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Bitcoin unter 81.000 Dollar: Ölpreis und Fed verschärfen den Druck

Geopolitische Spannungen und hawkische Zentralbanksignale treiben Liquidationen über eine Milliarde Dollar – Trumps Iran-Aussage bringt nur kurze Entlastung

CryptoDaily 4 min

Bitcoin unter 81.000 Dollar: Ölpreis und Fed verschärfen den Druck

Bitcoin fällt unter 81.000 Dollar

Bitcoin ist am Mittwoch erstmals seit drei Wochen unter 81.000 Dollar gefallen. Steigende Ölpreise, hohe Anleiherenditen und deutliche Signale der Federal Reserve lösten die größte Liquidationswelle seit Wochen aus.

Ölpreis und Fed-Protokoll setzen den Takt

Der unmittelbare Auslöser ist makroökonomischer Natur. Brent-Rohöl stieg nach erneuten Angriffen auf Tanker in der Straße von Hormus auf über 105 Dollar pro Barrel. Die seit Februar andauernde iranische Blockade der Meerenge treibt die Energiekosten und damit die globale Inflation.

Dieser Preisdruck trifft auf eine Federal Reserve, die keine Entwarnung gibt. Gouverneur Christopher Waller erklärte am Mittwoch, weitere Zinserhöhungen seien zur Inflationsbekämpfung wahrscheinlich notwendig. Das am selben Tag veröffentlichte Fed-Protokoll bestätigte: Eine Mehrheit der Mitglieder hält einen weiteren Zinsschritt vor Jahresende für geboten. Laut CME FedWatch bewertet der Markt die Wahrscheinlichkeit einer Erhöhung im Dezember inzwischen mit über 70 Prozent.

Für Bitcoin bedeutet das steigende Opportunitätskosten: Wenn risikolose Anlagen höhere Renditen bieten, sinkt die Attraktivität von Assets ohne laufende Erträge. Bitcoin fiel auf ein Tagestief von 80.393 Dollar, mehr als 30 Prozent unter dem Allzeithoch von 126.080 Dollar aus dem Oktober 2025.

Was sind Opportunitätskosten?

Der entgangene Ertrag einer alternativen Anlage. Steigen etwa Anleiherenditen, wird das Halten von Bitcoin relativ unattraktiver, weil Anleger anderswo risikoärmer Rendite erzielen können.

Milliardenschwere Liquidationen und ETF-Abflüsse

Der Kursrutsch löste eine Kettenreaktion im Derivatemarkt aus. Innerhalb von 24 Stunden wurden laut CoinGlass über 1,1 Milliarden Dollar an Krypto-Positionen liquidiert. Rund 95 Prozent entfielen auf Long-Positionen. Allein in einer einzigen Stunde wurden mehr als 600 Millionen Dollar zwangsaufgelöst.

Was ist eine Liquidation?

Im Krypto-Derivatehandel wird eine gehebelte Position automatisch geschlossen, wenn der Kurs eine bestimmte Schwelle erreicht. Bei Long-Positionen geschieht das bei fallenden Kursen – die Verluste werden dadurch begrenzt, können aber Verkaufsdruck verstärken.

Auch die Kapitalströme in regulierte Produkte kehrten sich um. US-Spot-Bitcoin-ETFs verzeichneten laut Farside Investors am 7. Oktober Nettoabflüsse von 484,9 Millionen Dollar, der schlechteste Einzeltag seit Ende Juni. BlackRocks IBIT führte mit 207,7 Millionen Dollar, gefolgt von Fidelity FBTC mit 105,1 Millionen Dollar. Damit wurden rund 81 Prozent der Zuflüsse der vorangegangenen neun Handelstage eliminiert.

Die 30-Tage-Bilanz relativiert das Bild: Über diesen Zeitraum stehen noch immer 1,76 Milliarden Dollar an Nettozuflüssen zu Buche. Ein einzelner Abflusstag, so die Einordnung mehrerer Analysten, begründet noch keine strukturelle Nachfrageumkehr. Erst eine anhaltende Serie negativer Sessions würde diesen positiven Trend gefährden.

Kurze Erholung nach Trumps Iran-Aussage

Am späten Mittwoch sorgte eine politische Wortmeldung für vorübergehende Entlastung. US-Präsident Trump erklärte auf Truth Social, die USA würden Iran vor den Midterm-Wahlen am 3. November nicht angreifen. Bitcoin erholte sich daraufhin kurzzeitig über 81.000 Dollar, Ölpreise gaben nach. Laut Polymarket bewerteten Händler die Wahrscheinlichkeit eines bis Mitte November anhaltenden Waffenstillstands mit 60 Prozent.

Die Erholung blieb jedoch begrenzt. Im späten Handel notierte Bitcoin weiterhin knapp 2 Prozent im Minus bei rund 81.660 Dollar. Der breitere Kryptomarkt zeigte deutlich tiefere Verluste: Ethereum fiel um knapp 4 Prozent, Solana um über 5 Prozent. Die Bitcoin-Dominanz stieg auf 60 Prozent, ein Ein-Monats-Hoch, was typischerweise erhöhten Verkaufsdruck auf Altcoins signalisiert.

Technisch liegt der Kurs nun direkt auf dem 200-Perioden-Durchschnitt bei rund 81.000 Dollar. Analyst Rekt Capital stuft den Bereich um 82.500 Dollar als entscheidend ein: Ein Wochenschlusskurs darunter würde dieses Niveau in Widerstand verwandeln. Weitere Analysten sehen bei einem nachhaltigen Unterschreiten Abwärtsrisiken bis 78.000 oder 75.000 Dollar.

Warum das jetzt zählt

Die aktuelle Korrektur testet eine zentrale Frage dieses Zyklus: Kann Bitcoin seinen im September begonnenen Erholungstrend gegen ein zunehmend restriktives Makroumfeld verteidigen? Im September hatte sich der Kurs der 90.000-Dollar-Marke genähert und sogar auf hawkische Fed-Kommentare positiv reagiert. Diesmal wirkt die Kombination aus Energieinflation und Zinserwartungen schwerer.

Der CoinMarketCap Fear and Greed Index fiel auf 53 – neutrale Zone –, nachdem er seit Ende August im Bereich Gier gelegen hatte. Die historische Oktober-Saisonalität, die im Durchschnitt plus 18 Prozent bringt, steht bislang einem Minus von 3 Prozent gegenüber.

Einordnung / Ausblick

Bull-Perspektive

Die positiven 30-Tage-Flows, die weiterhin hohen kumulierten ETF-Bestände von insgesamt 1,28 Millionen BTC und überverkaufte technische Indikatoren könnten eine Stabilisierung einleiten. Steigende Stablecoin-Zuflüsse auf Binance – laut CryptoQuant um 40 Prozent in 40 Tagen auf rund 40 Milliarden Dollar – deuten darauf hin, dass Kapital für mögliche Käufe bereitsteht.

Bear-Perspektive

Solange Ölpreise über 100 Dollar verharren und die Fed weitere Zinsschritte signalisiert, bleibt der Liquiditätsentzug für risikotragende Anlagen intakt. Die nächste Fed-Sitzung am 27. Oktober wird zum Schlüsseltermin. Ein weiterer Anstieg der Anleiherenditen könnte die ETF-Abflüsse verstetigen und die technische Unterstützung bei 81.000 Dollar endgültig brechen.

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