CryptoDaily
ethereum

Ethereum verschiebt Glamsterdam-Upgrade nach Sicherheitslücke

Gaskosten-Änderungen bedrohen bestehende Smart Contracts – Mainnet-Start könnte sich bis 2027 verzögern

CryptoDaily 3 min

Ethereum verschiebt Glamsterdam-Upgrade nach Sicherheitslücke

Vier Tage vor dem geplanten Start hat Ethereum die Glamsterdam-Aktivierung auf dem Hoodi-Testnetz gestoppt.

Eine Sicherheitsanalyse deckte auf, dass geplante Gaspreisänderungen bestehende Smart Contracts brechen können.

13 Projekte betroffen, koordinierte Offenlegung läuft

Die Sicherheitsfirma ChainSecurity veröffentlichte am 13. Oktober eine Analyse, die das Problem offenlegt. Zwei zentrale Ethereum Improvement Proposals (EIPs) – EIP-8037 und EIP-8038 – sollen die Gaskosten für bestimmte Speicheroperationen neu berechnen.

Was sind EIPs?

Ethereum Improvement Proposals sind formelle Vorschläge zur Änderung des Ethereum-Protokolls. Sie durchlaufen einen öffentlichen Prüfprozess, bevor sie in ein Upgrade einfließen.

Konkret: Das Schreiben in einen neuen Storage-Slot würde künftig bis zu 110.020 Gas kosten statt bisher 22.100. Viele ältere Smart Contracts arbeiten mit fest einprogrammierten Gas-Budgets, die auf den bisherigen Werten basieren. Die neuen Kosten würden diese Budgets sprengen, ohne dass am Contract-Code selbst etwas geändert wurde.

Das daraus resultierende Risiko trägt den Namen Insufficient Gas Griefing. Dabei könnte ein Angreifer Transaktionen gezielt mit zu wenig Gas auslösen, sodass sie als dauerhafter Fehler protokolliert werden. Wiederholungsversuche oder berechtigte Ansprüche wären damit blockiert. ChainSecurity identifizierte 13 reale Anwendungsfälle, die betroffen sind. Die betroffenen Projekte werden derzeit vertraulich informiert.

Zeitplan unter Druck

Die Ethereum-Entwickler zogen am 22. Oktober die Notbremse und verschoben die Hoodi-Aktivierung, die für den 26. Oktober vorgesehen war. Einen neuen Termin gibt es nicht. Glamsterdam ist das nächste große Ethereum-Upgrade und vereint die zuvor getrennten Pakete Gloas und Amsterdam. Es enthält unter anderem die sogenannte enshrined Proposer-Builder Separation (ePBS) – eine Protokolländerung, die die Trennung von Blockvorschlag und Blockerstellung direkt im Ethereum-Protokoll verankert – und soll das Block-Gas-Limit deutlich anheben.

Das vorgelagerte Testnetz Sepolia hatte das Upgrade Anfang Oktober noch ohne Probleme durchlaufen. Doch jede Anpassung an den betroffenen EIPs erfordert nun neue Client-Releases, einen neuen Hoodi-Termin und möglicherweise einen zweiten Fork für Sepolia. Ethereum-Entwicklerin Nixo erwartet, dass die Verzögerung den Mainnet-Start voraussichtlich auf 2027 verschiebt.

Warum das jetzt zählt

Der Vorfall zeigt ein grundsätzliches Spannungsfeld bei Ethereum-Upgrades. Änderungen an fundamentalen Netzwerkparametern wie Gaskosten können Auswirkungen auf Tausende bereits aktive Smart Contracts haben, die niemand mehr aktualisiert. Je größer das Ökosystem wird, desto aufwendiger wird die Prüfung solcher Wechselwirkungen.

Einordnung und Ausblick

Dass die Entwickler den Start stoppen statt das Risiko zu ignorieren, spricht für die Sorgfalt des Prozesses. Gleichzeitig verlängert jede Verzögerung die Wartezeit auf dringend benötigte Kapazitätserweiterungen. Für das Ethereum-Ökosystem entsteht ein Balanceakt: Sicherheit hat Vorrang, doch der Druck steigt, technische Verbesserungen schneller umzusetzen. Ob die betroffenen EIPs angepasst oder vorübergehend aus dem Upgrade entfernt werden, dürfte die kommenden Entwicklertreffen dominieren.

Hinweis: Keine Anlageberatung. Die dargestellten Informationen dienen ausschließlich der Information und stellen keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Vermögenswerten dar.

Ethereum · Glamsterdam Upgrade · Smart Contracts · Gaskosten · EIP-8037 · EIP-8038 · Insufficient Gas Griefing · ChainSecurity · Ethereum Testnetz · Blockchain Sicherheit