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Stablecoins erobern die alte Bankenwelt

U.S. Bank testet eigenen Dollar-Stablecoin auf Stellar – Revolut startet Euro-Stablecoin unter MiCA

CryptoDaily 4 min

Stablecoins erobern die alte Bankenwelt

Zwei etablierte Finanzinstitute haben innerhalb weniger Tage eigene Stablecoins in den Markt gebracht. Die Signale aus dem traditionellen Bankensektor verdichten sich.

Eine 163 Jahre alte Bank geht auf die Blockchain

U.S. Bank hat einen Pilottransfer ihres eigenen Dollar-Stablecoins USBDC auf dem Stellar-Netzwerk abgeschlossen. Die Transaktion lief zwischen der nordamerikanischen und der europäischen Einheit der Bank und testete neben der reinen Überweisung auch regulatorisch relevante Kontrollfunktionen: das Erstellen neuer Token, das Einfrieren von Guthaben und die Rückbuchung von Transaktionen.

Was ist ein bankeigener Stablecoin? Ein digitaler Token, der von einer regulierten Bank ausgegeben wird, an den Dollar gekoppelt ist und auf einer Blockchain abgewickelt wird. Anders als bei USDT oder USDC behält die ausgebende Bank die volle Kontrolle über Ausgabe und Rücknahme.

Entscheidend ist nicht die einzelne Transaktion, sondern die Architektur dahinter. Laut U.S. Bank blieb der Stablecoin-Transfer durchgehend mit den bestehenden Kern-, Risiko- und Compliance-Systemen der Bank verbunden. Das Ziel: grenzüberschreitende Zahlungen und Treasury-Operationen auf Blockchain-Schienen verlagern, ohne die regulatorische Kontrolle aufzugeben. Jamie Walker, Head of Digital Assets bei U.S. Bank, nannte als mögliche Anwendungsfelder Liquiditätsmanagement und die grenzüberschreitende Mobilisierung von Sicherheiten.

Stellar positioniert sich dabei gezielt als institutionelle Infrastruktur. Neben U.S. Bank bauen auch Franklin Templeton und DTCC auf dem Netzwerk. Die Wahl eines öffentlichen, erlaubnisfreien Netzwerks durch eine der größten US-Banken ist ein Präzedenzfall, der über den Einzelfall hinausreicht.

Revolut bringt den Euro-Stablecoin nach Europa

Fast zeitgleich hat Revolut seinen ersten Euro-Stablecoin EURR für Nutzer in Dänemark, Polen und Portugal freigeschaltet. Emittent ist Bridge Building, eine Tochter des Zahlungsdienstleisters Stripe, die seit Ende Juni als E-Geld-Institut in Luxemburg zugelassen ist.

Was ist MiCA? Die Markets in Crypto-Assets Regulation ist das europäische Regelwerk für Kryptowerte. Es schafft erstmals einheitliche Anforderungen für die Ausgabe und den Handel von Stablecoins in der EU.

EURR ist als E-Money-Token unter dem MiCA-Rahmen klassifiziert und kann jederzeit zum Nennwert zurückgegeben werden. Die Dimensionen sind allerdings noch bescheiden: Zum Stand Ende August befanden sich laut CoinGecko gerade einmal 374 Euro im Umlauf. Zum Vergleich: Circles EURC kommt auf rund 394 Millionen Euro. Revolut hat zwar über 75 Millionen Kunden, der EURR-Zugang ist jedoch zunächst auf berechtigte Nutzer der drei Testmärkte begrenzt. Weitere Währungen und Märkte sollen bis Ende 2026 folgen.

Der strategische Wert liegt weniger im aktuellen Volumen als in der Struktur. Revolut nutzt den MiCA-Rahmen über einen lizenzierten Emittenten und schafft damit eine Blaupause, die sich auf weitere Märkte und Währungen skalieren lässt.

Warum das jetzt zählt

Beide Entwicklungen zeigen denselben Trend aus unterschiedlichen Richtungen. Eine traditionelle Großbank baut eigene Stablecoin-Infrastruktur für institutionelle Zahlungsströme. Eine Neobank bringt einen regulierten Euro-Stablecoin für den Endkundenmarkt. Gemeinsam ist beiden: Sie setzen nicht auf bestehende Stablecoins wie USDT oder USDC, sondern auf eigene Token unter eigener Kontrolle.

Für den Stablecoin-Markt bedeutet das eine strukturelle Verschiebung. Bisher dominierten krypto-native Emittenten wie Tether und Circle. Wenn regulierte Banken und Fintechs eigene Stablecoins ausgeben, entsteht eine neue Wettbewerbsschicht, die näher am bestehenden Finanzsystem operiert und andere Kundengruppen anspricht.

Einordnung und Ausblick

Ob bankeigene Stablecoins tatsächlich Marktanteile gewinnen, hängt von mehreren Faktoren ab. Die regulatorische Klarheit in Europa durch MiCA verschafft Projekten wie EURR einen Vorteil gegenüber Jurisdiktionen mit fragmentierter Aufsicht. In den USA fehlt ein vergleichbarer Rahmen bislang, was den Spielraum für Produkte wie USBDC begrenzt.

Gleichzeitig stehen etablierte Stablecoins nicht still. Circles Vorsprung beim Euro-Stablecoin ist erheblich, und Tethers Dominanz im Dollar-Segment bleibt unangefochten. Doch der Eintritt regulierter Banken in diesen Markt verändert die Dynamik. Die Frage ist nicht mehr, ob traditionelle Finanzinstitute Stablecoins nutzen werden, sondern wie schnell sie eigene Produkte in den Markt bringen.

Hinweis: Keine Anlageberatung. Dieser Artikel dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten dar.

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