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Bitcoin testet 76.000 Dollar – Derivate kippen ins Bullische

Geopolitische Spannungen und frische Liquidität verschieben die Marktstruktur

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Bitcoin testet 76.000 Dollar – Derivate kippen ins Bullische

Bitcoin erreicht 40-Tage-Hoch

Bitcoin erreichte am Montag ein 40-Tage-Hoch bei 76.000 Dollar. Derivatedaten deuten nach 178 Stunden bärischer Positionierung auf einen Regimewechsel.

Taker-Flow dreht ins Positive

Der Umschwung zeichnete sich seit dem 10. März ab. Laut Daten des Analysten Axel Adler Jr. überschritt der sogenannte Integrated Market Index am 16. März einen Wert von 96 – das höchste Niveau der vergangenen 30 Tage. Das Modell definiert Werte über 55 als bullisches Regime. Seit Mitte Februar, als Bitcoin in Richtung 63.000 Dollar fiel, hatte der Index rund 178 Stunden lang unterhalb dieser Schwelle gelegen.

In Futures-Märkten bezeichnet der Taker-Flow das Verhältnis zwischen aggressiven Markt-Käufern und -Verkäufern. Ein Übergewicht auf der Kaufseite gilt als Signal für steigende Nachfrage.

Entscheidend war der gleichzeitige Anstieg von Taker-Flow und Open Interest. Beide Komponenten übersprangen ihre bullischen Schwellenwerte gemeinsam. Historisch korrelieren solche Phasen mit anhaltenden Aufwärtsbewegungen bei Bitcoin. Der 30-Tage-Fair-Value des Modells liegt bei rund 70.000 Dollar. Bitcoin handelt damit aktuell mit einem Aufschlag von etwa 3.400 Dollar.

Geopolitik als Katalysator

Der Kursanstieg am Montag verlief abrupt. Bitcoin sprang innerhalb von 30 Minuten von 72.400 auf 74.320 Dollar. Im Tagesverlauf erreichte der Kurs auf Binance zeitweise 76.000 Dollar. Auslöser waren Berichte über eine mögliche US-Militäraktion gegen die iranische Ölinsel Kharg Island, über die rund 90 Prozent der iranischen Rohölexporte laufen.

Traditionelle Aktienmärkte verloren seit dem Beginn der US-Iran-Spannungen Ende Februar Billionen an Wert. Bitcoin hingegen legte im selben Zeitraum über 15 Prozent gegenüber seinen Tiefständen zu. Die gesamte Krypto-Marktkapitalisierung wuchs laut CoinGecko um mehr als 310 Milliarden Dollar. Short-Positionen im Umfang von rund 303 Millionen Dollar wurden laut CoinGlass innerhalb von 24 Stunden liquidiert, bei insgesamt 385 Millionen Dollar Gesamtliquidationen.

Stablecoins und ETFs liefern Liquidität

Hinter dem Kursanstieg steht auch frisches Kapital. Das USDC-Angebot erreichte laut QCP Capital mit 81,1 Milliarden Dollar einen neuen Rekordstand. US-Spot-Bitcoin-ETFs verzeichneten fünf aufeinanderfolgende Tage mit Nettozuflüssen. BlackRocks Bitcoin-ETF-Produkt wies drei Wochen in Folge Zuflüsse von insgesamt 1,75 Milliarden Dollar auf.

Steigende Stablecoin-Bestände auf Börsen signalisieren oft, dass Kapital für mögliche Käufe bereitsteht. Ein Rekordstand beim USDC-Angebot deutet auf erhöhte Liquidität im Kryptomarkt hin.

Parallel dazu kaufte Strategy in der Vorwoche 22.337 Bitcoin für rund 1,57 Milliarden Dollar. Am Sonntag veröffentlichte Chairman Michael Saylor auf X erneut sein bekanntes Orange-Dot-Chart. Marktbeobachter interpretieren dieses Muster als möglichen Vorboten einer weiteren Kaufankündigung. Eine Bestätigung steht bislang aus.

Vorsichtssignale bleiben bestehen

Trotz der Aufwärtsbewegung zeigen einzelne Derivate-Indikatoren weiterhin Zurückhaltung. Der annualisierte Bitcoin-Futures-Aufschlag lag laut Laevitas bei nur 2 Prozent – deutlich unter der als neutral geltenden Spanne von 4 bis 8 Prozent. Bitcoin-Optionen auf Deribit wiesen einen Put-Call-Skew von 13 Prozent auf. Beide Werte signalisieren, dass professionelle Händler sich trotz steigender Kurse gegen Rücksetzer absichern.

Bitcoin hat in den vergangenen sechs Monaten rund 31 Prozent verloren, während Gold im selben Zeitraum 18 Prozent zulegte. Der Crypto Fear and Greed Index notiert laut Alternative.me zwar nicht mehr im Bereich extremer Angst, verbleibt aber in der Angst-Zone.

Hashrate unter Druck

Parallel zum Kursanstieg fiel die Bitcoin-Hashrate um knapp 12 Prozent gegenüber dem Höchststand im März. Ein Rückgang dieser Größenordnung kann auf sinkende Profitabilität einzelner Mining-Betreiber hindeuten. Die Hashrate misst die gesamte Rechenleistung im Bitcoin-Netzwerk. Sinkt sie, passt das Netzwerk automatisch die Schwierigkeit nach unten an, sodass verbleibende Miner anteilig höhere Belohnungen erhalten.

Warum das jetzt zählt

Bitcoin steht an einer technischen Schwelle. Der Widerstand bei 76.000 Dollar wurde getestet, aber noch nicht nachhaltig überwunden. Ein bestätigter Schlusskurs oberhalb dieses Niveaus könnte laut technischer Analyse Kursziele bei 76.800 und 78.000 Dollar aktivieren. Auf der Unterseite liegen Unterstützungen bei 74.500 und 73.200 Dollar.

Einordnung und Ausblick

Für eine Fortsetzung sprechen die Derivate-Wende, steigende Stablecoin-Liquidität und anhaltende ETF-Zuflüsse. Die Kombination aus institutionellen Käufern und positivem Taker-Flow hat in früheren Phasen Aufwärtsbewegungen gestützt. QCP Capital zieht Parallelen zum Frühjahr 2022, als Bitcoin unter vergleichbaren geopolitischen Bedingungen innerhalb eines Monats von 35.000 auf 48.000 Dollar stieg.

Gegen eine schnelle Fortsetzung spricht die anhaltende Absicherungsneigung am Optionsmarkt. Der niedrige Futures-Aufschlag deutet darauf hin, dass professionelle Marktteilnehmer die Erholung noch nicht als gesichert betrachten. Am Mittwoch stehen zudem die Fed-Zinsentscheidung, US-Erzeugerpreisdaten und ein Zinsentscheid der Bank of Japan an. Alle drei Ereignisse könnten kurzfristig erhöhte Volatilität auslösen.

Hinweis: Keine Anlageberatung.

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