ursprünglichen Softwaregeschäft nicht genug, um diese Summe dauerhaft zu decken. Der Bitcoin-Verkauf fällt zeitlich mit einer STRC-Dividendenzahlung zusammen, die für August ansteht.
Analyst David Krause von der Marquette University schrieb dazu: Die Bitcoin-Verkäufe zeigen, dass Strategy seine Bilanzstruktur nicht allein über neue Aktienemissionen finanzieren kann. Diese Einschätzung veröffentlichte er in einer Analyse am 11. August 2026.
Auch andere Unternehmen mit Bitcoin-Bilanzpositionen stehen unter ähnlichem Druck. Empery Digital, ein kleinerer Nasdaq-notierter Fonds, meldete ebenfalls Teilverkäufe zur Deckung von Betriebskosten, wie NewsBTC unter Berufung auf ein SEC-Filing von August 2026 berichtet.
Warum das jetzt zählt
Strategy ist der größte bekannte Unternehmenshalter von Bitcoin weltweit. Laut BitcoinTreasuries.NET halten börsennotierte Unternehmen zusammen mehr als 1,26 Millionen BTC – Strategy kontrolliert davon rund zwei Drittel. Zum Vergleich: In börsengehandelten Bitcoin-ETFs liegen laut CoinShares rund 1,6 Millionen BTC.
Wenn ein Unternehmen mit dieser Marktbedeutung beginnt, Bestände zu veräußern, verändert das die Wahrnehmung institutioneller Bitcoin-Strategien. Die bisherige Praxis, Bitcoin ausschließlich zu kaufen und nie zu verkaufen, weicht einem Ansatz, bei dem operative Finanzierung und Bestandsmanagement gegeneinander abgewogen werden.
Der Nettoinventarwert ist der rechnerische Wert aller gehaltenen Vermögenswerte eines Unternehmens abzüglich seiner Verbindlichkeiten. Bei Strategy liegt dieser Wert aktuell über dem Börsenwert der Aktie. Diese Differenz zeigt, dass der Markt bereits ein Risiko einpreist, das über den reinen Bitcoin-Kurs hinausgeht: die Frage, ob die Finanzierungsstruktur langfristig tragfähig ist.
Einordnung und Ausblick
Bullische Perspektive
Der Verkauf ist gemessen am Gesamtbestand minimal. Das Verhältnis von 25 gekauften zu einem verkauften Bitcoin zeigt, dass die Akkumulationsstrategie intakt bleibt. Sollte Bitcoin weiter steigen, wächst der finanzielle Spielraum für Dividendenzahlungen ohne weitere Verkäufe. Der Vorgang zeigt zudem, dass Strategy seinen Bestand als strategische Reserve aktiv managen kann.
Bärische Perspektive
Die Verkäufe offenbaren eine strukturelle Schwäche. Ein Unternehmen, das Dividenden nur durch den Verkauf seines Kernassets bedienen kann, operiert mit einem fragilen Modell. Bei fallenden Bitcoin-Kursen müsste Strategy überproportional mehr Bitcoin verkaufen, um dieselben Dollar-Beträge zu erzielen. Die 120 Millionen Dollar Quartalskosten für STRC-Dividenden bleiben fix – der Bitcoin-Kurs nicht.
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