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Fed hält Zinsen – doch zwei Gegenstimmen erhöhen den Druck auf Bitcoin

Hawkishe Signale aus Washington treffen auf fragile Marktstruktur bei 81.000 Dollar

CryptoDaily 4 min

Fed hält Zinsen – doch zwei Gegenstimmen erhöhen den Druck auf Bitcoin

Die US-Notenbank belässt die Zinsen

Die US-Notenbank hat die Zinsen bei 3,75 bis 4,00 Prozent belassen – doch zwei Fed-Mitglieder stimmten für eine weitere Erhöhung. Die Märkte preisen einen Dezember-Zinsschritt nun mit fast 80 Prozent Wahrscheinlichkeit ein.

Gespaltene Fed verschiebt die Risikorechnung

Die Entscheidung selbst überraschte niemand. Über 90 Prozent der Marktteilnehmer hatten laut CME FedWatch eine Zinspause erwartet. Was die Märkte bewegte, war das Drumherum: Fed-Gouverneurin Lisa Cook und Cleveland-Fed-Präsidentin Beth Hammack votierten für eine Erhöhung um 25 Basispunkte – die erste Spaltung im Gremium seit der einstimmigen Anhebung im September.

Was sind Basispunkte?

Ein Basispunkt entspricht einem Hundertstel Prozentpunkt (0,01 %). 25 Basispunkte sind also 0,25 Prozentpunkte – die übliche Schrittgröße bei Zinsänderungen der Notenbank.

Gleichzeitig stufte die Fed das Wirtschaftswachstum von solide auf stark hoch, während die Inflation mit 3,7 Prozent im Jahresvergleich deutlich über dem Zwei-Prozent-Ziel liegt. CME FedWatch weist nun eine Wahrscheinlichkeit von 78 Prozent für eine Zinserhöhung auf der Dezember-Sitzung aus. Für Risikoassets verschlechtert das die Ausgangslage: Bei zehnjährigen Treasury-Renditen nahe fünf Prozent konkurriert Bitcoin direkt mit nahezu risikofreien Alternativen, die laufende Erträge bieten.

Bitcoin scheitert am Widerstand – Whale-Signale bleiben widersprüchlich

Der Kurs reagierte auf die Fed-Entscheidung kaum. Bitcoin stieg kurzzeitig auf 81.093 Dollar, fiel aber innerhalb von Minuten auf 80.709 Dollar zurück. Der 50-Tage-Durchschnitt bei rund 81.800 Dollar fungiert als Widerstand, den der Kurs zuletzt nicht überwinden konnte.

Was ist der 50-Tage-Durchschnitt?

Ein gleitender Mittelwert, der den durchschnittlichen Schlusskurs der letzten 50 Handelstage abbildet. Er dient Händlern als Orientierung für kurz- bis mittelfristige Trends.

Analyst Rekt Capital identifiziert 82.000 bis 82.500 Dollar als entscheidende Zone – darüber könnte sich Raum bis 84.200 Dollar öffnen. Darunter liegt die nächste substanzielle Unterstützung laut Glassnode-Daten erst bei 78.000 bis 79.000 Dollar, wo sich Kauforders im Volumen von rund 42 Millionen Dollar konzentrieren. Bei 80.000 Dollar selbst stehen nur noch 3,4 Millionen Dollar an Geboten.

Gleichzeitig senden Großinvestoren widersprüchliche Signale: Zwei Wallets transferierten innerhalb von 24 Stunden Bitcoin im Wert von 200 Millionen Dollar an Börsen, während ein einzelner Käufer laut AMBCrypto 11.326 BTC für rund 903 Millionen Dollar akkumulierte. Hyperliquid-Whales halten laut Glassnode erstmals seit März eine Netto-Short-Position. Das Bild einer Umverteilung verdichtet sich, ohne dass eine klare Richtung erkennbar wird.

Strukturelle Gegenkräfte halten den Markt in Spannung

Trotz des geldpolitischen Drucks gibt es Anker auf der Nachfrageseite. BlackRock kaufte am Mittwoch Bitcoin im Wert von 151 Millionen Dollar über seinen Spot-ETF – rund 86 Prozent der gesamten ETF-Zuflüsse an diesem Tag. CryptoQuant-Daten zeigen zudem, dass Whale-Verkäufe nachgelassen haben: Der monatliche Netto-Bestandsrückgang bei Großhaltern sank von minus 282.000 BTC im Juli auf minus 39.000 BTC.

Was ist ein Spot-ETF?

Ein börsengehandelter Fonds, der den Basiswert – in diesem Fall Bitcoin – direkt hält, statt über Derivate abzubilden. Anleger können so über ihr reguläres Depot in Bitcoin investieren.

Doch das Gesamtbild bleibt fragil. US-Spot-Bitcoin-ETFs verzeichneten in den ersten zwölf Handelstagen des Oktobers Nettoabflüsse von 615 Millionen Dollar. Glassnode weist zudem darauf hin, dass rund vier Millionen BTC von langfristigen Haltern zwischen 85.000 und 118.000 Dollar erworben wurden – ein Angebotsüberhang, der bei jeder Erholung als Verkaufsdruck wirken dürfte.

Warum das jetzt zählt

Die kommenden Tage bündeln mehrere Katalysatoren: Am Donnerstag werden die PCE-Inflationsdaten veröffentlicht, am Freitag verfallen Bitcoin-Optionen im Nominalwert von rund 12 Milliarden Dollar mit einem Maximum-Pain-Level bei 78.000 Dollar.

Was ist Maximum Pain?

Das Preisniveau, bei dem die meisten Optionskontrakte wertlos verfallen und Optionskäufer den größten Verlust erleiden. Der Kurs tendiert zum Verfallstermin häufig in Richtung dieses Niveaus.

Wintermute warnt laut U.Today, dass ein Ölpreis über 120 Dollar pro Barrel eine Dezember-Zinserhöhung zum Basisszenario machen würde – Brent notiert bereits bei 117 Dollar. Analyst Benjamin Cowen sieht mit zwei Wochenschlusskursen unter 83.000 Dollar die bearishe Marktstruktur bestätigt und blickt auf die Zone um 72.000 bis 76.000 Dollar.

Einordnung und Ausblick

Die Lage ist zugespitzt. Gelingt eine nachhaltige Rückkehr über 84.000 Dollar mit stärkeren ETF-Zuflüssen, könnte der Angebotsüberhang absorbiert werden. Bleibt der Kurs unter dem 50-Tage-Durchschnitt und fallen die Inflationsdaten heiß aus, dürfte die Dezember-Zinserhöhung zur Gewissheit werden – mit entsprechenden Folgen für die Risikobereitschaft. In einem Umfeld, in dem Treasuries fast fünf Prozent rentieren und die Fed ihre Sprache verschärft, muss Bitcoin beweisen, dass seine Nachfragestruktur auch ohne Zinssenkungsfantasie trägt.

Hinweis: Keine Anlageberatung. Dieser Artikel dient ausschließlich der Information und stellt keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Finanzprodukten dar.

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