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Bitcoin ringt mit 75.000 Dollar – Whale-Käufe treffen auf Verkaufsdruck

Rekordakkumulation großer Adressen stützt den Markt, doch 61.000 BTC an Börsen bremsen die Erholung

CryptoDaily 4 min

Bitcoin ringt mit 75.000 Dollar – Whale-Käufe treffen auf Verkaufsdruck

Bitcoin hat sich innerhalb einer Woche um rund acht Prozent erholt und testet den Widerstand bei 75.000 Dollar.

Hinter der Rally verbirgt sich ein Tauziehen zwischen langfristigen Käufern und kurzfristigen Verkäufern.

Whales kaufen so aggressiv wie seit 2013 nicht mehr

Die auffälligste Entwicklung spielt sich abseits der Kurskerzen ab. Adressen mit mehr als 1.000 BTC haben in den vergangenen 30 Tagen rund 270.000 Bitcoin akkumuliert, wie Daten von CryptoQuant zeigen. Es ist die größte Kaufwelle dieser Gruppe seit über einem Jahrzehnt. Allein Strategy, das Unternehmen um Michael Saylor, erwarb zwischen März und April etwa 42.000 BTC und machte damit rund 16 Prozent der gesamten Whale-Akkumulation aus. Parallel flossen über 450 Millionen Dollar an einem einzigen Tag in US-Spot-Bitcoin-ETFs. Die großen Marktteilnehmer nutzen das gedrückte Kursniveau zum Aufstocken.

Was ist Whale-Akkumulation? Damit ist gemeint, dass besonders große Adressen – sogenannte Whales – über einen bestimmten Zeitraum große Mengen Bitcoin kaufen und halten, statt sie zu verkaufen. Das gilt als Indikator für langfristiges Vertrauen in steigende Kurse.

Doch genau diese Erholung löst Gegenverkehr aus. Kurzfrist-Halter, also Investoren mit einer Haltedauer unter 155 Tagen, transferierten während des Anstiegs insgesamt 61.000 BTC im Wert von rund 4,5 Milliarden Dollar an Börsen. Laut CryptoQuant-Analyst Maartunn ist das der höchste Wert seit Februar. Die stündlichen Börsenzuflüsse erreichten zeitweise 11.000 BTC pro Stunde, den höchsten Stand seit Dezember 2025. Anders als im Februar handelt es sich diesmal offenbar um Gewinnmitnahmen, nicht um Panikverkäufe. Das Ergebnis ist dennoch dasselbe: Die Aufwärtsdynamik wird gebremst, bevor sie sich entfalten kann.

Was für einen Ausbruch fehlt

Technisch steht Bitcoin an einer Schwelle. Analysten sehen in der Zone zwischen 75.000 und 76.000 Dollar den entscheidenden Widerstand. Ein wöchentlicher Schlusskurs darüber würde den Weg in den Bereich zwischen 84.000 und 96.000 Dollar öffnen, wo laut Glassnode über zwei Millionen BTC in den vergangenen sechs Monaten akkumuliert wurden und entsprechend dichter Widerstand wartet. Die Analyseplattform Material Indicators identifiziert zusätzlich die Jahreseröffnung bei 87.500 Dollar und den 50-Wochen-Durchschnitt bei 97.000 Dollar als Hürden, die für eine Bullenmarktbestätigung zurückerobert werden müssten.

Was ist die Funding Rate? Die Funding Rate ist eine regelmäßige Gebühr, die zwischen Long- und Short-Positionen im Futures-Markt ausgetauscht wird. Eine negative Funding Rate bedeutet, dass Short-Positionen überwiegen – Händler wetten also mehrheitlich auf fallende Kurse.

Ein weiteres Warnsignal kommt vom Derivatemarkt. Die Funding Rate für Bitcoin-Futures ist seit Montag durchgehend negativ. Laut Cointelegraph resultiert das Minus jedoch vor allem aus Kollateralverlusten liquidierter Short-Positionen und nicht aus neuer Überzeugung der Bären. Der Optionsmarkt auf Deribit bestätigt dieses Bild: Call-Prämien übersteigen aktuell die Put-Prämien.

Zusätzlichen Angebotsdruck liefern die Miner. In Q1 2026 verkauften sie laut Crypto Briefing insgesamt 32.000 BTC – ein Rekordwert, der die gesamten Miner-Verkäufe des Jahres 2025 übersteigt. Der Hashprice liegt bei nur 33 Dollar pro Petahash, was auf anhaltend knappe Margen hinweist. Am Freitag steht zudem eine Anpassung der Mining-Schwierigkeit an, die um rund drei Prozent sinken dürfte.

Was ist der Hashprice? Der Hashprice gibt an, wie viel Umsatz ein Miner pro eingesetzter Rechenleistung (Petahash pro Sekunde) erzielt. Ein niedriger Hashprice bedeutet geringe Einnahmen und erhöht den Druck, geschürfte Bitcoin zu verkaufen.

Warum das jetzt zählt

Der Markt befindet sich in einer ungewöhnlichen Konstellation. Auf der einen Seite steht die stärkste Whale-Akkumulation seit über einem Jahrzehnt, gestützt von ETF-Zuflüssen und steigenden On-Chain-Transaktionszahlen auf 17-Monats-Hochs. Auf der anderen Seite absorbieren Kurzfrist-Halter und Miner jeden Anstieg mit Verkäufen und halten den Kurs in einer engen Spanne.

Einordnung / Ausblick

Ob Bitcoin die 76.000 Dollar nachhaltig überwindet, hängt weniger an den Derivaten als am Spotmarkt. Solange die Cumulative Volume Delta – also die Differenz zwischen Kauf- und Verkaufsvolumen im Spothandel – weiter fällt, fehlt der Erholung das Fundament für einen echten Trendwechsel.

Bull-Szenario: Gelingt der Ausbruch über 76.000 Dollar, könnte die Dynamik schnell zunehmen. Oberhalb dieser Marke liegen laut Liquidationsdaten 2,8 Milliarden Dollar an Short-Positionen, deren Auflösung den Kurs zusätzlich antreiben würde.

Bear-Szenario: Scheitert der Ausbruch, liegt die nächste relevante Unterstützung bei 72.000 Dollar. Anhaltender Verkaufsdruck von Kurzfrist-Haltern und Minern könnte den Kurs weiter unter Druck setzen.

Die kommenden Tage dürften klären, welche Seite sich durchsetzt.

Hinweis: Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Jede Investition in Kryptowährungen ist mit erheblichen Risiken verbunden.

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