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Fed-Zinserhöhung setzt Bitcoin unter Druck – Washington baut an der Reserve

Die erste US-Zinserhöhung seit drei Jahren trifft den Kryptomarkt, während ein Gesetzentwurf staatliche Bitcoin-Bestände für zwei Jahrzehnte einfrieren will.

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Fed-Zinserhöhung setzt Bitcoin unter Druck – Washington baut an der Reserve

Die Federal Reserve hat den Leitzins um 25 Basispunkte erhöht

Die Federal Reserve hat den Leitzins um 25 Basispunkte auf 3,75 bis 4,00 Prozent angehoben – der erste Zinsschritt nach oben seit Juli 2023. Gleichzeitig stimmte ein Kongressausschuss für ein Gesetz, das sämtliche staatlichen Bitcoin-Bestände für 20 Jahre einfrieren würde.

Zinserhöhung drückt auf Risiko-Assets

Die Entscheidung der Fed markiert das Ende einer dreijährigen Lockerungsphase. Die US-Kerninflation wird laut Notenbankprojektionen für 2026 auf 3,7 Prozent geschätzt, eine Rückkehr zum Zwei-Prozent-Ziel erwartet die Fed nicht vor 2029. Goldman Sachs rechnet nach eigener Einschätzung bereits mit einer weiteren Erhöhung beim Oktober-Meeting.

Die Folgen für Bitcoin sind unmittelbar spürbar. Bitcoin fiel zeitweise unter 75.000 Dollar, laut Marktdaten wurden über 500 Millionen Dollar an Long-Positionen liquidiert. Die Rendite zweijähriger US-Staatsanleihen kletterte auf 4,73 Prozent, den höchsten Stand seit 26 Monaten. Der Dollar-Index durchbrach erstmals seit über vier Wochen die 100er-Marke. Beide Signale verschärfen die Liquiditätsbedingungen für Risiko-Assets.

Was sind Long-Positionen? Wetten auf steigende Kurse. Werden diese bei fallenden Preisen zwangsverkauft, spricht man von Liquidationen – das verstärkt den Abwärtsdruck.

Laut Glassnode liegt die Kostenbasis kurzfristiger Bitcoin-Halter bei rund 70.000 Dollar. Ein Kursrückgang unter diese Schwelle würde diese Gruppe in unrealisierte Verluste drücken und zusätzlichen Verkaufsdruck erzeugen.

Der Markt hatte bereits am Montag einen Dämpfer erhalten: Der US-Senat ließ den CLARITY Act mit 49 zu 50 Stimmen scheitern. Der Gesetzentwurf hätte die regulatorische Zuständigkeit zwischen SEC und CFTC für digitale Vermögenswerte geklärt. Unmittelbar danach fiel die gesamte Krypto-Marktkapitalisierung laut Marktdaten um knapp 100 Milliarden Dollar.

Kongress will Bitcoin-Reserve per Gesetz verankern

Während der Markt die Zinserhöhung verdaute, schuf der House Financial Services Committee am Dienstag mit 28 zu 21 Stimmen laut CryptoSlate einen bemerkenswerten Gegenpol. Der American Reserve Modernization Act sieht vor, sämtliche staatlich gehaltenen Bitcoin-Bestände ab Inkrafttreten für 20 Jahre einzufrieren. Verkauf, Tausch oder Verpfändung wären in dieser Frist verboten.

Das Gesetz baut auf der Executive Order von Präsident Trump vom März 2025 auf, die eine strategische Bitcoin-Reserve angeordnet hatte. Bundesbehörden müssten innerhalb von 60 Tagen eine vollständige Bestandsaufnahme ihrer digitalen Vermögenswerte an das Finanzministerium übermitteln. Der Entwurf sieht zudem öffentliche kryptografische Nachweise über die Bestände und unabhängige Prüfungen vor. Ein aktives Kaufprogramm ist nicht enthalten, wohl aber eine Studie über Risiken und Nutzen weiterer Zukäufe.

Das Gesetz muss noch weitere parlamentarische Hürden nehmen. Doch allein die Ausschussabstimmung sendet ein Signal: Während die Geldpolitik kurzfristig gegen Bitcoin arbeitet, baut die legislative an einem Rahmen, der staatlichen Verkaufsdruck dauerhaft eliminieren würde.

Warum das jetzt zählt

Die Spannung zwischen diesen beiden Entwicklungen definiert die aktuelle Marktlage. Auf der einen Seite steht eine Notenbank, die Liquidität entzieht und den Dollar stärkt. Auf der anderen ein politischer Prozess, der Bitcoin in die Architektur staatlicher Reserven einschreiben will.

Was ist der Bull Score Index? Ein von CryptoQuant berechneter Indikator, der mehrere On-Chain- und Marktdaten zusammenfasst, um die Stärke eines Aufwärtstrends bei Bitcoin zu bewerten. Werte unter 60 gelten als bärisches Signal.

Laut CryptoQuant-Daten fiel der Bull Score Index nach der Fed-Entscheidung in bärisches Terrain. Technisch bewegt sich Bitcoin zwischen einer Unterstützung bei 74.600 Dollar und einem Widerstand bei 77.500 Dollar. Analysten sehen erst oberhalb von 82.000 Dollar eine Bestätigung für eine Trendwende.

Einordnung / Ausblick

Kurzfristig dürfte die Geldpolitik den Takt vorgeben. Nach Kursgewinnen von jeweils über 30 Prozent in Juli und August notiert Bitcoin im September bisher im Minus.

  • Bärisches Szenario: Weitere Zinserhöhungen und ein stärkerer Dollar könnten Bitcoin unter die Kostenbasis kurzfristiger Halter bei 70.000 Dollar drücken. Das Scheitern des CLARITY Act verschärft die regulatorische Unsicherheit zusätzlich. Ein Abrutschen in den Bereich von 62.000 bis 65.000 Dollar wäre in diesem Fall nicht auszuschließen.
  • Bullisches Szenario: Die strukturellen Weichenstellungen aus Washington – insbesondere der Reserve-Gesetzentwurf – könnten den zyklischen Gegenwind mittelfristig auffangen. Institutionelle Akteure wie BlackRock, dessen IBIT-ETF laut ZyCrypto in den vergangenen 20 Tagen Bitcoin im Wert von über einer Milliarde Dollar akkumulierte, setzen offenbar auf dieses Szenario. Ein Durchbruch über 82.000 Dollar würde den Aufwärtstrend bestätigen.

Die kommenden Wochen werden zeigen, was schwerer wiegt: der Preis des Geldes oder der politische Wille zur Reserve.

Hinweis: Keine Anlageberatung. Alle genannten Kurse und Daten können sich seit Redaktionsschluss verändert haben. Dieser Artikel dient ausschließlich der Information.

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