Standard Chartered sieht Bitcoin-Boden bei 59.000 Dollar
Institutionelle Zuflüsse, Strategy-Käufe und sinkende Ölpreise bilden laut der Großbank das Fundament für eine mögliche Trendwende
CryptoDaily 3 min

Standard Chartered sieht den zyklischen Tiefpunkt von Bitcoin bei rund 59.000 Dollar als erreicht an. Die Großbank stützt sich dabei auf drei Indikatoren.
Drei Signale, ein Urteil
Geoff Kendrick, Global Head of Digital Assets Research bei Standard Chartered, teilte Kunden am 13. Juni schriftlich mit, dass Bitcoin bei rund 59.000 Dollar seinen zyklischen Boden markiert habe. Das entspricht einem Rückgang von 53 Prozent vom Allzeithoch bei 126.000 Dollar.
Kendrick stützt seine Einschätzung auf drei Indikatoren.
- Erstens: Strategy hat in der Vorwoche erneut Bitcoin gekauft. Am Sonntag postete Gründer Michael Saylor auf X ein Chart mit dem Kommentar 'Still adding dots' - ein übliches Signal für bevorstehende Zukäufe.
- Zweitens: US-Spot-Bitcoin-ETFs verzeichneten am Freitag erstmals nach fünf Abflusstagen wieder positive Nettozuflüsse von 85,8 Millionen Dollar. Fidelitys FBTC führte mit rund 42 Millionen, BlackRocks IBIT folgte mit 35 Millionen Dollar.
- Drittens: Rohölpreise fielen den zweiten Tag in Folge, begünstigt durch Fortschritte bei den US-Iran-Verhandlungen und die Aussicht auf eine Wiedereröffnung der Straße von Hormus.
Was sind Spot-Bitcoin-ETFs?
Börsengehandelte Fonds, die direkt in Bitcoin investieren und es institutionellen Anlegern ermöglichen, über regulierte Produkte am Bitcoin-Kurs zu partizipieren.
Sinkende Energiepreise reduzieren den Inflationsdruck und verbessern die Aussichten für risikobehaftete Anlagen. ETF-Zuflüsse signalisieren zurückkehrendes institutionelles Interesse. Und Strategys Kaufverhalten gilt in Teilen des Marktes als Frühindikator für eine Bodenbildung. Kendricks Argumentation: Wenn alle drei Faktoren gleichzeitig auftreten, sei die Wahrscheinlichkeit eines nachhaltigen Tiefs deutlich erhöht.
Gegenwind bleibt spürbar
So schlüssig die Signale wirken, so fragil ist ihre Basis. Ein einzelner ETF-Zufluss-Tag nach fünf Abflusstagen begründet noch keinen Trend. Bybit wies in seiner jüngsten Wochenanalyse darauf hin, dass starke US-Arbeitsmarktdaten die Erwartungen an Zinssenkungen weiter gedämpft haben - ein Umfeld, das Risikoassets grundsätzlich belastet.
Zudem hat Strategy selbst Anfang Juni erstmals seit 2022 Bitcoin verkauft: 32 BTC für 2,5 Millionen Dollar. Saylor begründete den Schritt auf der BTC Prague damit, dass die Fähigkeit zum Verkauf notwendig sei, um Dividenden und kreditbesicherte Produkte aufrechtzuerhalten. Auch wenn das Unternehmen inzwischen wieder kauft, hat der Verkauf das Narrativ der bedingungslosen Akkumulation geschwächt.
Bitcoin notierte am Sonntag bei rund 63.700 Dollar und übersprang am Samstag kurzzeitig die 65.000-Dollar-Marke, nachdem Trump auf Truth Social ein Abkommen mit dem Iran verkündet hatte. Eine offizielle Bestätigung aus Teheran lag zum Redaktionsschluss nicht vor. Laut CoinGlass-Daten wurden in der Stunde nach Trumps Post Short-Positionen im Wert von 170 Millionen Dollar liquidiert.
Was ist der RSI?
Der Relative Strength Index misst, ob ein Vermögenswert in einem bestimmten Zeitraum überkauft oder überverkauft ist. Werte unter 30 gelten als überverkauft.
Ethereums RSI fiel in der Vorwoche laut Bybit auf 12,78, Bitcoins auf 15,45 - historisch extreme Überverkauft-Werte, die den stärksten derartigen Indikator dieses Zyklus darstellen.
Warum das jetzt zählt
Die Debatte um den Zyklusboden bestimmt, ob institutionelle Anleger Positionen aufstocken oder weiter abbauen. Die divergierenden Kapitalflüsse zwischen Bitcoin- und Ethereum-ETFs deuten darauf hin, dass große Investoren differenzieren: Bitcoin wird als makro- und treasury-orientierte Allokation bevorzugt, während Ethereum weiter unter Abflüssen leidet.
Einordnung und Ausblick
Bull-Szenario:
Sollten sich die ETF-Zuflüsse in den kommenden Tagen stabilisieren und die geopolitische Entspannung anhalten, könnte Kendricks These an Gewicht gewinnen. Die historisch niedrigen RSI-Werte sprechen zusätzlich für eine technische Gegenbewegung.
Bear-Szenario:
Bleiben die Arbeitsmarktdaten robust und die Zinssenkungserwartungen gedämpft, dürfte der Gegenwind dominieren. Ein einzelner Zufluss-Tag reicht nicht als Trendbestätigung, und Strategys erstmaliger BTC-Verkauf seit 2022 relativiert das Akkumulations-Narrativ.
Standard Chartered hat eine klare Linie gezogen. Der Markt wird sie testen.
Hinweis: Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Jede Investitionsentscheidung sollte auf eigener Recherche basieren.
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