Bitcoin stabilisiert sich über 70.000 Dollar – doch Miner-Verkäufe und Quanten-Debatte verschärfen den Risiko-Check
ETF-Zuflüsse und Short-Covering stützen den Kurs kurzfristig, während börsennotierte Miner seit Oktober Reserven abbauen. Parallel rückt ein Quantencomputer-Bauprojekt die Frage nach „Post-Quantum“-Upgrades wieder nach vorn.
CryptoDaily 6 min

EINLEITUNG
Bitcoin pendelt Anfang März in einer technisch sensiblen Zone: Nach einer Erholung bis in den Bereich um 73.000 US-Dollar wird der Markt zugleich von zwei Gegenkräften geprägt. Auf der Nachfrageseite sorgen laut Research-Daten frische Zuflüsse in US-Spot-Bitcoin-ETFs und erzwungenes Short-Covering für Unterstützung. Auf der Angebotsseite steigt dagegen der Verkaufsdruck aus dem Mining-Sektor, weil mehrere große, börsennotierte Unternehmen ihre BTC-Treasuries reduzieren. Als dritter Strang rückt zudem ein langfristiges, weiterhin umstrittenes Thema wieder in den Fokus: Quantencomputing als potenzielles Kryptografie-Risiko.
ETF-Zuflüsse und negative Funding-Rates treiben die Erholung
Laut einem NewsBTC-Bericht unter Verweis auf CryptoQuant-Analysen fiel Bitcoin nach einem geopolitisch ausgelösten Risk-off am 29. Februar zunächst bis auf rund 63.000 US-Dollar und erholte sich bis 2. März wieder Richtung 70.000 US-Dollar. Demnach setzte zwischen 4. und 5. März eine weitere Aufwärtswelle ein, in der BTC wieder über 73.000 US-Dollar stieg; im Bericht wird ein Kursbereich um 73.100 US-Dollar genannt. Als zentraler Treiber werden erneute Zuflüsse in US-Spot-Bitcoin-ETFs beschrieben – „mehrere hundert Millionen Dollar“ in den frühen Märztagen, am 4. März demnach mehr als 200 Millionen US-Dollar.
Markttechnisch relevant ist dabei die Derivate-Komponente: Die Daten zeigen laut Bericht steigendes Open Interest bei gleichzeitig ins Negative drehenden Funding-Rates. Funding ist die periodische Ausgleichszahlung in Perpetual-Futures; negative Werte deuten auf ein Short-Übergewicht hin. Steigt der Preis in dieses Setup hinein, müssen Shorts häufig eindecken – Short-Covering kann dann als Liquiditätsverstärker wirken. Gleichzeitig bleibt das Bild laut CryptoQuant gemischt: Eine 90‑Tage Realized Profit/Loss Ratio unter 1,0 und ein wachsender Anteil von Coins in unrealisierten Verlusten werden als weiterhin bearish eingeordnet, während ein wieder positiver Coinbase Premium Index auf anziehende US-Spot-Nachfrage hindeutet.
Technische Zonen: 72.500 als Tür nach oben, 70.000/69.000 als Bruchlinie
Ein separater NewsBTC-Chartbericht beschreibt den jüngsten Verlauf als Rally, die nahe 74.000 US-Dollar (genanntes Hoch: 74.062 US-Dollar) ins Stocken geriet und anschließend unter 72.000 US-Dollar korrigierte. Den Angaben zufolge hält BTC weiterhin über 70.000 US-Dollar sowie über dem 100‑Stunden‑SMA; zudem bilde sich eine bullische Trendlinie mit Unterstützung um 69.000 US-Dollar (Datenfeed: Kraken).
Für kurzfristige Trader ist die Zone um 72.000 bis 72.500 US-Dollar laut Bericht der nächste Trigger: Ein Schlusskurs über 72.500 US-Dollar könnte Raum Richtung 73.200 und erneut 74.000 US-Dollar eröffnen, darüber werden 75.000/75.500 US-Dollar als weitere Hürden genannt. Dreht der Markt dagegen unter 72.000 US-Dollar erneut ab, rücken 70.000 US-Dollar (inklusive 50%-Fibonacci-Level der Bewegung 66.164 → 74.062) und 69.000 US-Dollar in den Fokus; darunter nennt der Bericht 68.500 und 68.000 US-Dollar.
Miner bauen BTC-Reserven ab – Angebotsseite wird aktiver
Cointelegraph berichtet unter Berufung auf den „Miner Weekly“-Newsletter von TheEnergyMag, dass börsennotierte Miner seit dem Marktpeak im Oktober zusammen mehr als 15.000 BTC verkauft haben. Der Oktober wird im Artikel als Peak vor einem „Flash Crash“ beschrieben, der ein branchenweites Deleveraging ausgelöste habe – dieser Kontext wird als mitverantwortlich für den Strategiewechsel weg von der in 2024–2025 verbreiteten Treasury-Strategie genannt (mehr selbst geminte BTC in der Bilanz halten). Als Belastungsfaktoren nennt der Artikel verschärfte Margen, Schuldendruck und einen „post-crash reset“; Beobachter sprechen demnach von der „harshest margin squeeze on record“.
- Konkrete Beispiele: Cango verkaufte laut Newsletter im Februar 4.451 BTC (rund 60% seiner Reserven).
- Bitdeer habe im Vormonat seine gesamte Bitcoin-Treasury liquidiert.
- Riot Platforms habe mehrere Verkäufe im Dezember vorgenommen.
