Bitcoin ringt mit 70.000 Dollar – während ETP-Flows drehen und Derivate abkühlen
Ein Milliarden-Zufluss in Krypto-Fonds trifft auf fallendes Open Interest: Der Markt wirkt weniger gehebelt, aber nicht „verlassen“.
CryptoDaily 5 min

EINLEITUNG
Bitcoin bewegt sich Anfang März weiter in einer engen Spanne im mittleren 60.000er-Bereich und stößt im kurzfristigen Handel wiederholt an eine Widerstandszone um 70.000 US-Dollar. Gleichzeitig liefern zwei Signale, die auf den ersten Blick gegensätzlich wirken: Einerseits drehen die Kapitalflüsse in Krypto-Investmentprodukte laut CoinShares wieder deutlich ins Plus. Andererseits zeigen Derivate-Daten ein abnehmendes Risikoappetit-Profil – mit sinkendem Open Interest und einer ungewöhnlich niedrigen Futures-Prämie.
ETPs: CoinShares meldet kräftige Zuflüsse – nach fünf Wochen Abflüssen
Laut CoinShares („Digital Asset Fund Flows Weekly Report“) verzeichneten Krypto-Investmentprodukte in der vergangenen Woche rund 1 Mrd. US-Dollar Nettozuflüsse. Damit endete eine Abflussserie von fünf Wochen, in denen sich die Abflüsse den Angaben zufolge auf etwa 4 Mrd. US-Dollar summiert hatten. Bitcoin-Produkte drehten dabei besonders stark: CoinShares weist für Bitcoin-ETPs mehr als 881 Mio. US-Dollar Wochenzuflüsse aus, Ethereum-Produkte kamen auf 117 Mio. US-Dollar.
Auffällig ist die Gleichzeitigkeit „polarisierter“ Positionierung: Short-Bitcoin-Produkte verzeichneten im selben Wochenfenster 3,7 Mio. US-Dollar Zuflüsse. CoinShares wertet das als Hinweis, dass Anleger zwar wieder Kapital allokieren, Absicherung beziehungsweise Gegenpositionen aber weiterhin eine Rolle spielen. Regional kamen die stärksten Zuflüsse aus den USA (957 Mio. US-Dollar), während auch Deutschland (31,7 Mio. US-Dollar) und die Schweiz (28,4 Mio. US-Dollar) positiv waren.
Derivate: Cointelegraph sieht weniger Hebel – aber keine Flucht der Institutionellen
Wie Cointelegraph unter Berufung auf CoinGlass-Daten berichtet, fiel das aggregierte Open Interest in BTC-Futures am Sonntag auf rund 32 Mrd. US-Dollar und lag damit etwa 20% unter dem Niveau von vor einem Monat. In Bitcoin gerechnet entsprach das laut CoinGlass etwa 491.300 BTC – der niedrigste Stand seit August 2024. Als ein Treiber wird im Bericht ein Teil erzwungener Liquidationen von Long-Positionen genannt.
Zusätzlich verweist Cointelegraph auf eine schwache Futures-Basis (Futures-Prämie): Die annualisierte Prämie für monatliche BTC-Futures sei auf etwa 2% gefallen (Laevitas.ch) – deutlich unter dem im Artikel genannten „neutralen“ Bereich von 5% bis 10%. Das ist marktmechanisch relevant, weil eine niedrige Basis typischerweise geringere Nachfrage nach gehebelten Long-Positionen signalisiert und Rallyes damit oft weniger „Treibstoff“ aus Leverage bekommen.
Gegen die These eines institutionellen Exodus führt der Bericht mehrere Punkte an: Das CME-Bitcoin-Futures-Open-Interest wird mit rund 7,5 Mrd. US-Dollar angegeben, außerdem würden Spot-Bitcoin-ETFs laut Artikel im Schnitt über 3 Mrd. US-Dollar pro Tag handeln. Zudem nennt Cointelegraph einen Bestand von über 79 Mrd. US-Dollar an Bitcoin on-chain bei börsennotierten Unternehmen (u.a. Strategy/MSTR, MARA, XXI, Metaplanet) sowie BTC-Exposure durch Staaten wie Bhutan, El Salvador und die VAE.
