Bitcoin unter 60.000 Dollar: Langzeithalter stoppen Verkäufe
Während der Markt in Panik verfällt, ziehen sich die stärksten Hände zurück. Historisch war das oft ein Wendepunkt.
CryptoDaily 3 min

Bitcoin fiel am 24. Juni erstmals seit zwei Wochen unter 60.000 Dollar.
Ausgerechnet jetzt zeigen On-Chain-Daten, dass Langzeithalter ihre Verkäufe nahezu eingestellt haben.
Verkaufsdruck lässt nach, Angst bleibt hoch
Die zentrale Beobachtung stammt aus der Analyse des Verhaltens sogenannter Long-Term Holder (LTH) – Investoren, die ihre Bitcoin seit mindestens 155 Tagen halten.
Was sind Long-Term Holder? Als Long-Term Holder gelten in der On-Chain-Analyse Adressen, die ihre Bitcoin mindestens 155 Tage nicht bewegt haben. Ihr Verhalten gilt als Indikator für die Überzeugung langfristiger Investoren.
Diese Gruppe hatte in den Wochen zuvor spürbar Bestände abgebaut und damit zum Kursrückgang beigetragen. Nun zeigen On-Chain-Daten laut Bitcoinist einen deutlichen Rückgang dieser Verkaufsaktivität. Der Angebotsüberhang auf der Verkaufsseite nimmt ab.
Gleichzeitig ist das Marktsentiment auf einem Tiefpunkt angekommen. Der Crypto Fear and Greed Index signalisiert extreme Angst, was auf breite Risikoaversion unter Marktteilnehmern hindeutet. Wer über Monate oder Jahre gehalten hat, gibt bei Panikpreisen ungern ab. Es sind die kurzfristigen Akteure, die in Stressphasen den Markt verlassen.
Die Parallele zu früheren Zyklen ist auffällig. Sowohl 2022 als auch in der Korrekturphase 2024 ging ein Rückgang des LTH-Verkaufsdrucks bei gleichzeitig extremer Angst einem Kursboden voraus. Das ist kein Garantieschein, aber ein Muster, das Beachtung verdient.
Gegenwind aus mehreren Richtungen
Die Belastungsfaktoren sind real und vielfältig. Der Coinbase Premium Index war laut CryptoQuant-Daten 46 Tage in Folge negativ. Das bedeutet, dass Bitcoin auf der größten US-Börse günstiger gehandelt wurde als auf internationalen Plattformen.
Was ist der Coinbase Premium Index? Der Index misst die Preisdifferenz von Bitcoin zwischen der US-Börse Coinbase und anderen großen Handelsplätzen. Ein negativer Wert deutet auf schwächere Nachfrage aus dem US-Markt hin.
Analyst Ali Martinez interpretiert das als Zeichen nachlassenden institutionellen Kaufdrucks aus den USA. Untermauert wird das durch Abflüsse von rund 5 Milliarden Dollar aus US-Spot-Bitcoin-ETFs im selben Zeitraum, wie CryptoPotato berichtet.
Zusätzlich geraten die Miner unter Druck. Der Mining Equilibrium Index liegt für Bitcoin bei 0,75 und damit deutlich unter der Profitabilitätsschwelle. Börsennotierte Miner verkauften laut einem Bericht von The Energy Mag im ersten Quartal 2026 mehr als 32.000 BTC – ein neuer Branchenrekord. Das erhöht das verfügbare Angebot in einer Phase schwacher Nachfrage.
Auch Strategy, der größte börsennotierte Bitcoin-Halter, zeigt Risse. Die Aktie fiel auf ein Zweijahrestief bei 93 Dollar, die Vorzugsaktie STRC handelt unter ihrem Nennwert. Das Unternehmen verlagert seinen Fokus auf den Aufbau von Barreserven. Einige Analysten warnen, dass Strategy in den kommenden Jahren mindestens 50.000 BTC verkaufen müsste, was den Markt zusätzlich belasten könnte. Diese Einschätzung ist bislang unbestätigt.
Makroökonomisch warten Marktteilnehmer auf den PCE-Preisindex für Mai sowie Quartalszahlen von Micron Technologies. Beide Ereignisse könnten die Risikobereitschaft in den kommenden Tagen beeinflussen.
Was jetzt zählt
Die aktuelle Lage lässt sich auf eine Kernfrage verdichten: Reicht das Nachlassen des LTH-Verkaufsdrucks aus, um den Kurs zu stabilisieren, solange institutionelle Nachfrage fehlt und Miner weiter liquidieren?
Einordnung / Ausblick
Für die bullische Lesart spricht, dass nachlassender Verkaufsdruck bei extremer Angst historisch eine notwendige Voraussetzung für eine Trendwende war. Die Netzwerkaktivität stützt dieses Bild: Der Bitcoin Network Activity Index nähert sich laut CryptoQuant wieder seinen Höchstständen, getrieben nicht durch Spekulation, sondern durch neue Protokolle wie Ordinals und Runes. Das Netzwerk wird genutzt, auch wenn der Preis fällt.
Für die bärische Lesart sprechen die anhaltenden ETF-Abflüsse, der negative Coinbase Premium und die strukturellen Probleme bei Strategy und im Mining-Sektor. Ohne frisches Kapital aus dem institutionellen Bereich fehlt der Impuls, der einen Boden in eine Erholung verwandeln könnte.
Die Angebotsseite beruhigt sich. Ob die Nachfrageseite nachzieht, entscheiden die kommenden Wochen.
Hinweis: Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Jede Investitionsentscheidung sollte auf eigener Recherche basieren.
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