MARA Holdings: Der größte Bitcoin-Miner verkauft Bestände und schreibt 611 Millionen Dollar Verlust
Sinkende Kurse, steigende Kosten, massive BTC-Verkäufe – die Quartalszahlen offenbaren die Verwundbarkeit des Mining-Geschäfts
CryptoDaily 4 min

Der größte börsennotierte Bitcoin-Miner steckt in der Klemme. MARA Holdings meldete für das zweite Quartal 2026 einen Nettoverlust von 611 Millionen Dollar und verkaufte tausende Bitcoin, um Schulden zu tilgen.
Vom Käufer zum Verkäufer: MARA trennt sich von Bitcoin im großen Stil
Die Dimension der Verkäufe ist bemerkenswert. Allein zwischen dem 4. und 25. März veräußerte MARA laut Unternehmensangaben 15.133 BTC für rund 1,1 Milliarden Dollar. Der Großteil – etwa eine Milliarde – floss direkt in den Rückkauf fälliger Wandelanleihen.
Was sind Wandelanleihen? Anleihen, die der Inhaber zu einem festgelegten Kurs in Aktien des Unternehmens umtauschen kann. Sie kombinieren eine feste Verzinsung mit der Option auf Kursgewinne.
Im gesamten zweiten Quartal kamen weitere 2.213 BTC hinzu, verkauft zu einem Durchschnittspreis von rund 73.000 Dollar. Der Gesamtbestand schrumpfte auf 35.577 BTC – ein Minus von 29 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Das Unternehmen handelte nicht aus einer Position der Stärke. Der Quartalsumsatz sank um 27 Prozent auf 175 Millionen Dollar, das bereinigte EBITDA drehte von plus 1,2 Milliarden auf minus 361 Millionen Dollar.
Was ist EBITDA? Eine Kennzahl für den operativen Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen. Sie zeigt, wie profitabel das Kerngeschäft arbeitet.
Der Bitcoin-Durchschnittspreis lag im Berichtszeitraum rund 28 Prozent unter dem Vorjahreswert, was allein den Umsatz um etwa 66 Millionen Dollar drückte. Hinzu kamen unrealisierte Verluste von 343 Millionen Dollar auf die verbliebenen Bestände. Parallel reduzierte MARA die Belegschaft um 15 Prozent.
On-Chain-Analyst Hupzy von Spot On Chain ordnet die Verkäufe nicht als Einzelereignis ein, sondern als strukturelles Angebotsüberhang-Risiko. MARA verfüge noch über einen kombinierten Cash- und Bitcoin-Bestand von rund 2,5 Milliarden Dollar, was weiteres Verkaufspotenzial begrenze, aber nicht ausschließe.
Mehr Rechenleistung, weniger Ertrag – das Mining-Dilemma nach dem Halving
Die operative Seite zeigt ein Paradox, das die gesamte Mining-Branche betrifft. MARA steigerte die Rechenleistung um 22 Prozent auf 70,3 Exahashes pro Sekunde, produzierte aber nur 3 Prozent mehr Bitcoin – insgesamt 2.422 BTC im Quartal.
Was ist das Halving? Ein im Bitcoin-Protokoll festgelegtes Ereignis, bei dem die Belohnung für das Schürfen neuer Blöcke halbiert wird. Es findet etwa alle vier Jahre statt und verknappt das neue Angebot.
Der Grund liegt in der gestiegenen Netzwerk-Schwierigkeit: Mehr Leistung bringt nicht proportional mehr Ertrag. Gleichzeitig kletterten die Energiekosten pro geschürftem Bitcoin auf knapp 38.700 Dollar.
Dieses Missverhältnis zwischen steigendem Aufwand und stagnierender Produktion erklärt, warum MARA seine Strategie diversifiziert. Das Unternehmen kündigte Investitionen in Künstliche Intelligenz und High-Performance-Computing-Infrastruktur an und sicherte sich Grundstücke in Matagorda County, Texas. Die regulatorische Genehmigung für die Übernahme der Long-Ridge-Anlage steht nach Unternehmensangaben noch aus. Langfristig könnte das Energieportfolio auf bis zu 4,8 Gigawatt wachsen – eine Dimension, die weit über reines Bitcoin-Mining hinausgeht.
Warum das jetzt zählt
MARA ist kein beliebiger Marktteilnehmer. Als größter börsennotierter Miner mit zehntausenden Bitcoin in der Bilanz bewegen seine Entscheidungen den Markt. Wenn ein solches Unternehmen zum Nettoverkäufer wird und gleichzeitig 9.270 BTC verleiht oder als Sicherheit hinterlegt, verändert das die Angebotsstruktur.
Kurzfristig erhöhen die Verkäufe das verfügbare Angebot in einer Phase, in der laut Santiment-Daten auch Kleinanleger ihre Bestände mit der höchsten Geschwindigkeit seit Dezember 2024 abbauen. Dem steht gegenüber, dass große Halter im Preisbereich zwischen 63.000 und 65.000 Dollar laut Santiment weiter akkumulieren. US-Spot-Bitcoin-ETFs verzeichneten zuletzt vier Tage in Folge Nettozuflüsse von insgesamt rund 755 Millionen Dollar im Monat. BlackRocks IBIT führte dabei mit 123 Millionen Dollar an einem einzelnen Tag.
Einordnung und Ausblick
Die Frage ist, ob die institutionelle Nachfrage das zusätzliche Angebot aus dem Mining-Sektor absorbieren kann.
- Bull-Szenario: Whale-Akkumulation und stabile ETF-Zuflüsse fangen das Miner-Angebot auf. Die Diversifikation in KI-Infrastruktur stabilisiert MARAs Geschäftsmodell mittelfristig.
- Bear-Szenario: Steigende Kosten bei sinkenden Erträgen zwingen weitere Miner zum Verkauf ihrer Reserven. Ein nachhaltiger Angebotsüberhang drückt auf den Bitcoin-Kurs, besonders wenn auch ETF-Zuflüsse nachlassen.
MARAs Zahlen zeigen exemplarisch, dass das Post-Halving-Umfeld die Ökonomie des Minings fundamental verändert hat. Die Mining-Branche steht vor einem Strukturwandel, und MARA macht dessen Kosten sichtbar.
Hinweis: Keine Anlageberatung. Alle genannten Kurse und Kennzahlen dienen ausschließlich der Information.
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