Bitcoin und Gold am Jahrestief – eine historische Premiere
Erstmals seit Beginn der Aufzeichnungen bilden beide Assets gemeinsam das Schlusslicht unter den großen Anlageklassen. Was dahintersteckt.
CryptoDaily 4 min

Bitcoin und Gold belegen 2026 erstmals gleichzeitig die letzten Plätze unter 21 großen Anlageklassen
Dieses Muster hat Creative-Planning-Stratege Charlie Bilello in keinem früheren Kalenderjahr seit 2011 beobachtet.
Warum die Safe-Haven-These unter Druck gerät
Bitcoin notiert seit Jahresbeginn bei minus 7,3 Prozent, Gold bei minus 7,5 Prozent. Noch 2024 war Bitcoin mit plus 121 Prozent die beste Anlageklasse des Jahres. Gold führte 2025 mit plus 63,7 Prozent und erreichte Anfang 2026 kurzzeitig über 5.400 Dollar je Unze.
Was bedeutet Safe Haven? Als Safe Haven (sicherer Hafen) bezeichnen Anleger Vermögenswerte, die in Krisenzeiten ihren Wert halten oder steigen sollen – typischerweise Gold oder bestimmte Staatsanleihen.
Nun ist Gold unter die 4.000-Dollar-Marke gefallen. Bitcoin handelt bei rund 80.000 Dollar, etwa 35 Prozent unter seinem Allzeithoch von über 126.000 Dollar aus dem Oktober 2025. Beide Werte, die oft als Absicherung in unsicheren Zeiten gelten, schwächeln gleichzeitig.
Andere Segmente legen dagegen zu. Rohstoffe als Gesamtkorb verzeichnen laut Bilello 2026 ein Plus von 52,5 Prozent, getrieben vor allem von Brent Crude bei 116 Dollar pro Barrel. US-Aktien liegen 12,3 Prozent im Plus. Die Kapitalströme fließen also durchaus – nur an Bitcoin und Gold vorbei.
Der Druck kommt von mehreren Seiten. Steigende Ölpreise heizen die Inflationserwartungen an, was die Zinspolitik verschärft. CME-FedWatch-Daten zeigen eine Wahrscheinlichkeit von 68 Prozent für eine Fed-Zinserhöhung im Dezember. ING-Analysten beobachten, dass Gold trotz schwächerer Tech-Aktien keinen Zulauf erhält, weil der Markt stärker auf die Inflationsimplikationen steigender Energiepreise fokussiert sei. Höhere Realzinsen verteuern das Halten renditeloser Assets – und genau das sind sowohl Gold als auch Bitcoin.
Parallele Schwäche, unterschiedliche Mechanik
Die gleichzeitige Underperformance verdeckt allerdings unterschiedliche Dynamiken. Bitcoin steht zusätzlich unter Druck durch ETF-Abflüsse. US-Spot-Bitcoin-ETFs verloren laut Decrypt zuletzt 138 Millionen Dollar an einem einzelnen Tag. Der Oktober weist ein Netto-Minus von 314 Millionen Dollar auf.
Was ist ein Spot-Bitcoin-ETF? Ein börsengehandelter Fonds, der direkt in Bitcoin investiert und dessen Kurs abbildet. Anleger können so über ein reguliertes Wertpapier an der Bitcoin-Entwicklung teilhaben, ohne die Kryptowährung selbst zu verwahren.
On-Chain-Daten von CryptoQuant zeigen zudem ein auffälliges Muster auf Binance: Retail-Einzahlungen haben sich seit April auf 10,75 Milliarden Dollar fast verdoppelt, während Wal-Einzahlungen um 36 Prozent fielen. Das deutet darauf hin, dass Kleinanleger die jüngsten Erholungsversuche eher zum Ausstieg nutzen, während große Halter zurückhaltend bleiben.
Gold wiederum leidet unter der veränderten Zinslandschaft. Die 10-jährige US-Treasury-Rendite notiert nahe 5 Prozent. In einem Umfeld, in dem sichere Anleihen attraktive Kupons bieten, verliert Gold seinen klassischen Vorteil als Inflationsschutz.
Langfristig bleiben die Renditeunterschiede zwischen beiden Assets erheblich. Seit 2011 erzielte Bitcoin laut Bilello im Schnitt 120,6 Prozent pro Jahr, Gold 6,3 Prozent. Doch kurzfristig zeigt 2026, dass vergangene Performance keine Garantie bietet. Für Bitcoin wäre es nach minus 6,3 Prozent in 2025 das zweite Verlustjahr in Folge.
Warum das jetzt zählt
Die kommenden Tage könnten die Richtung vorgeben. Am Mittwoch entscheidet die Fed über den Leitzins. Eine Zinspause gilt mit über 90 Prozent Wahrscheinlichkeit als sicher, doch der Ton der Erklärung wird Hinweise auf den Dezember liefern. Am Donnerstag folgen die PCE-Inflationsdaten – Ökonomen erwarten 3,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr, deutlich über dem Fed-Ziel von 2 Prozent. Am Freitag verfallen Bitcoin-Optionen im Volumen von 11 Milliarden Dollar, was kurzfristig für erhöhte Schwankungen sorgen dürfte.
Händler auf dem Prognosemarkt Myriad bewerten laut Decrypt die Wahrscheinlichkeit eines Bitcoin-Rückgangs auf 77.500 Dollar bis Monatsende mit 43 Prozent. Die Chance auf einen Anstieg über 87.500 Dollar liegt bei nur 10 Prozent.
Einordnung / Ausblick
- Bullisches Szenario: Eine dovishere Fed-Kommunikation am Mittwoch oder schwächer als erwartete PCE-Daten könnten die Zinserwartungen drücken und renditelosen Assets Rückenwind geben. J.P. Morgan Asset Management prognostizierte zu Wochenbeginn jährliche Bitcoin-Renditen von 10 Prozent über das nächste Jahrzehnt. Bis Jahresende verbleiben mehr als zwei Monate – die Rangliste der Anlageklassen ist noch nicht endgültig geschrieben.
- Bärisches Szenario: Bestätigen die PCE-Daten den Inflationsdruck, dürfte eine Dezember-Zinserhöhung wahrscheinlicher werden. Höhere Realzinsen würden Gold und Bitcoin weiter belasten. ETF-Abflüsse und die schwache Wal-Aktivität deuten darauf hin, dass institutionelle Nachfrage bislang ausbleibt. Die strukturelle Safe-Haven-These mag langfristig intakt sein – kurzfristig dominieren Zinserwartungen, Energiepreise und eine Marktmechanik, die renditelose Assets bestraft.
Hinweis: Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Kryptowährungen und Edelmetalle unterliegen hohen Kursschwankungen. Jede Investitionsentscheidung sollte auf eigener Recherche basieren.
Bitcoin Kurs 2026 · Gold Preisverfall · Safe Haven Kryptowährung · Bitcoin ETF Abflüsse · Fed Zinsentscheidung Bitcoin · Anlageklassen Vergleich · Bitcoin vs Gold · Realzinsen Kryptomarkt · Bitcoin Jahrestief · Inflationsschutz Gold