Ethereum unter Druck: BitMine nähert sich dem Kauflimit
Der größte institutionelle ETH-Käufer kündigt das Ende seiner Akkumulation an – gleichzeitig testen Liquidationen und ETF-Abflüsse die Marktstruktur.
CryptoDaily 3 min

BitMine Immersion Technologies stellt wöchentliche Käufe ein
BitMine Immersion Technologies, der größte börsennotierte Ethereum-Halter, wird seine wöchentlichen Käufe bald einstellen. Chairman Tom Lee erklärte auf der Token2049-Konferenz in Singapur, dass bei fünf Prozent des zirkulierenden ETH-Angebots eine harte Kaufobergrenze gilt.
Ein konstanter Käufer fällt weg
Das Unternehmen hält aktuell 6,02 Millionen ETH und liegt damit bei 4,9 Prozent des zirkulierenden Angebots. Die verbleibende Lücke bis zur selbst gesetzten Grenze beträgt rund 100.000 ETH. Seit Juni 2025 kauft BitMine wöchentlich Ethereum. In der vergangenen Woche erwarb das Unternehmen laut Pressemitteilung 15.112 ETH im Wert von rund 41 Millionen Dollar. Bei diesem Tempo wäre die Grenze in etwa sechs bis sieben Wochen erreicht.
Gemessen am täglichen ETH-Handelsvolumen sind 41 Millionen Dollar pro Woche keine marktbewegende Größe. Die Bedeutung liegt im Signal: Mit BitMine verschwindet ein berechenbarer institutioneller Nachfragefaktor, der den Markt über mehr als ein Jahr begleitet hat.
Lee deutete zudem an, dass BitMine künftig Staking-Erträge verkaufen könnte, um dauerhaft unter der Fünf-Prozent-Schwelle zu bleiben. Aus einem Nettokäufer könnte also ein Nettoverkäufer werden.
Von den 6,02 Millionen ETH sind 84 Prozent gestakt. Das Staking-Geschäft generiert annualisiert geschätzte 330 Millionen Dollar und bleibt laut SEC-Filings das Kerngeschäft des Unternehmens.
Marktstruktur zeigt Stresssignale
Die Ankündigung trifft auf einen ohnehin angespannten Markt. ETH fiel am 7. Oktober um rund sechs Prozent auf etwa 2.565 Dollar. Innerhalb von 24 Stunden wurden laut CoinGlass-Daten gehebelte Long-Positionen im Wert von 222 Millionen Dollar liquidiert – 95 Prozent aller aufgelösten Positionen.
Gleichzeitig verzeichneten US-Spot-Ether-ETFs laut SoSoValue am Vortag Nettoabflüsse von 202 Millionen Dollar, der höchste Tageswert seit drei Wochen. Über sechs aufeinanderfolgende Handelstage summierten sich die Abflüsse auf 408 Millionen Dollar.
Technisch notiert ETH am 50-Tage-Durchschnitt bei rund 2.547 Dollar. Ein Tagesschluss unter 2.500 Dollar würde laut Chartanalysten weiteres Abwärtspotenzial in Richtung 2.310 Dollar eröffnen. Die Funding Rate für Perpetual Futures ist leicht negativ, was auf eine Verschiebung hin zu Short-Positionierung hindeutet.
Warum das jetzt zählt
Die drei Faktoren – BitMines Kaufstopp, die Liquidationswelle und die ETF-Abflüsse – treffen zeitlich zusammen und verstärken sich gegenseitig in ihrer Signalwirkung. Keiner davon ist für sich genommen existenzbedrohend. Das tägliche ETH-Handelsvolumen übersteigt BitMines Wochenkäufe um ein Vielfaches. Die kumulierten ETF-Zuflüsse seit Auflegung liegen weiterhin bei 13,5 Milliarden Dollar und relativieren die jüngsten Abflüsse. Doch in einer Phase, in der der Kurs an einer technischen Schlüsselzone handelt, fehlt ein stabilisierender Gegenimpuls.
Einordnung und Ausblick
BitMines Akkumulation war über Monate ein strukturelles Argument für die ETH-Nachfrage. Dass dieses Kapitel absehbar endet, zwingt den Markt, andere Nachfragequellen zu bewerten. Grayscales Ethereum Staking Mini ETF, der im ersten Jahr über 33 Millionen Dollar an Staking-Erträgen erwirtschaftete, und das bevorstehende Glamsterdam-Upgrade, das die Netzwerkkapazität laut Ethereum Foundation potenziell verdreifachen könnte, liefern mittelfristig positive Impulse.
Kurzfristig bleibt die Frage, ob die bereits erfolgten Liquidationen ausreichen, um den Markt zu stabilisieren, oder ob weitere gehebelte Positionen unterhalb von 2.500 Dollar anfällig sind. Sollte ETH die Zone um 2.500 Dollar halten, sehen Analysten einen erneuten Anlauf auf 3.000 Dollar als möglich. Bricht die Unterstützung, dürfte sich der Druck zunächst verstärken.
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