- Zudem wird erwähnt, dass Core Scientific plane, im ersten Quartal rund 2.500 BTC zu verkaufen (angekündigt).
- MARA Holdings wiederum habe in aktualisierten regulatorischen Einreichungen festgehalten, Bitcoin kaufen und verkaufen zu können, um „Flexibilität und Optionalität“ zu bewahren; MARA-Vizepräsident Robert Samuels habe betont, dies signalisiere keine mehrheitliche Liquidation.
- MARA halte laut Artikel mehr als 53.000 BTC und sei damit der zweitgrößte börsennotierte Corporate-Holder hinter Michael Saylors Strategy.
Einer verkauft fast alles, während er ausbaut: CleanSpark als Mikrobeispiel
Cointelegraph verweist ebenfalls auf ein Operational Update von CleanSpark: Das Unternehmen habe im Februar 553 BTC aus der Monatsproduktion für rund 36,6 Millionen US-Dollar verkauft, bei einer Produktion von 568 BTC im selben Monat. Ende Februar habe CleanSpark demnach 13.363 BTC gehalten. Zusätzlich wird der Ausbau der Infrastruktur betont: Der Abschluss eines zweiten Texas-Campus bringe 300 MW ERCOT-genehmigte Stromkapazität hinzu; insgesamt seien 1,8 GW Kapazität unter Vertrag, davon 808 MW in Nutzung. Die Flotte umfasste Ende Februar laut Bericht 235.588 Geräte, mit 50 EH/s Peak-Hashrate und 43,2 EH/s durchschnittlicher Hashrate.
Für den Markt ist relevant, dass ein hoher Anteil der laufenden Produktion unmittelbar in den Spot-Markt fließen kann, statt als Treasury-Aufbau gebunden zu werden. Gleichzeitig zeigt der Ausbau, dass Miner trotz Margendruck weiter in Kapazität investieren – teils mit Blick auf alternative Erlöse: CleanSpark positioniere Teile der Infrastruktur zur Unterstützung von AI- und High-Performance-Computing-Workloads. Der Artikel nennt zudem, dass 1.086 BTC der Bestände als Sicherheit gestellt oder im Zusammenhang mit Derivaten gebunden seien – ein Hinweis, dass nicht jede „Treasury-Zahl“ sofort frei disponibel ist.
Quantencomputer-Bau rückt eine alte Bitcoin-Debatte wieder nach vorn
Cointelegraph berichtet, PsiQuantum habe mit dem Bau einer Quantencomputing-Anlage mit Zielgröße von 1 Million Qubits begonnen; im Artikel wird diese Größenordnung als ausreichend bezeichnet, um Bitcoins Kryptografie zu knacken. PsiQuantum-Mitgründer Peter Shadbolt habe ein Foto der Baustelle in Chicago veröffentlicht und erklärt, dass in sechs Tagen 500 Tonnen Stahl errichtet wurden, die das System beherbergen sollen. Zudem wird erwähnt, PsiQuantum habe im September 1 Milliarde US-Dollar eingesammelt, um die Anlage in Zusammenarbeit mit Nvidia zu bauen – mit dem Ziel, „kommerziell nützliches“ Quantencomputing zu ermöglichen.
Der Bericht betont allerdings auch die Unsicherheiten: Die erforderliche Qubit-Zahl zum Knacken von Bitcoin-Keys sei umstritten; Schätzungen könnten mit Fortschritten sinken, müssen aber nicht. Blockstream-CEO Adam Back wird mit der Einschätzung zitiert, Quantencomputer stellten für mindestens ein Jahrzehnt keine reale Bedrohung für Bitcoin dar. Gleichzeitig wird erwähnt, dass Bitcoin-Entwickler diskutieren, ob und wie kurzfristig gegen Quantenrisiken vorgegangen werden sollte, inklusive möglicher Hard-Fork-Maßnahmen. Besonders anfällig seien demnach UTXO- bzw. „never spent“-Adressen – also Bestände, deren zugehörige Keys historisch nie „exponiert“ wurden.
Warum das jetzt zählt
Kurzfristig entscheidet sich die Kursdynamik häufig über Liquidität: ETF-Zuflüsse und Short-Covering können Aufwärtsimpulse beschleunigen, während Miner-Verkäufe das verfügbare Spot-Angebot erhöhen und Rallys ausbremsen können. Parallel kann die Quanten-Debatte – auch wenn sie zeitlich nicht unmittelbar ist – das Risiko-Framework institutioneller Investoren beeinflussen, weil sie Fragen nach Upgrades, Governance und potenziellen Tail Risks neu gewichtet.
Einordnung / Ausblick
Bullish betrachtet spricht das aktuelle Setup für eine taktische Stabilisierung: Wenn Spot-Nachfrage über ETFs zurückkommt und Shorts unter negativer Funding-Rate gequetscht werden, können Widerstände wie 72.500 und 74.000 US-Dollar schneller fallen als viele Positionierungen erwarten. Bearish bleibt, dass mehrere Miner nachweislich seit Oktober Reserven abbauen und einzelne Unternehmen große Teile ihrer laufenden Produktion verkaufen – das kann in schwächeren Marktphasen als struktureller Angebotsdruck wirken. Zusätzlich bleibt offen, ob die gemischten On-Chain-Signale (u. a. Realized P/L < 1,0) in eine breitere Risikoaversion kippen.
Stand: Freitag, 6. März 2026 um 05:03:28 MEZ
Hinweis: Keine Anlageberatung. Kursdaten können stark schwanken.
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