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Bitcoin in der Zange: Fed-Entscheid trifft auf bärische Wale

Großanleger wetten erstmals seit März gegen Bitcoin – Fed und Midterms könnten die Richtung vorgeben

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Bitcoin in der Zange: Fed-Entscheid trifft auf bärische Wale

Bitcoin konsolidiert knapp über 80.000 Dollar

Innerhalb weniger Tage stehen zwei Weichenstellungen an: die Fed-Zinsentscheidung am Mittwoch und die US-Midterm-Wahlen am 3. November. Gleichzeitig haben Großanleger auf der Derivatebörse Hyperliquid ihre Positionierung erstmals seit März auf netto short gedreht.

Whale-Wende auf Hyperliquid signalisiert Nervosität

Laut Glassnode haben große Händler auf der dezentralen Börse Hyperliquid vergangene Woche kollektiv auf fallende Kurse gewettet – ein Positionswechsel, der zuletzt im März stattfand.

Was ist Hyperliquid? Hyperliquid ist eine dezentrale Börse für Derivate, auf der Händler mit Hebelprodukten auf steigende oder fallende Kurse setzen können, ohne eine zentrale Handelsplattform zu nutzen.

Bemerkenswert ist das Timing: Dieselbe Gruppe hatte zuvor ein lokales Kurstief präzise zum Einstieg genutzt und lag damit richtig. Ob sie nun erneut richtig liegen, ist offen. Glassnode skizziert zwei Szenarien:

  • Entweder antizipieren die Trader einen weiteren Rückgang unter 80.000 Dollar, oder
  • sie werden bei einer Erholung durch erzwungene Rückkäufe unter Druck gesetzt – ein sogenanntes Short Squeeze, bei dem steigende Kurse Leerverkäufer zum Schließen ihrer Positionen zwingen und den Kurs zusätzlich nach oben treiben.

Die technische Ausgangslage stützt die Vorsicht. Bitcoin unterschritt in der vergangenen Woche alle wichtigen gleitenden Durchschnitte und fiel fünf Handelstage in Folge mit einem Wochenverlust von 5,4 Prozent. Die Hilbert Group identifiziert 75.500 Dollar als strukturelle Unterstützung. Auf der Oberseite liegt laut Hilbert ein Spot-Verkaufsblock zwischen 86.500 und 87.500 Dollar, der eine schnelle Erholung begrenzen dürfte.

Parallel zeigen sich Gegensignale. Laut Santiment haben Wallets mit 10 bis 10.000 BTC seit September knapp 89.000 Bitcoin akkumuliert und halten nun den höchsten Gesamtbestand seit April. Zudem registrierte CryptoQuant am 27. Oktober einen der größten täglichen Nettoabflüsse von Börsen im laufenden Monat: rund 12.570 BTC wurden abgezogen. Abflüsse dieser Größenordnung deuten in der Regel auf Überführung in langfristige Verwahrung hin.

Fed und Midterms als doppelter Katalysator

Die unmittelbare Preisrichtung dürfte sich an zwei Ereignissen entscheiden. Erstens: Die Fed gibt am Mittwoch ihre Zinsentscheidung bekannt. Der Leitzins wird bei 3,75 bis 4,00 Prozent erwartet, eine Änderung gilt als unwahrscheinlich. Entscheidend ist der Ton. Die Notenbank hat im September die Zinsen angehoben; eine Reuters-Umfrage unter Ökonomen sieht eine weitere Anhebung im Dezember als Basisszenario. Sendet Fed-Chef Powell hawkische Signale, steigt der Druck auf spekulative Anlagen. Ein weicherer Ton hingegen könnte laut Analysten Raum bis etwa 88.000 Dollar öffnen.

Zweitens rücken die US-Midterm-Wahlen am 3. November in den Fokus – nicht wegen direkter Kurseffekte, sondern wegen der regulatorischen Implikationen. TD Cowen warnt, dass ein demokratischer Sieg in beiden Kongresskammern den CLARITY Act – das zentrale Krypto-Marktstrukturgesetz – für bis zu zwei Jahre blockieren könnte. Prediction Markets geben den Demokraten derzeit rund 90 Prozent Wahrscheinlichkeit auf das Repräsentantenhaus und 62 Prozent auf den Senat. Für die Kryptobranche wäre laut TD Cowen ein republikanischer Wahlsieg das günstigste Szenario.

Historisch tendierten Bitcoin und andere Risikoassets in den zwölf Monaten nach Midterm-Wahlen zu Kursgewinnen. Analyst Ali Charts dokumentiert allerdings auch die Kehrseite: In den vier letzten Midterm-Jahren fiel Bitcoin jeweils deutlich, zuletzt 2022 um 27 Prozent. Überträgt man dieses Muster, rückt die Marke von 73.000 Dollar ins Blickfeld.

Warum das jetzt zählt

Die kommenden Tage verdichten sich zu einem Stresstest. Die bärische Positionierung der Großanleger trifft auf eine Akkumulationsphase langfristiger Halter und signifikante Börsenabflüsse. Ob die Auflösung nach oben oder unten erfolgt, hängt maßgeblich vom Fed-Signal ab. Bleibt der Ton neutral, könnte die Nachfrage der Akkumulatoren dominieren. Verschärft Powell die Rhetorik, dürften die Short-Positionen Rückenwind bekommen.

Einordnung / Ausblick

Galaxy Digital hat den Bärenmarkt für beendet erklärt und ein Kursziel von 125.000 Dollar ausgegeben – das bullische Szenario. Analysten der Hilbert Group halten dagegen fest: Erst oberhalb von 87.500 Dollar öffnet sich der Weg in Richtung 95.000 bis 98.000 Dollar. Unter 75.500 Dollar wäre die gesamte Erholungsstruktur seit dem Sommer hinfällig – das bärische Szenario. Zwischen diesen Polen bewegt sich der Markt in einer Phase, in der Positionierung wichtiger ist als Prognosen – und in der zwei Makro-Ereignisse innerhalb einer Woche die Richtung vorgeben könnten.

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