Liquid Network verliert 320 Mio. Dollar durch Cache-Bug
Ein Programmierfehler im Liquid Network ermöglichte die Erzeugung ungedeckter Bitcoin-Token. Der Angreifer gab den Großteil zurück – 47 Millionen Dollar behielt er ein.
CryptoDaily 3 min

Cache-Fehler hebelt Verifikation aus
Der Angreifer nutzte am 6. September eine Kollision im Cache-Schlüssel der Range-Proof-Verifikation, die auf der Bitcoin-Core-Abspaltung Elements basiert. Das System prüfte einen kryptografischen Beweis einmal als gültig, speicherte das Ergebnis und akzeptierte denselben Beweis danach in einem völlig anderen Kontext erneut. Der Cache-Schlüssel berücksichtigte weder den Asset-Typ noch den Empfänger der Transaktion.
Was ist eine Range-Proof-Verifikation?
Ein kryptografisches Verfahren, das prüft, ob ein Transaktionswert innerhalb eines gültigen Bereichs liegt – etwa, dass keine negativen oder überhöhten Beträge erzeugt werden. Im Liquid Network sichert es vertrauliche Transaktionen ab.
Die Folge: Die Federation-Reserve, die alle im Liquid Network hinterlegten Bitcoin sichert, sank laut Blockstream von 4.205 BTC auf 202 BTC. Innerhalb von 23 Minuten flossen 95 Prozent der Reserve ab. Der Angreifer tauschte die erzeugten L-BTC über den Peg-out-Dienst SideSwap gegen echte Bitcoin ein. Die 15 Federation-Nodes, die das Netzwerk über ein 11-von-15-Mehrheitsprinzip absichern, akzeptierten die Transaktionen ohne Einspruch. Blockstream bestätigte, dass keine Schlüssel kompromittiert wurden – der Fehler lag ausschließlich in der Software.
Was ist eine Federation-Reserve?
Ein gemeinsam verwalteter Pool von Bitcoin, der die auf einer Sidechain ausgegebenen Token 1:1 deckt. Bei Liquid verwalten 15 unabhängige Nodes diesen Pool nach einem Mehrheitsprinzip.
Blockchain-Verhandlung und offene Fragen
Der Angreifer meldete sich über OP_RETURN-Nachrichten direkt auf der Bitcoin-Blockchain, erklärte sich zum Whitehat-Hacker und verifizierte sich per PGP-Signatur. In neun Nachrichten verhandelte er laut Decrypt öffentlich mit Blockstream. Das Ergebnis: 3.400 BTC wurden zurückgegeben. 598,5 BTC im Wert von rund 47 Millionen Dollar behielt der Angreifer als selbst deklarierte Sicherheitsprämie ein.
Blockstream patchte die betroffenen Nodes, doch das Liquid Network stellte am 7. September die Blockproduktion ein und bleibt bislang eingefroren. Börsen suspendierten sämtliche L-BTC-Transaktionen. Rechtlich ist die Lage ungeklärt: Eine formale Bug-Bounty-Vereinbarung existierte nicht, was die Einbehaltung der 47 Millionen Dollar in eine juristische Grauzone rückt.
Warum das jetzt zählt
Der Vorfall stellt das Vertrauensmodell föderierter Sidechains grundsätzlich infrage. Das Mehrheitsprinzip der Federation-Nodes schützte nicht vor einem Fehler auf Verifikationsebene. Die Schwachstelle befand sich laut Blockstream im Elements-Master-Branch, wurde aber nie in einem offiziellen Release getaggt – das wirft Fragen zum Audit-Prozess auf.
Einordnung und Ausblick
- Bullish: Die weitgehende Rückgabe der Mittel zeigt, dass selbst in einem System ohne formale Absicherung soziale Anreize wirken können. Blockstream hat die Schwachstelle gepatcht und angekündigt, den Audit-Prozess zu überarbeiten.
- Bearish: 47 Millionen Dollar verbleiben beim Angreifer, das Netzwerk ist eingefroren, und die Episode liefert ein konkretes Gegenbeispiel zur wachsenden Vertrauenserzählung rund um Bitcoin-Infrastruktur. Institutionelle Anleger, die Custody-Lösungen abseits der Hauptblockchain bewerten, dürften den Vorfall als Warnsignal einstufen.
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