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Glamsterdam auf Sepolia: Ethereums nächstes Upgrade startet die Testphase

Das größte Infrastruktur-Update seit dem Merge trennt Blockproduktion vom Konsens und verdreifacht das Gas-Limit. Die ersten Testnet-Ergebnisse liegen vor.

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Glamsterdam auf Sepolia: Ethereums nächstes Upgrade startet die Testphase

Ethereums Glamsterdam-Upgrade

Ethereums Glamsterdam-Upgrade ist seit dem 6. Oktober auf dem Sepolia-Testnetz aktiv. Es ist der erste öffentliche Praxistest für Änderungen, die die Blockproduktion und Verarbeitungskapazität des Netzwerks grundlegend neu ordnen sollen.

Blockproduktion wird ins Protokoll verlagert

Im Zentrum steht EIP-7732, die sogenannte Enshrined Proposer-Builder Separation. Bisher läuft die Aufteilung zwischen Blockvorschlag und Blockproduktion über externe Vermittler wie MEV-Boost. Glamsterdam verankert diesen Mechanismus direkt im Konsensprotokoll.

Was ist Proposer-Builder Separation? Im Proof-of-Stake-System schlagen Validatoren neue Blöcke vor. Um Manipulation bei der Transaktionsreihenfolge zu verhindern, wird die Erstellung des Blockinhalts an spezialisierte Builder ausgelagert. Bisher geschah das über externe Software – künftig regelt das Protokoll selbst diese Trennung.

Validatoren committen künftig zur Execution Payload eines spezialisierten Builders, die Zahlungsabwicklung übernimmt das Protokoll selbst. Das beseitigt eine Vertrauensabhängigkeit, die seit dem Merge als provisorisch galt.

Parallel dazu führt EIP-7928 verpflichtende Block-Level Access Lists ein. Diese erfassen vorab, welche Accounts und Speicherorte ein Block berührt. Damit können Nodes Daten parallel lesen und Transaktionen gleichzeitig validieren, statt sie sequenziell abzuarbeiten. Beide Änderungen zusammen schaffen die technische Voraussetzung für die dritte zentrale Neuerung: ein Gas-Limit von 200 Millionen, mehr als das Dreifache des bisherigen Niveaus von rund 60 Millionen.

Was ist das Gas-Limit?

Gas ist die Recheneinheit auf Ethereum, die misst, wie viel Arbeit ein Block verarbeiten kann. Ein höheres Gas-Limit bedeutet, dass pro Block mehr Transaktionen und Smart-Contract-Operationen möglich sind.

Erste Ergebnisse und offene Risiken

Die ersten beiden aktualisierten Epochen auf Sepolia haben laut Beacon-Chain-Daten die Zwei-Drittel-Schwelle für Finalität überschritten, enthielten jedoch vereinzelt verpasste Slots und verwaiste Blöcke. Ein Block gegen 10:03 Uhr ET wies bereits ein Gas-Limit von rund 61 Millionen auf. Der Anstieg auf 200 Millionen erfolgt graduell, begrenzt durch die EIP-8261-Spezifikation auf etwa ein Tausendstel Änderung pro Block.

Das höhere Gas-Limit bedeutet nicht automatisch niedrigere Gebühren. Validatoren müssen die erhöhte Arbeitslast ohne inakzeptable Hardwareanforderungen verarbeiten können. Auf dem separaten Devnet 11 hat Glamsterdam den vollständigen Übergang von 60 auf 200 Millionen Gas nach Angaben der Ethereum Foundation bereits abgeschlossen, unter Beteiligung von rund 84.000 Validatoren über mehrere Ethereum-Clients. Die Ethereum Foundation warnt Entwickler, dass Contracts mit fest codierten Gas-Limits vor dem Mainnet-Start angepasst werden müssen, da EIP-8037 die Gas-Bepreisung für State-Erstellung separat erfasst.

Warum das jetzt zählt

Glamsterdam ist das umfangreichste Protokoll-Upgrade seit dem Merge im September 2022. Wo Pectra im Frühjahr vor allem Validatoren betraf, greift Glamsterdam in die Kernarchitektur der Blockproduktion ein. Für das Ethereum-Ökosystem steht damit die Frage im Raum, ob das Netzwerk den wachsenden Anforderungen durch institutionelle Produkte, Layer-2-Netzwerke und steigende Transaktionsvolumina gewachsen bleibt.

Einordnung und Ausblick

Ein Mainnet-Datum ist bislang nicht festgelegt. Nach Sepolia folgt das Hoodi-Testnetz, dessen Aktivierungstermin von den Sepolia-Ergebnissen abhängt. Entwickler haben adversariales Testing in eine separate Umgebung namens Platåberget ausgelagert, um gezielte Angriffe auf die neue Architektur zu simulieren.

  • Bullisches Szenario: Glamsterdam besteht die Testnet-Phase ohne schwerwiegende Fehler, erreicht das Mainnet planmäßig und steigert die Verarbeitungskapazität spürbar. Das könnte Ethereum als Infrastrukturstandard für institutionelle Anwendungen und Layer-2-Netzwerke festigen.
  • Bärisches Szenario: Die erhöhten Hardwareanforderungen durch das verdreifachte Gas-Limit könnten kleinere Validatoren verdrängen und die Dezentralisierung schwächen. Unvorhergesehene Probleme in der neuen Proposer-Builder-Architektur könnten den Mainnet-Start verzögern.

Sollte Glamsterdam das Mainnet erreichen, plant die Ethereum Foundation laut Blog-Post bereits das Folge-Upgrade Hegotá für 2027, für das 66 Vorschläge eingereicht wurden.

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