CryptoDaily
bitcoin

Bitcoin in der Warteschleife: Optionsmarkt preist Absturz auf 55.000 Dollar ein

ETF-Abflüsse, rekordhohe Put-Prämien und schwindende Käuferüberzeugung setzen den Kurs bei 60.000 Dollar unter Druck

CryptoDaily 4 min

Bitcoin in der Warteschleife: Optionsmarkt preist Absturz auf 55.000 Dollar ein

Bitcoin hält sich knapp über 60.000 Dollar

Bitcoin hält sich knapp über 60.000 Dollar, doch der Optionsmarkt signalisiert so viel Absicherungsbedarf nach unten wie seit über einem Jahr nicht mehr. Gleichzeitig fließt Kapital aus ETFs ab.

Put-Prämien auf Zwölfmonatshoch – der Markt sichert sich ab

Am Freitag überstiegen die Prämien für Bitcoin-Put-Optionen an der Derivatebörse Deribit jene für Call-Optionen im Verhältnis sieben zu eins. Laut dem Datenanbieter Laevitas ist das der höchste Wert seit über zwölf Monaten.

Was sind Put-Optionen? Put-Optionen geben dem Käufer das Recht, einen Vermögenswert zu einem festgelegten Preis zu verkaufen. Steigende Put-Prämien deuten darauf hin, dass Marktteilnehmer sich verstärkt gegen fallende Kurse absichern.

Der sogenannte Delta-Skew, der die relative Nachfrage nach Absicherung misst, liegt seit vier Wochen bei erhöhten 19 Prozent. Gleichzeitig flossen im Juni nach Daten von SoSoValue 4,4 Milliarden Dollar aus US-Spot-Bitcoin-ETFs ab – der stärkste monatliche Abfluss des laufenden Jahres und die siebte Woche mit Nettoverkäufen in Folge.

Die Botschaft ist deutlich: Institutionelle Anleger bauen Schutzpositionen auf, statt neue Engagements einzugehen. Das Jahrestief bei 58.050 Dollar vom 25. Juni liegt in Reichweite. Ein Unterschreiten dieser Marke könnte nach Analystenberechnungen rund 500 Millionen Dollar an Long-Liquidierungen auslösen und den Kurs in Richtung 55.000 Dollar drücken.

Spot-Märkte verteilen statt zu akkumulieren

Die Zurückhaltung beschränkt sich nicht auf den Derivatemarkt. On-Chain-Daten von Glassnode zeigen, dass Spot-Märkte trotz gestiegener Handelsaktivität anhaltende Nettoverkäufe verzeichnen. Verfügbare Liquidität wird zur Verteilung genutzt, nicht zur Akkumulation. Zugleich konzentriert sich das Angebot zunehmend bei spekulativeren Investoren, was das Potenzial für abrupte Kursausschläge erhöht.

Was bedeutet Akkumulation? In der Kryptoanalyse beschreibt Akkumulation eine Phase, in der Anleger Bestände aufbauen und halten, statt sie zu verkaufen. Das Gegenteil – Verteilung – deutet auf Verkaufsdruck hin.

Strategy, ehemals MicroStrategy, kaufte im Juni zwar 3.600 Bitcoin für 236 Millionen Dollar. Doch das Tempo hat sich verlangsamt, und die Finanzierung über Aktienverkäufe stößt an Grenzen: Das Unternehmen hält derzeit 1,2 Milliarden Dollar aus jüngsten Erlösen und hat 1,25 Milliarden in Bitcoin für einen eventuellen Verkauf reserviert. Was bislang als verlässlicher Nachfrageanker galt, wird damit selbst zum Fragezeichen.

Unterdessen rotiert Kapital anderswohin. Halbleiter-ETFs zogen laut Bloomberg-Daten kumuliert über 20 Milliarden Dollar an Zuflüssen an. Der Marktanalyse-Dienst The Kobeissi Letter beobachtet eine aktive Umschichtung von Privatanlegern aus Gold und Bitcoin in Technologieaktien. Goldman Sachs prognostiziert 22 Prozent jährliches Gewinnwachstum für S&P-500-Unternehmen – ein Wettbewerbsfaktor, der Bitcoin in einem Umfeld fallender Risikoprämien zusätzlich belastet.

Warum das jetzt zählt

Bitcoin steckt in einer Zone maximaler Unentschiedenheit. Die technischen Schlüsselmarken sind klar: Unter 58.000 Dollar drohen Kettenreaktionen im Derivatemarkt. Über 62.000 Dollar könnte sich das Bild drehen, weil Short-Positionen unter Druck gerieten. Doch weder das aggregierte Open Interest in Bitcoin-Futures, das bei knapp 20 Milliarden Dollar stagniert, noch die rückläufige Funding Rate von 0,12 Prozent deuten auf eine baldige Auflösung dieser Pattsituation hin.

Was ist die Funding Rate? Die Funding Rate ist eine regelmäßige Gebühr zwischen Long- und Short-Positionen an Krypto-Terminbörsen. Sie zeigt an, ob die Mehrheit der Händler auf steigende oder fallende Kurse setzt.

Einordnung / Ausblick

Entscheidend wird sein, ob die strukturellen Käufer zurückkehren. Family Offices, die laut einer BNY-Mellon-Umfrage zu 74 Prozent Krypto-Investments erkunden, könnten mittelfristig Nachfrage liefern.

  • Bullisches Szenario: Eine Rückeroberung der 62.000-Dollar-Marke würde Short-Positionen unter Druck setzen und könnte institutionelle Käufer zurückbringen. Die hohe Put-Nachfrage kann auch als Kontraindikator wirken – wenn die befürchteten Verluste ausbleiben, lösen sich Absicherungspositionen auf und stützen den Kurs.
  • Bärisches Szenario: Fällt Bitcoin unter 58.000 Dollar, könnten Liquidierungen im Umfang von rund 500 Millionen Dollar eine Abwärtsspirale in Richtung 55.000 Dollar auslösen. Die anhaltenden ETF-Abflüsse und die Kapitalrotation in Technologieaktien sprechen kurzfristig gegen eine rasche Erholung.

Der nächste Impuls dürfte von außen kommen – etwa durch den US-Arbeitsmarktbericht oder geopolitische Entwicklungen. Bis dahin bleibt Bitcoin gefangen zwischen einer Unterstützung, die bröckelt, und einer Erholung, die bislang niemand kaufen will.

Hinweis: Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Jede Investitionsentscheidung sollte auf eigener Recherche basieren.

Bitcoin Kurs · Bitcoin Put-Optionen · Bitcoin ETF Abflüsse · Bitcoin 55000 Dollar · Bitcoin Derivatemarkt · Krypto Marktanalyse · Bitcoin Liquidierungen · Bitcoin technische Analyse · Kryptowährung Absicherung · Bitcoin institutionelle Anleger