Bitcoin zwischen Inflation und Interventionshoffnung
Höhere Kerninflation drückt auf die Zinsfantasie, doch ein mögliches Scheitern des Treasury-Rückkaufprogramms könnte Bitcoin mittelfristig stützen
CryptoDaily 3 min

Die US-Kerninflation ist im August stärker gestiegen als erwartet. Für Bitcoin entsteht ein Spannungsfeld: kurzfristiger Druck durch straffere Geldpolitik, aber ein wachsendes mittelfristiges Aufwärtsszenario.
Kerninflation überrascht – Fed-Erwartungen kippen
Der US-Kernverbraucherpreisindex stieg im August um 0,3 Prozent gegenüber dem Vormonat und lag damit über der Konsenserwartung von 0,2 Prozent. Laut CME FedWatch Tool preisen Marktteilnehmer nun eine 85-prozentige Wahrscheinlichkeit für eine Zinserhöhung um 25 Basispunkte beim Fed-Meeting am 16. September ein – in der Vorwoche lag dieser Wert bei rund 60 Prozent.
Was sind Basispunkte? Ein Basispunkt entspricht 0,01 Prozentpunkten. In der Finanzwelt wird diese Einheit verwendet, um kleine Zinsänderungen präzise auszudrücken. 25 Basispunkte entsprechen also 0,25 Prozentpunkten.
Bitcoin reagierte zunächst mit einem Rücksetzer auf 76.000 Dollar, erholte sich dann aber auf rund 79.000 Dollar. Das Muster erinnert an vergangene CPI-Tage: ein reflexartiger Abverkauf, gefolgt von einer schnellen Gegenbewegung. CoinShares-Researchleiter James Butterfill ordnet die Daten als kurzfristig negativ ein. Ein restriktiverer Zinspfad reduziere die Liquidität im System und könnte Bitcoin vorerst unter 80.000 Dollar halten.
Im Hintergrund stiegen die Renditen 30-jähriger US-Staatsanleihen auf den höchsten Stand seit Juni 2024, bevor sie leicht zurückfielen. Für nicht verzinsliche Anlagen wie Bitcoin erhöht das die Renditehürde – jeder Basispunkt mehr macht risikofreie Alternativen attraktiver.
Treasury-Rückkäufe ohne Wirkung – und genau das könnte der Wendepunkt sein
Im August hatte das US-Finanzministerium die Rückkäufe langfristiger Staatsanleihen verdoppelt, um die Renditen am langen Ende der Zinskurve zu drücken. Am 10. September kaufte das Treasury laut offiziellen Daten Anleihen im Volumen von 5,2 Milliarden Dollar zurück. Die Renditen stiegen trotzdem weiter.
Butterfill argumentiert in seinem Research-Bericht vom 11. September, dass genau dieses Scheitern zum mittelfristigen Katalysator für Bitcoin werden könnte. Sollten die Renditen hoch bleiben, steige der Druck auf Finanzminister Scott Bessent, ein deutlich größeres Interventionsprogramm aufzulegen. Ein solches Programm würde faktisch neue Liquidität ins System bringen – und damit den sogenannten Debasement Trade befeuern.
Was ist der Debasement Trade? Dabei positionieren sich Anleger in Vermögenswerten wie Bitcoin oder Gold, um sich gegen einen erwarteten Kaufkraftverlust der eigenen Währung abzusichern.
Im August, als die ersten erweiterten Rückkäufe liefen, legte Bitcoin um 25 Prozent zu. Der Dollar schwächelte gleichzeitig. QCP Capital merkt allerdings an, dass steigende Renditen ohne Wachstumsimpuls Bitcoin strukturell belasten könnten – erst wenn die Rückkäufe tatsächlich ausreichend Liquidität freisetzen, dürfte der Effekt greifen.
Warum das jetzt zählt
Die kommende Woche bringt das FOMC-Meeting am 16. September. Erhöht die Fed den Leitzins, wäre das kurzfristig ein weiterer Belastungsfaktor. Gleichzeitig verbuchen Bitcoin-Spot-ETFs laut Farside Investors Abflüsse von 283 Millionen Dollar an einem einzelnen Handelstag, angeführt von ARK Invest. Die Nachfrageseite zeigt sich dünn.
Einordnung / Ausblick
Die mittelfristige Perspektive erzählt eine andere Geschichte. Wenn die Anleihemärkte sich der fiskalischen Kontrolle entziehen und das Treasury zu aggressiveren Maßnahmen greift, entsteht genau das Umfeld, in dem Bitcoin historisch profitiert hat: steigende Geldmenge und schwindendes Vertrauen in die Kaufkraft des Dollars.
- Bullisches Szenario: Ein größeres Interventionsprogramm des Treasury pumpt Liquidität ins System. Der Dollar schwächt sich weiter ab, und Bitcoin profitiert als Absicherung gegen Kaufkraftverlust – ähnlich wie im August.
- Bärisches Szenario: Die Fed setzt ihren restriktiven Kurs fort, die Renditen steigen weiter, und die Liquidität im System bleibt knapp. Bitcoin bleibt unter Druck und die Zone um 76.000 Dollar wird erneut getestet.
Kurzfristig dominiert die Zinsfrage, technisch gilt die Zone um 76.000 bis 78.000 Dollar als entscheidend. Mittelfristig hängt die Richtung davon ab, ob Washington die Kontrolle über die Anleihekurve behält – oder verliert.
Hinweis: Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Jede Investitionsentscheidung sollte auf eigener Recherche basieren.
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