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ETH fällt auf 13-Monats-Tief: Vertrauenskrise im DeFi-Sektor

Liquidationen, Hacks und ein Zcash-Bug setzen Ethereum unter Druck – nur noch 30 Prozent des Angebots im Gewinn.

CryptoDaily 3 min

ETH fällt auf 13-Monats-Tief: Vertrauenskrise im DeFi-Sektor

Ethereum fällt auf den tiefsten Stand seit 13 Monaten

Ethereum ist am Donnerstag auf 1.540 Dollar gefallen, den tiefsten Stand seit 13 Monaten. Auslöser ist eine Vertrauenskrise, die mehrere Ebenen der Smart-Contract-Infrastruktur gleichzeitig erfasst.

Sicherheitslücken erschüttern das Ökosystem

Den Anfang machte ein kritischer Bug im Zcash-Protokoll, den Anthropics KI-Modell Opus 4.8 am 29. Mai entdeckte. Die Schwachstelle existierte seit 2022 unbemerkt und hätte unbegrenztes Minting – also unkontrolliertes Erzeugen neuer Einheiten – von ZEC ermöglicht. Obwohl Zcash kein Ethereum-Projekt ist, trifft der Fall einen empfindlichen Nerv: Er zeigt, dass fundamentale Fehler jahrelang in produktiven Protokollen schlummern können.

Dieser Vertrauensschaden trifft auf ein ohnehin belastetes Umfeld. Allein im April summierten sich DeFi-Hacks laut DefiLlama auf 630 Millionen Dollar. Die beiden größten Vorfälle, KelpDAO mit 293 Millionen und Drift Protocol mit 280 Millionen Dollar, betrafen mehrere Chains, darunter Ethereum, Solana und Base. Smart-Contract-Risiken sind damit kein Randproblem, sondern systemisch.

Die Folgen zeigen sich im Kapitalabzug. Das gesamte Ethereum-TVL ist laut DefiLlama auf den niedrigsten Stand seit Februar 2024 gefallen. Große Protokolle wie Spark und Ether.fi verloren rund die Hälfte ihrer Einlagen.

Was ist TVL (Total Value Locked)?

Der Gesamtwert aller in DeFi-Protokollen hinterlegten Kryptowährungen. Ein sinkender TVL deutet darauf hin, dass Anleger Kapital abziehen.

Derivatemarkt signalisiert anhaltenden Druck

Die Positionierung im Derivatemarkt bestätigt das bärische Bild. Die Funding Rate für ETH-Futures drehte am Freitag ins Negative – ein Zeichen für wachsende Short-Nachfrage.

Was ist die Funding Rate?

Ein periodischer Zins, den Händler in Futures-Märkten zahlen oder erhalten. Negative Werte zeigen an, dass mehr Marktteilnehmer auf fallende Kurse setzen.

An der Optionsbörse Deribit liegt das Verhältnis von Put- zu Call-Prämien laut Laevitas bei 3,7 zu 1. Diese Übergewichtung von Absicherungspositionen hält seit Montag an.

Besonders brisant ist die Lage für Bitmine, laut Cointelegraph das größte Ethereum-Treasury-Unternehmen. Die Firma hält 4,5 Prozent des gesamten ETH-Angebots und sitzt auf einem unrealisierten Verlust von 10,5 Milliarden Dollar. Ein erzwungener Verkauf würde den Markt zusätzlich belasten, auch wenn dafür derzeit keine Anzeichen vorliegen.

Laut Glassnode befinden sich nur noch 30 Prozent des ETH-Angebots im Gewinn. Dieser Wert wurde zuletzt während des COVID-Crashs im März 2020 erreicht. Historisch markierten solche Extremwerte oft Wendepunkte, sie können aber ebenso auf eine fortgesetzte Kapitulation hindeuten.

Warum das jetzt zählt

Die aktuelle Schwäche unterscheidet sich von früheren Korrekturen. Es geht nicht primär um makroökonomische Faktoren oder regulatorischen Druck, sondern um Zweifel an der technischen Integrität der Infrastruktur selbst. Wenn KI-Modelle Bugs finden, die menschlichen Auditoren vier Jahre lang entgangen sind, stellt das die Prüfstandards der gesamten Branche infrage.

Einordnung und Ausblick

ETH notiert aktuell bei rund 1.595 Dollar, etwa 67 Prozent unter dem Allzeithoch vom August 2025. Ein weiterer Rückgang in Richtung 1.400 Dollar wird in Analystenkreisen diskutiert, ist aber bislang nicht durch belastbare technische Zielmarken untermauert. Auf der anderen Seite könnte die extreme Untergewichtung im Gewinnbereich antizyklische Käufer anziehen. Entscheidend wird sein, ob die Kapitalabflüsse aus dem DeFi-Sektor nachlassen oder ob weitere Sicherheitsvorfälle das Vertrauen weiter beschädigen.

Hinweis: Keine Anlageberatung. Die dargestellten Informationen dienen ausschließlich der Information und stellen keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Vermögenswerten dar.

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