CLARITY Act vor dem Scheitern: Trumps Krypto-Millionen blockieren die US-Regulierung
Ethik-Debatte um präsidentielle Einnahmen gefährdet das wichtigste Krypto-Gesetz des Jahres – Polymarket sieht nur 40 Prozent Chance auf Verabschiedung
CryptoDaily 3 min

Die Abstimmung über den CLARITY Act, das zentrale US-Kryptogesetz, droht an einer Ethik-Debatte zu scheitern
Mehrere Senatoren blockieren, weil der amtierende Präsident finanziell vom Gesetz profitieren könnte.
Ethik als Stolperstein: Warum die Abstimmung stockt
Senate Majority Leader John Thune hat angekündigt, die Abstimmung über den CLARITY Act bis spätestens 10. August durchzuführen. Doch der Fahrplan steht auf wackligem Fundament. Senatorin Elizabeth Warren fordert die freiwillige Offenlegung von Trumps Krypto-Einnahmen für 2026 – seine Disclosure für das Vorjahr wies Einnahmen von über einer Milliarde Dollar aus dem Kryptobereich aus. Mehrere demokratische Senatoren haben sich öffentlich gegen das Gesetz positioniert.
Summer Mersinger, CEO der Blockchain Association und ehemalige CFTC-Kommissarin, bezeichnete die Ethik-Frage als das zentrale Hindernis. Die Befürchtung im Kongress lautet, dass ein Gesetz, das den Kryptomarkt legitimiert und reguliert, gleichzeitig die Geschäftsgrundlage des Präsidenten absichert.
Was ist der CLARITY Act?
Der CLARITY Act soll erstmals klare Zuständigkeiten zwischen der US-Börsenaufsicht SEC und der Derivateaufsicht CFTC für den Kryptomarkt definieren. Unternehmen und Investoren warten seit Jahren auf diese regulatorische Grundlage.
Für die Branche wäre ein Scheitern ein schwerer Rückschlag. Der Prognosemarkt Polymarket taxiert die Wahrscheinlichkeit einer Verabschiedung in diesem Jahr auf gerade einmal 40 Prozent.
Parallel zeigt sich, dass auch beim GENIUS Stablecoin Act die Umsetzung stockt. US-Regulierungsbehörden haben die gesetzliche Frist zur Regelgebung am vergangenen Samstag verpasst. Das Inkrafttreten im Januar bleibt zwar gültig, doch Emittenten haben nun eine deutlich kürzere Compliance-Frist. Die regulatorische Blockade erstreckt sich damit über mehrere Gesetzesvorhaben hinweg.
Markt im Wartezustand: Volumen sinkt, neue Segmente wachsen
Die regulatorische Unsicherheit trifft einen Markt, der an Schwung verliert. Das Spot-Handelsvolumen an den zehn größten Kryptobörsen fiel laut CoinGecko von 2,7 Billionen Dollar im ersten Quartal auf 1,95 Billionen Dollar im zweiten Quartal 2026. Bitcoin schloss die Woche bei 64.620 Dollar.
Doch während klassische Handelsaktivität nachlässt, verlagert sich Kapital in neue Segmente. Tokenisierte Aktien erreichten laut Token Terminal am Mittwoch ein Allzeithoch von 2,3 Milliarden Dollar Marktkapitalisierung.
Was sind tokenisierte Aktien?
Dabei werden klassische Unternehmensanteile als digitale Token auf einer Blockchain abgebildet. Sie ermöglichen den Handel rund um die Uhr und senken Abwicklungskosten.
- Ondo Finance hält dabei 955 Millionen Dollar an tokenisierten Wertpapieren, gefolgt von Kraken xStocks mit 507 Millionen Dollar.
- Die DTCC, Verwahrer von 114 Billionen Dollar an Assets, hat einen Pilotversuch für tokenisierte Wertpapiere mit mehr als 40 Finanzinstituten gestartet.
Die Infrastruktur für regulierte Kryptoprodukte wächst also weiter – auch wenn die gesetzliche Grundlage fehlt.
Warum das jetzt zählt
Die kommenden drei Wochen bis zur angekündigten Abstimmungsfrist werden zeigen, ob der CLARITY Act politisch zu retten ist. Gelingt ein Kompromiss, erhält der US-Kryptomarkt erstmals ein kohärentes Regelwerk. Scheitert das Gesetz an der Ethik-Debatte, verlängert sich die regulatorische Grauzone, die Unternehmen zunehmend in andere Jurisdiktionen treibt.
Das US-Finanzministerium und sein britisches Pendant haben in der vergangenen Woche gemeinsame Empfehlungen zu digitalen Assets veröffentlicht, darunter die vollständige Deckung von Stablecoins durch liquide Qualitätsassets. International bewegt sich die Regulierung vorwärts. Die Frage ist, ob Washington mithält oder sich selbst blockiert.
Einordnung / Ausblick
Für den Markt bleibt das Szenario zweischneidig. Im bullischen Fall: Analyst Michaël van de Poppe sieht Bitcoin bei einem Halt der Unterstützung um 61.000 Dollar kurzfristig auf dem Weg Richtung 68.000 Dollar. Ein regulatorischer Durchbruch beim CLARITY Act könnte zusätzlichen Rückenwind geben.
Im bärischen Fall: Andere Stimmen, darunter Analyst nichoxbt, erwarten einen Rückfall unter 60.000 Dollar. Anhaltende politische Blockade und sinkende Handelsvolumina sprechen für weiteren Abwärtsdruck. Die Richtung hängt nicht zuletzt davon ab, ob aus Washington ein regulatorisches Signal kommt – oder weiter Stillstand herrscht.
Hinweis: Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Jede Investitionsentscheidung sollte auf eigener Recherche basieren.
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