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Filecoin vor dem größten Umbau seiner Geschichte

FIP-0118 koppelt Block-Rewards an echte Speichernutzung – gleichzeitig fällt ein Großteil des täglichen Token-Zuflusses weg

CryptoDaily 3 min

Filecoin vor dem größten Umbau seiner Geschichte

Ein neuer Governance-Vorschlag will Filecoins Token-Ökonomie grundlegend umbauen

Parallel hat das Ende sechsjähriger Vesting-Pläne den täglichen Verkaufsdruck bereits deutlich reduziert.

Vom Mining-Reward zur Nutzungsprämie

Der Vorschlag FIP-0118, intern als Solstice bezeichnet, würde die Verteilung der Block-Rewards schrittweise umschichten. Bisher fließen 95 Prozent der Blockbelohnungen an Konsens-Miner, also an jene Teilnehmer, die das Netzwerk absichern. Künftig soll ein wachsender Anteil an Anbieter gehen, die tatsächlich bezahlte Speicherdienste erbringen.

Was ist ein Block-Reward?

Die Menge an neuen Token, die bei jedem neuen Block im Netzwerk ausgeschüttet wird. Bei Filecoin entscheidet die Verteilung dieser Belohnung darüber, welches Verhalten das Protokoll wirtschaftlich belohnt.

Der Mechanismus funktioniert stufenweise. Der Anteil für Speicherdienste startet bei fünf Prozent und steigt quartalsweise um jeweils fünf Prozentpunkte, sofern das On-Chain-Zahlungsvolumen über Filecoin Pay ein definiertes Dollarziel erreicht. Maximal kann der Anteil auf 50 Prozent steigen. Wird das Volumenziel in einem Quartal nicht erreicht, wird der nicht verdiente Anteil verbrannt statt umverteilt. Das erzeugt einen deflationären Effekt auf die FIL-Umlaufmenge.

Was bedeutet deflationär?

Ein deflationärer Mechanismus reduziert die im Umlauf befindliche Token-Menge, was bei gleichbleibender Nachfrage den Wert pro Einheit tendenziell stützen kann.

Gleichzeitig entfällt mit Solstice das bisherige Fil-Plus-System, das über sogenannte Datacap-Anträge bestimmten Speicheranbietern Vorteile einräumte. Die damit verbundene Bürokratie aus Allocator-Reviews und Antragsverfahren würde laut dem FIP-0118-Vorschlag auf GitHub ersatzlos gestrichen. Der Vorschlag steht noch zur Diskussion, ein möglicher Aktivierungstermin auf dem Mainnet wurde als Arbeitskandidat auf den 19. Oktober datiert.

Vesting-Ende drückt den täglichen Token-Zufluss

Unabhängig von FIP-0118 wirkt bereits ein zweiter Faktor auf die Token-Ökonomie. Die sechsjährigen Vesting-Zeitpläne für Protocol Labs und die Filecoin Foundation, die seit dem Netzwerkstart 2020 laufen, sind ausgelaufen.

Was ist Vesting?

Ein Mechanismus, bei dem Token nicht sofort verfügbar sind, sondern über einen festgelegten Zeitraum schrittweise freigegeben werden – häufig zur Vermeidung von abruptem Verkaufsdruck.

Laut Modellierungen von FilecoinTLDR sinkt dadurch der tägliche neue FIL-Zufluss in den Markt um rund 75 Prozent. Jährlich entfallen damit nach Angaben von The Defiant etwa 68 Millionen FIL an planmäßigen Freigaben.

FIL notierte am 16. Oktober bei 1,15 US-Dollar, ein Plus von gut zwölf Prozent innerhalb von 24 Stunden. Das Open Interest im Futures-Markt stieg laut CoinGlass um 17,5 Prozent auf 275 Millionen US-Dollar. Parallel nahm laut AMBCrypto die Whale-Aktivität zu, die Long-Short-Ratio auf großen Börsen zeigt ein Übergewicht an Kaufpositionen. Ob diese Dynamik anhält, hängt wesentlich davon ab, wie der Markt die Kombination aus reduziertem Angebot und dem potenziellen Protokollumbau bewertet.

Warum das jetzt zählt

Filecoin versucht mit Solstice einen Pfadwechsel, den kaum ein Krypto-Netzwerk bisher gewagt hat. Die Kopplung von Token-Ausschüttungen an reale Zahlungsvolumina statt an reine Rechenleistung wäre ein Bruch mit der Mining-Logik, die den Sektor seit Bitcoin prägt. Gelingt die Umsetzung, könnte Filecoin ein Modell etablieren, das die Token-Bewertung direkt an die wirtschaftliche Nutzung des Netzwerks bindet.

Einordnung und Ausblick

Die Richtung ist ambitioniert, die Umsetzung offen. Zentrale Parameter wie die Aktivierungsschwellen und die Governance-Zuständigkeit sind noch nicht festgelegt. Sollte das On-Chain-Zahlungsvolumen hinter den Zielen zurückbleiben, würde der Burn-Mechanismus zwar deflationär wirken, aber auch signalisieren, dass die Nachfrage nach bezahltem Speicher nicht ausreicht. Auf der anderen Seite reduziert das Vesting-Ende den strukturellen Verkaufsdruck erheblich, was FIL eine günstigere Angebotsdynamik verschafft als in den vergangenen Jahren. Ob daraus eine nachhaltige Neubewertung entsteht, entscheidet sich an der Frage, ob Filecoin tatsächlich zahlende Kunden in relevantem Umfang gewinnen kann.

Hinweis: Keine Anlageberatung. Dieser Artikel dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten dar.

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