Kelp-DAO-Hack erschüttert Ethereum-Ökosystem
Sicherheitsvorfall bei Restaking-Protokoll befeuert Debatte über systemische Risiken im Ethereum-Ökosystem
CryptoDaily 3 min

Ein Hack beim Restaking-Protokoll Kelp DAO hat die Krypto-Branche aufgeschreckt. Der Angreifer hat laut Bitcoinist Ether im Wert von rund 175 Millionen Dollar bewegt.
Hoskinson warnt: Ethereum als schwächstes Glied
Der Vorfall hat prominente Kritik ausgelöst. Cardano-Gründer Charles Hoskinson bezeichnete Ethereum laut Bitcoinist öffentlich als das strukturell anfälligste Glied im dezentralen Finanzwesen. Sein Argument: Die wachsende Komplexität im Restaking-Bereich schaffe systemische Angriffsflächen, die mit herkömmlichen Audits kaum zu kontrollieren seien.
Was ist Restaking?
Restaking bezeichnet ein Verfahren, bei dem bereits gestakte Kryptowerte erneut als Sicherheit für weitere Protokolle eingesetzt werden. Das soll Kapitaleffizienz steigern, erhöht aber gleichzeitig die technische Komplexität und potenzielle Angriffsflächen.
Protokolle wie Kelp DAO bauen auf der Ethereum-Sicherheitsarchitektur auf, fügen aber zusätzliche Schichten hinzu. Jede dieser Schichten erhöht das Risiko. Hoskinson sieht darin kein Randproblem, sondern ein Muster, das sich mit jedem neuen Protokoll verschärfe.
Die Kritik trifft einen wunden Punkt. Allein in den vergangenen Monaten häuften sich Sicherheitsvorfälle bei Ethereum-basierten DeFi-Protokollen. Kelp DAO ist nun der bislang größte bekannte Vorfall im Restaking-Segment. Dass der Angreifer Ether im Wert von 175 Millionen Dollar bereits bewegt hat, verstärkt die Nervosität. Das Ziel der Transfers ist bislang unbekannt. Solche Bewegungen deuten häufig auf bevorstehende Liquidierungsversuche hin, etwa über dezentrale Börsen oder Mischdienste. Falls die Mittel in den Markt fließen, könnte das kurzfristig Verkaufsdruck auf ETH erzeugen.
Markt unter Doppelbelastung
Der Hack trifft auf einen ohnehin angespannten Markt. ETH handelt aktuell nahe 2.320 Dollar und hat sich zwar vom Unterstützungsniveau bei 2.250 Dollar erholt, bleibt aber unterhalb wichtiger Widerstände um 2.385 Dollar. Die technische Lage ist fragil.
Was ist Open Interest?
Open Interest bezeichnet die Summe aller offenen, noch nicht abgerechneten Derivate-Kontrakte. Ein starker Rückgang deutet darauf hin, dass Marktteilnehmer Positionen schließen – freiwillig oder erzwungen.
Gleichzeitig melden Analysten von CryptoQuant einen Rückgang des Open Interest an ETH-Derivaten um über zwei Milliarden Dollar innerhalb einer Woche. Allein auf Gate.io sank der Wert um rund 38 Prozent. Die Geschwindigkeit deutet laut CryptoQuant auf erzwungene Positionsauflösungen hin, nicht auf geordneten Abbau.
Die Funding Rates an den meisten Börsen sind in den negativen Bereich zurückgekehrt. Negatives Funding bedeutet, dass Short-Positionen überwiegen und deren Halter für das Offenhalten zahlen. Das Niveau entspricht laut CryptoQuant dem Stand von Februar 2026, der dem stärksten Kursrückgang des Jahres vorausging. Es handelt sich demnach um das zweite kurzfristige Kapitulationsereignis seit den März-Tiefs. Das erste hatte damals einen lokalen Boden markiert.
Warum das jetzt zählt
Der Kelp-DAO-Vorfall ist mehr als ein isolierter Hack. Er legt ein strukturelles Spannungsfeld offen. Ethereum wächst durch immer neue Protokollschichten, doch jede Schicht erhöht die Komplexität und damit das Risiko. Hoskinsons Kritik mag interessengeleitet sein – als Cardano-Gründer steht er in direkter Konkurrenz zu Ethereum –, doch sie trifft auf eine Faktenlage, die schwer zu ignorieren ist. Solange Restaking-Protokolle keine robusteren Sicherheitsstandards etablieren, bleibt die Debatte über systemische Risiken akut.
Einordnung / Ausblick
Für den ETH-Kurs ergibt sich eine doppelte Belastung: Der potenzielle Verkaufsdruck durch die gestohlenen Mittel trifft auf ein Derivate-Umfeld, das bereits auf Kapitulation hindeutet.
- Bullisches Szenario: Bildet sich wie im März erneut ein lokaler Boden, könnte ein nachhaltiger Ausbruch über 2.400 Dollar die Lage entspannen.
- Bärisches Szenario: Fließen die gestohlenen Mittel in den Markt und bricht ETH unter 2.250 Dollar, könnte die Kombination aus Sicherheitsschock und technischer Schwäche eine tiefere Korrektur auslösen.
Die kommenden Tage dürften zeigen, welches Szenario sich durchsetzt.
Hinweis: Keine Anlageberatung. Dieser Artikel dient ausschließlich Informationszwecken und stellt keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Finanzprodukten dar.
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