Bitcoin überwindet Jahres-Durchschnitt – Fidelity ruft Ende des Bärenmarkts aus
Langzeit-Halter akkumulieren auf Rekordniveau, ETF-Zuflüsse kehren zurück, doch steigende Binance-Reserven mahnen zur Vorsicht
CryptoDaily 3 min

Bitcoin notiert erstmals seit Monaten wieder oberhalb des 365-Tage-Durchschnitts
Fidelity sieht darin das Ende des Bitcoin-Winters und den Beginn eines neuen Bullenmarkts.
Fidelity sieht Zykluswende, Optionsmarkt bleibt skeptisch
Fidelitys Head of Global Macro, Jurrien Timmer, stützt seine These auf zwei Beobachtungen. Bitcoin habe rund ein Jahr lang über 60.000 Dollar gehalten, was der typischen Dauer eines zyklischen Abschwungs entspreche. Zudem sei die Korrelation zwischen Bitcoin und Gold erstmals seit Monaten positiv geworden. In einem Umfeld steigender Kapitalkosten und möglicher staatlicher Gegenmaßnahmen zur Kontrolle von Anleiherenditen könnten knappe Assets strukturell profitieren, so Timmer.
Am Markt fand die Einschätzung ein geteiltes Echo. Alex Thorn von Galaxy Research bewertete den Ausbruch über den 50-Wochen-Durchschnitt als technisch bedeutsam. Der Optionsmarkt auf Deribit preist allerdings nur eine 35-prozentige Wahrscheinlichkeit ein, dass Bitcoin bis Dezember 90.000 Dollar erreicht. Für 100.000 Dollar liegt die implizite Wahrscheinlichkeit bei 18 Prozent.
Was ist der 365-Tage-Durchschnitt?
Ein gleitender Mittelwert, der den durchschnittlichen Schlusskurs der vergangenen 365 Tage abbildet. Ein Kurs oberhalb dieser Linie gilt in der technischen Analyse als langfristig bullisches Signal.
Trader Bob Loukas sieht im Mai-Hoch bei 82.000 Dollar die entscheidende Marke. Ein Durchbruch könnte den Weg über 90.000 Dollar öffnen, ein Scheitern dagegen einen Rücktest auf rund 60.000 Dollar nach sich ziehen.
Akkumulation gegen Angebotsdruck
Die On-Chain-Daten zeichnen ein zweigeteiltes Bild. Seit Februar steigt laut CryptoQuant-Analyst Funding Vest das Angebot in den Händen langfristiger Halter kontinuierlich, während der Bestand kurzfristiger Halter sinkt. Funding Vest stuft dies als Rekordakkumulationsphase ein. Diese Verschiebung deutet auf eine Angebotsverknappung hin, die bei weiter steigenden Kursen einen Engpass auslösen könnte.
Was sind On-Chain-Daten?
Informationen, die direkt aus der Bitcoin-Blockchain ausgelesen werden – etwa Transaktionsvolumen, Wallet-Bestände oder Haltezeiten. Sie gelten als ergänzende Datenquelle zur klassischen Marktanalyse.
Dem steht ein konkretes Gegengewicht gegenüber. Die Bitcoin-Reserven auf Binance kletterten laut CryptoQuant am Freitag auf 702.900 BTC, den höchsten Stand des Jahres. Steigende Börsenbestände signalisieren erhöhtes Verkaufspotenzial, auch wenn bislang keine ungewöhnliche Whale-Aktivität festgestellt wurde.
Auf der institutionellen Seite lieferten ETF-Zuflüsse ein positives Signal. Am Freitag flossen 433 Millionen Dollar in US-Spot-Bitcoin-ETFs, angeführt von Fidelitys FBTC mit 311 Millionen Dollar. Der starke Schlusstag rettete eine ansonsten schwache Woche, in der die Gesamtbilanz bei lediglich sechs Millionen Dollar Nettozufluss landete. Bemerkenswert: Ether-ETFs brachen gleichzeitig ihre vierwöchige Zufluss-Serie, was auf eine selektivere institutionelle Allokation hindeutet.
Warum das jetzt zählt
Technische Erholung, institutionelle Zuflüsse und Langzeit-Akkumulation treffen auf ein makroökonomisches Umfeld, das weiter Gegenwind liefert. Die Fed erhöhte den Leitzins am 16. September um 25 Basispunkte auf 3,75 bis 4,00 Prozent. Das am selben Tag unterzeichnete Russland-Sanktionsgesetz könnte über steigende Energiepreise den Inflationsdruck verlängern und den Spielraum für Zinssenkungen weiter einengen.
Einordnung / Ausblick
Analyst Joao Wedson weist darauf hin, dass die Handelsaktivität deutlich unter den Niveaus des vorherigen Bullenmarkts liegt. Die Rallye wird bislang vor allem von Derivate-Liquidationen und institutionellen Käufern getragen, nicht von breiter Retail-Beteiligung.
- Bullisches Szenario: Die Akkumulation durch Langzeit-Halter verknappt das verfügbare Angebot. Sollte Bitcoin die 82.000-Dollar-Marke nachhaltig überwinden, könnte ein Anstieg Richtung 90.000 Dollar folgen.
- Bärisches Szenario: Die hohen Binance-Reserven und das restriktive Zinsumfeld begrenzen das Aufwärtspotenzial. Scheitert der Kurs an 82.000 Dollar, ist ein Rückgang in Richtung 60.000 Dollar nicht auszuschließen.
Hinweis: Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Kryptowährungen unterliegen hohen Kursschwankungen. Jede Investitionsentscheidung sollte auf eigener Recherche basieren.
Bitcoin · Bitcoin Bullenmarkt · Bitcoin ETF Zuflüsse · Fidelity Bitcoin · Bitcoin 365-Tage-Durchschnitt · Bitcoin On-Chain-Daten · Bitcoin Kurs Prognose · Krypto Akkumulation · Bitcoin Binance Reserven · Bitcoin technische Analyse