Bitcoin-Miner kehren zurück – der Markt bleibt skeptisch
Hashrate steigt um 12,5 Prozent, während der Fear-and-Greed-Index auf 8 fällt und Analysten eine Bodenbildung deutlich tiefer erwarten
CryptoDaily 4 min

Miner investieren, während Kapital abfließt
Die Bitcoin-Hashrate ist seit den März-Tiefs um 12,5 Prozent gestiegen – zuvor abgeschaltete Mining-Kapazitäten gehen offenbar zurück ans Netz. Doch der Rest des Marktes teilt die Zuversicht der Miner derzeit nicht.
Der Hashrate-Anstieg deutet darauf hin, dass sich das Mining bei den aktuellen Kursen für immer mehr Betreiber wieder lohnt. Eine höhere Rechenleistung stärkt die Netzwerksicherheit und dürfte bei der nächsten Anpassungsperiode zu einer steigenden Mining-Schwierigkeit führen.
Was ist die Mining-Schwierigkeit? Sie beschreibt, wie aufwendig es ist, einen neuen Bitcoin-Block zu finden. Das Netzwerk passt diesen Wert etwa alle zwei Wochen automatisch an, damit Blöcke im Schnitt alle zehn Minuten entstehen.
In Washington flankiert ein neuer Gesetzentwurf diesen Trend: Die Senatoren Bill Cassidy und Cynthia Lummis haben den Mined in America Act eingebracht, der die heimische Hardware-Produktion fördern und die Abhängigkeit von chinesischen Herstellern reduzieren soll. Laut Dennis Porter vom Satoshi Action Fund stammen 97 Prozent aller Mining-Geräte von den Unternehmen Bitmain und MicroBT. Gleichzeitig soll der Entwurf Trumps Exekutivorder zur strategischen Bitcoin-Reserve gesetzlich verankern – bislang ist das Gesetzgebungsverfahren noch in einem frühen Stadium.
Auf der Infrastrukturseite passiert also viel – doch das Kapital fließt in die andere Richtung. Spot-Bitcoin-ETFs verzeichneten in der letzten Märzwoche Nettoabflüsse von 296 Millionen Dollar und brachen damit eine vierwöchige Zuflussserie. Bitcoin notiert bei rund 66.300 Dollar, knapp 47 Prozent unter dem Allzeithoch vom Oktober 2025, und der Fear-and-Greed-Index verharrt seit Mitte März im Bereich Extreme Fear bei einem Wert von 8.
Zwischen technischer Erholung und düsteren Prognosen
Kurzfristig hat sich Bitcoin von seinem Wochentief bei 65.000 Dollar erholt und handelt oberhalb von 67.500 Dollar. Datenanalysten von Hyblock Capital registrierten am Sonntag bei 65.000 Dollar einen Kaufüberhang im 99. Perzentil – ein seltenes Signal, das den Rebound auslöste.
Was ist ein Kaufüberhang im 99. Perzentil? Damit ist gemeint, dass die Kaufaufträge im Orderbuch die Verkaufsaufträge so deutlich überwiegen wie in nur einem Prozent aller gemessenen Fälle – ein statistisch ungewöhnlich starkes Kaufinteresse.
Oberhalb von 71.000 Dollar konzentrieren sich laut CoinGlass Short-Liquidationen im Wert von über 1,6 Milliarden Dollar, was als nächstes Kursziel für einen möglichen Squeeze diskutiert wird. Technisch liegt der entscheidende Widerstand bei 68.500 Dollar; scheitert Bitcoin dort, drohen Rückläufe zur 65.000-Dollar-Marke.
Das größere Bild bleibt jedoch belastet. Veteran-Trader Peter Brandt erwartet kein neues Allzeithoch vor frühestens Mitte 2027 und hält einen Retest der 60.000-Dollar-Zone im Herbst für möglich. Polymarket-Händler bewerten die Wahrscheinlichkeit, dass Bitcoin bis Jahresende 120.000 Dollar erreicht, mit nur 15 Prozent. On-Chain-Analyst Willy Woo verortet eine potenzielle Bodenzone zwischen 45.500 und 54.200 Dollar, basierend auf dem Realized Price und seinem CVDD-Modell – warnt aber selbst, dass diese Modelle auf lediglich vier früheren Bärenmärkten beruhen. Auf der Gegenseite hält Tom Lee von Fundstrat an seiner bislang unbestätigten Prognose eines neuen Allzeithochs noch in diesem Jahr fest.
Warum das jetzt zählt
Die Diskrepanz zwischen Infrastruktur und Sentiment ist das prägende Merkmal dieses Marktes. Miner bauen aus, der US-Senat arbeitet an Mining-Förderung und gesetzlicher Verankerung der Bitcoin-Reserve, Square hat begonnen, Bitcoin-Zahlungen automatisch für US-Händler zu aktivieren. Strukturell wächst das Ökosystem. Doch die Kapitalströme erzählen eine andere Geschichte: Abflüsse aus ETFs, extreme Angst im Sentiment und professionelle Trader, die sich defensiv positionieren – auf Hyperliquid eröffnete ein großer Marktteilnehmer eine 53-Millionen-Dollar-Short-Position mit Liquidationspreis bei 80.630 Dollar.
Einordnung und Ausblick
Historisch folgten auf Phasen steigender Hashrate bei gleichzeitig gedrücktem Sentiment oft Wendepunkte – in beide Richtungen.
- Bullisches Szenario: Die wachsende Rechenleistung signalisiert eine Bodenbildung, die der Markt noch nicht eingepreist hat. Ein Durchbruch über 71.000 Dollar könnte durch Short-Liquidationen beschleunigt werden.
- Bärisches Szenario: Die ETF-Abflüsse und das extreme Fear-Niveau deuten auf weiter sinkende Kurse hin. Analysten wie Willy Woo sehen eine mögliche Bodenzone erst zwischen 45.500 und 54.200 Dollar.
Welches Szenario sich durchsetzt, dürfte sich in den kommenden Wochen zeigen.
Hinweis: Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Jede Investitionsentscheidung sollte auf eigener Recherche basieren.
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