Interactive Brokers öffnet ETH-Staking für Millionen Kunden
Der US-Broker integriert Ethereum-Staking in seine Plattform und beseitigt damit eine der letzten Hürden zwischen klassischem Depot und Krypto-Ertrag.
CryptoDaily 3 min

Interactive Brokers bietet Ethereum-Staking an
Interactive Brokers bietet seit dem 13. Oktober Ethereum-Staking für berechtigte US-Kunden an. Die technische Abwicklung übernimmt der Infrastrukturanbieter Zerohash.
Was ist Staking?
Beim Staking hinterlegen Krypto-Besitzer ihre Coins in einem Blockchain-Netzwerk, um dessen Betrieb zu sichern. Im Gegenzug erhalten sie regelmäßige Erträge – vergleichbar mit Zinsen auf eine Einlage.
Staking ohne Umweg
Bisher mussten Anleger, die mit ihren Ether Staking-Erträge erzielen wollten, ein separates Konto bei einer Krypto-Börse eröffnen oder eigene Validator-Infrastruktur betreiben. Interactive Brokers beseitigt diesen Umweg. Kunden können das Staking direkt über das bestehende Client Portal aktivieren. Die Rewards werden automatisch dem gestakten Guthaben zugeschrieben und reinvestiert.
Zerohash betreibt im Hintergrund die Validator-Infrastruktur, übernimmt die Rewards-Abrechnung und stellt die regulatorische Compliance sicher. Laut Zerohash-Dokumentation können Partnerplattformen zwischen 25 und 35 Prozent der Brutto-Staking-Rewards als Gebühr einbehalten. Interactive Brokers hat keine eigene Gebührenhöhe veröffentlicht, garantiert Kunden jedoch laut Pressemitteilung mindestens 70 Prozent der Erträge. Das Angebot ist in fünf US-Bundesstaaten derzeit nicht verfügbar.
Warum das jetzt zählt
Der Schritt von Interactive Brokers ist kein isoliertes Ereignis. Auch E*Trade, die Brokerage-Sparte von Morgan Stanley, nutzt seit Juli Zerohash als Backend für den Handel mit Bitcoin, Ether und Solana. Die Grenzen zwischen klassischem Brokerage und Krypto-Infrastruktur verschwimmen zunehmend. Eine PwC-Studie aus dem Vorjahr zeigt, dass 27 Prozent der Retail-Krypto-Investoren Staking als zentralen Bestandteil ihrer Strategie betrachten.
Für Ethereum hat das strukturelle Bedeutung. Wenn Millionen Brokerage-Kunden erstmals niedrigschwellig Zugang zu Staking erhalten, könnte das die Nachfrage nach gestaktem ETH erhöhen. Gleichzeitig fällt einer der letzten praktischen Gründe weg, neben dem Broker-Konto zusätzlich ein Konto bei einer Krypto-Börse zu unterhalten.
Einordnung und Ausblick
Interactive Brokers verwaltet Kundenvermögen von knapp 965 Milliarden Dollar bei mehr als 5,5 Millionen Konten. Die Reichweite ist enorm, die Umsetzung dennoch schrittweise.
Bull-Szenario
- Weitere große Broker ziehen nach,
- Staking wird zum Standardangebot im klassischen Wertpapierdepot
- und treibt die institutionelle ETH-Nachfrage.
Bear-Szenario
Zerohash, der zentrale Infrastrukturpartner, operiert bislang ohne föderale Banklizenz. Ein erster Antrag auf eine nationale Trust-Bank-Charta beim OCC wurde im Juli zurückgegeben, ein zweiter Antrag läuft laut Medienberichten seit August. Solange dieser Status ungeklärt bleibt, fehlt dem Konstrukt ein regulatorisches Fundament auf Bundesebene.
Was ist eine OCC-Charta?
Das Office of the Comptroller of the Currency (OCC) vergibt nationale Banklizenzen in den USA. Eine Trust-Bank-Charta erlaubt es Unternehmen, Vermögenswerte im Auftrag von Kunden zu verwahren – unter Bundesaufsicht.
Ob das Modell zum Standard wird, hängt davon ab, wie schnell weitere Broker nachziehen und ob die Aufsichtsbehörden den regulatorischen Rahmen entsprechend anpassen. Für Anleger bedeutet das vorerst: mehr Komfort, aber auch die Notwendigkeit, Gebührenstruktur und regulatorischen Status des Anbieters genau zu prüfen.
Hinweis: Keine Anlageberatung. Die dargestellten Informationen dienen ausschließlich der Information und stellen keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Vermögenswerten dar.
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