Chartlage: NewsBTC sieht die Upside vorerst gedeckelt – Schlüsselzone bei 70.000 Dollar
Nach Einschätzung von NewsBTC (Aayush Jindal) bleibt Bitcoin im kurzfristigen Handel an der Zone um 70.000 US-Dollar „gedeckelt“. Demnach stieg BTC nach einer Stabilisierung über 67.500 US-Dollar wieder über 68.000 US-Dollar, scheiterte jedoch erneut nahe 70.000 US-Dollar (lokales Hoch laut Artikel: 70.100 US-Dollar) und korrigierte anschließend.
Im Stundenchart liege der Kurs zwar über 68.000 US-Dollar und über dem 100-Stunden-SMA, dennoch bleibe die Widerstandssequenz eng: 69.200 und 69.500 US-Dollar werden als nächste Marken genannt; erst ein Schlusskurs über 69.500 US-Dollar könne einen erneuten Test von 70.000 US-Dollar öffnen. Auf der Unterseite verortet der Artikel Unterstützungen bei 68.000 und 67.500 US-Dollar; darunter nennt er 65.650, 65.000 und 64.200 US-Dollar als weitere Zonen, unter denen Erholungen schwerer werden könnten.
On-Chain-Stress: CryptoQuant sieht Short-Term-Holder im Verlustbereich
Einen anderen Blick liefert ein NewsBTC-Beitrag mit Daten von CryptoQuant: Demnach liegt der durchschnittliche unrealized loss der Short-Term Holder (kurzfristige Halter) bei einem Bitcoin-Kurs nahe 66.000 US-Dollar bei rund 26,3% (Angaben: CryptoQuant-Analyst Darkfost). Solche Verlustzonen seien historisch eher in späten Korrektur- beziehungsweise Bärenmarktphasen zu beobachten als in frühen Pullbacks.
Das ist kurzfristig zweischneidig: Hohe Verluste bei kurzfristigen Marktteilnehmern erhöhen laut Darstellung das Risiko von Volatilitätsspitzen, falls Supports brechen – weil reaktive Verkäufer dann stärker dominieren können. Gleichzeitig werden diese Phasen im Artikel als potenzielle Akkumulationsfenster beschrieben, da der Verkaufsdruck mit der Zeit auslaufen kann. Als mögliche Marke nennt der Beitrag einen Bruch unter 62.000 US-Dollar für erneute Abwärtsausdehnung; ein 4h-Schluss über 69.000 US-Dollar würde die bärische Struktur demnach herausfordern.
Warum das jetzt zählt
Die Kombination aus wieder anziehenden ETP-Zuflüssen (CoinShares) und fallendem Futures-Open-Interest samt niedriger Basis (Cointelegraph/Laevitas) deutet auf einen Markt hin, der Kapital zwar wieder aufnimmt, Risiko über Hebel aber reduziert. Das kann kurzfristig stabilisieren, weil weniger Zwangsliquidationen aus überfüllten Longs drohen – nimmt Rallyes jedoch oft die Beschleunigung, solange die Nachfrage nicht wieder breiter in Spot und Derivate zurückkehrt.
Einordnung / Ausblick
Bullish betrachtet spricht die Rückkehr von rund 1 Mrd. US-Dollar Wochenzuflüssen in Krypto-ETPs für eine erste Normalisierung der Nachfrage nach den vorherigen fünf Abflusswochen. Dass Cointelegraph zudem weiterhin hohe ETF-Handelsvolumina und CME-Aktivität hervorhebt, passt ins Bild: weniger Spekulationshitze, aber kein Kollaps der institutionellen Marktinfrastruktur.
Bearish bleibt, dass Bitcoin laut NewsBTC mehrfach an 70.000 US-Dollar scheitert und On-Chain-Daten (CryptoQuant/Darkfost) ein Stressniveau bei kurzfristigen Haltern markieren, das bei Support-Brüchen in neue Abwärtswellen kippen kann. Solange die Zone um 70.000 US-Dollar nicht überzeugend zurückerobert ist, bleibt das Chance-Risiko-Profil stark von Range-Trading, Liquiditätszonen und potenziellen Volatilitätsausbrüchen geprägt.
Stand: Dienstag, 3. März 2026 um 05:11:58 MEZ
Hinweis: Keine Anlageberatung. Kursdaten können stark schwanken.
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