Ethereum testet historische Bodenzone – Großinvestoren greifen zu
Whale-Käufe und steigende ETF-Zuflüsse treffen auf eine Kursregion, die in früheren Zyklen das Ende von Abwärtsphasen markierte. Doch nicht alle Kapitulationssignale sind erfüllt.
CryptoDaily 3 min

ETH notiert knapp unter 1.900 Dollar
ETH notiert knapp unter 1.900 Dollar und damit rund 62 Prozent unter dem Allzeithoch. In dieser Zone verdichten sich jetzt die Signale.
Akkumulation auf mehreren Ebenen
Die auffälligste Bewegung kommt von institutioneller Seite. Laut der On-Chain-Plattform Lookonchain hat ein einzelnes Whale-Wallet über den OTC-Desk von Galaxy Digital rund 27.000 ETH im Gegenwert von etwa 52 Millionen Dollar erworben. BitMEX-Mitgründer Arthur Hayes stockte seine Position innerhalb von acht Tagen um 3.270 ETH auf. Parallel flossen im laufenden Monat über 408 Millionen Dollar in Spot-Ethereum-ETFs.
Was ist ein OTC-Desk? Eine außerbörsliche Handelsplattform, über die große Transaktionen direkt zwischen Käufer und Verkäufer abgewickelt werden, ohne den offenen Marktpreis zu bewegen.
Diese Zuflüsse treffen auf eine Marktstruktur, die laut mehreren Analysten eine Bodenbildung begünstigt. Der pseudonyme Trader NoName identifiziert die Spanne zwischen 1.300 und 1.900 Dollar als historische Akkumulationszone. Seine Begründung: Ethereum hat seit dem Allzeithoch bei knapp 4.960 Dollar vier aufeinanderfolgende tiefere Hochs ausgebildet. Jedes Mal lag der Wendepunkt innerhalb dieses Korridors.
Indikatoren senden gemischte Signale
Chartist Ali Martinez verweist auf einen bullishen Crossover im sogenannten MVRV-Verhältnis.
Was ist das MVRV-Verhältnis? Es setzt den aktuellen Marktwert eines Kryptoassets ins Verhältnis zum realisierten Wert, also dem durchschnittlichen Kaufpreis aller im Umlauf befindlichen Coins. Extreme Abweichungen deuten historisch auf Über- oder Unterbewertung hin.
Historisch markierte dieses Setup in früheren Zyklen das Ende von Verteilungsphasen. Auch die durchschnittliche Funding Rate auf Binance ist mit 0,00339 auf den höchsten Stand seit sechs Monaten gestiegen, was auf wachsende Nachfrage im Derivatemarkt hindeutet.
Doch CryptoQuant dämpft die Euphorie. ETH handelt derzeit etwa 17 Prozent unterhalb des sogenannten Realized Price, also des durchschnittlichen Einstiegskurses aller gehaltenen Coins. Von fünf beobachteten Bottom-Indikatoren haben bisher nur zwei historische Extremwerte erreicht. Eine vollständige Kapitulation, wie sie in früheren Zyklen den Boden begleitete, sei laut CryptoQuant noch nicht eingetreten. Analyst Nonzee warnt konkret vor einer möglichen Bullenfalle: Ein kurzfristiger Anstieg auf 2.000 bis 2.200 Dollar könnte einen erneuten Rückgang auf 900 bis 1.300 Dollar einleiten, bevor eine nachhaltige Erholung einsetzt.
Warum das jetzt zählt
Die Kombination aus Whale-Akkumulation, ETF-Zuflüssen und technischen Bodenbildungssignalen erzeugt ein Bild, das Aufmerksamkeit verdient. Auf dem Prognosemarkt Kalshi preisen Händler ETH zum Jahresende bei rund 3.200 Dollar ein. Langfristig sehen mehrere Analysten Kursziele um 7.000 Dollar. Doch solange zentrale Kapitulationsindikatoren nicht vollständig ausgelöst haben, bleibt das Risiko eines weiteren Rücksetzers bestehen. Die aktuelle Zone ist historisch relevant, aber noch nicht bestätigt.
Einordnung und Ausblick
Die Marke von 2.000 Dollar fungiert als kurzfristiger Gradmesser. Ein nachhaltiger Ausbruch darüber könnte die Bodenthese stützen und weiteres Kapital anziehen. Scheitert ETH erneut an diesem Widerstand, dürfte die Debatte um tiefere Kursziele an Gewicht gewinnen. Entscheidend wird sein, ob die institutionelle Nachfrage anhält oder ob die aktuellen Käufe lediglich eine Positionierung für ein Szenario darstellen, das noch nicht eingetreten ist.
Hinweis: Keine Anlageberatung. Die dargestellten Informationen dienen ausschließlich der Information und stellen keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Vermögenswerten dar.
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