Liquid-Netzwerk erhält 3.400 BTC zurück – 47 Millionen Dollar fehlen
Nach dem größten Sicherheitsvorfall in der Geschichte des Liquid Network verhandeln Blockstream und die Angreifer über die Bitcoin-Blockchain.
CryptoDaily 4 min

Ein unbekannter Akteur hat rund 4.000 Bitcoin aus dem Liquid Network abgezogen
Ein unbekannter Akteur hat rund 4.000 Bitcoin aus dem Liquid Network abgezogen und davon 3.400 BTC zurückgesendet. Rund 598 Bitcoin im Gegenwert von etwa 47 Millionen Dollar behält er ein.
Exploit über Software-Bug – nicht über gestohlene Schlüssel
Der Angriff begann am Sonntag um 14:05 UTC über den Peg-out-Service von SideSwap, einem Mitglied der Liquid Federation. Ein Bug in der Elements-Software, dem Bitcoin-Core-Fork hinter Liquid, erlaubte die Erstellung ungedeckter L-BTC-Token.
Was ist ein Peg-out?
Bei einem Peg-out werden Token einer Sidechain gegen die zugrunde liegende Kryptowährung auf der Hauptchain eingetauscht – in diesem Fall L-BTC gegen echte Bitcoin.
Diese ungedeckten Token wurden anschließend über den regulären Auszahlungsprozess gegen echte Bitcoin aus den Reserven eingetauscht. Insgesamt flossen laut Mempool.space-Daten 3.998,5 BTC ab – umgerechnet rund 316 Millionen Dollar.
Laut Blockstream wurden keine privaten Schlüssel kompromittiert. SideSwap bestätigte, dass die eigenen Systeme intakt blieben. Der Fehler lag in der Verifizierungslogik der Software selbst. Blockstream deaktivierte daraufhin sämtliche Bridge-Nodes und forderte Börsen auf, L-BTC-Transaktionen sofort einzufrieren.
Verhandlung per Blockchain statt per E-Mail
Was folgte, war eine beispiellose Kommunikation. Angreifer und Blockstream tauschten Nachrichten ausschließlich über OP_RETURN-Felder in Bitcoin-Transaktionen aus – teils im Klartext, teils PGP-verschlüsselt und gegen Blockstreams öffentlichen Schlüssel signiert.
Was ist ein OPRETURN-Feld?
Ein OPRETURN ist ein spezielles Datenfeld in einer Bitcoin-Transaktion, das kurze Textnachrichten dauerhaft in der Blockchain speichern kann, ohne den eigentlichen Zahlungsvorgang zu beeinflussen.
Die Angreifer stellten eine Bedingung für die Rückgabe: Erst müsse die Sicherheitslücke vollständig gepatcht sein. Ihre Nachricht lautete wörtlich: "The chain is under risk at latest commit right now. Make sure every node is patched."
Blockstream bestätigte am Montag um 11:46 UTC per signierter On-Chain-Nachricht: "Bridge nodes are patched, safe to return the funds." Kurz darauf sendeten die Angreifer 3.400 BTC an die Liquid-Federation-Adresse zurück, bestätigt in Block 965.950. Die verbleibenden 598,5 BTC – rund 15 Prozent der ursprünglichen Summe – verblieben an ihrer Adresse. Laut Bitcoin Magazine deuten mehrere verschlüsselte Nachrichten beider Seiten darauf hin, dass Verhandlungen über die Höhe dieser impliziten Bounty erfolglos blieben.
White Hat oder Erpressung – die Debatte ist offen
Charles Guillemet, Technologiechef beim Hardware-Wallet-Hersteller Ledger, ordnete den Vorfall auf X ein: Das Einbehalten von 600 Bitcoin ohne offengelegte Vertragsbedingungen ähnele strukturell einer Erpressung, nicht einem klassischen Bug-Bounty-Programm. Er zog einen Vergleich zum Ronin-Hack, bei dem eine ähnliche Dynamik zwischen Rückgabe und Einbehaltung entstand.
Was ist ein Bug-Bounty-Programm?
Unternehmen zahlen dabei Prämien an Sicherheitsforscher, die Schwachstellen in ihrer Software finden und melden, anstatt sie auszunutzen.
Es existiert kein öffentlich bekanntes Bounty-Abkommen zwischen Blockstream und den Akteuren. Weder Blockstreams offizieller Account noch CEO Adam Back haben den Vorfall bislang öffentlich kommentiert. Ob rechtliche Schritte folgen oder eine außergerichtliche Einigung angestrebt wird, bleibt bislang unklar.
Warum das jetzt zählt
Das Liquid Network ist als föderierte Bitcoin-Sidechain ein zentrales Infrastrukturelement für Börsen und institutionelle Akteure. Der reguläre Auszahlungsprozess erfordert die Zustimmung von 11 der 15 Federation-Mitglieder – ein Sicherheitsmechanismus, der beim Exploit umgangen wurde. Das Netzwerk bleibt eingefroren, ein Zeitplan für die Wiederaufnahme wurde nicht kommuniziert.
Der Vorfall wirft grundsätzliche Fragen zur Sicherheit föderierter Brückensysteme auf – gerade in einer Phase, in der institutionelles Kapital über ETFs in Rekordhöhe in den Bitcoin-Markt fließt. Laut news.bitcoin.com verbuchten Bitcoin-ETFs allein in der vergangenen Woche Zuflüsse von rund 980 Millionen Dollar.
Einordnung / Ausblick
Für einen positiven Ausgang (Bull Case) spricht: Der Großteil der Mittel wurde zurückgegeben, die Sicherheitslücke ist laut Blockstream gepatcht, und der Vorfall könnte langfristig zu robusteren Sicherheitsstandards bei föderierten Sidechains führen.
Dagegen steht (Bear Case): 47 Millionen Dollar fehlen weiterhin, das Netzwerk ist auf unbestimmte Zeit eingefroren, und das Vertrauensmodell föderierter Systeme hat einen strukturellen Schaden erlitten. Blockstreams technischer Post-Mortem-Bericht steht noch aus und wird darüber entscheiden, ob das Liquid Network das Vertrauen seiner Nutzer zurückgewinnen kann.
Hinweis: Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Kryptowährungen sind hochvolatil – eigene Recherche ist unerlässlich.
Liquid Network · Bitcoin Hack · Blockstream · Sidechain Exploit · L-BTC · Bitcoin Sicherheit · OP_RETURN · Bug Bounty · Bitcoin Sidechain · Krypto Sicherheitslücke