Bitcoin hängt unter 87.000 Dollar fest – warum der Ausbruch auf sich warten lässt
Trotz Rekorden an der Wall Street blockiert eine Verkaufsmauer den nächsten Schritt nach oben
CryptoDaily 4 min

Bitcoin pendelt zwischen 84.000 und 87.000 Dollar
Bitcoin pendelt seit zwei Wochen zwischen 84.000 und 87.000 Dollar, während der S&P 500 und der Nasdaq neue Allzeithochs markieren. Die Entkopplung wirft Fragen auf – denn normalerweise profitiert Bitcoin von steigender Risikobereitschaft an den Aktienmärkten.
Der Grund liegt im Zusammenspiel dreier Faktoren: konzentrierter Verkaufsdruck knapp unter 87.500 Dollar, nachlassende ETF-Zuflüsse und ein Anleiheumfeld, das spekulative Anlagen unattraktiver macht. Solange diese Konstellation hält, bleibt der Weg nach oben versperrt.
Die 87.000-Dollar-Mauer
Laut Orderbuchdaten von CoinGlass türmt sich die größte Verkaufsliquidität bei 87.000 Dollar. Dreimal in zwei Wochen scheiterte Bitcoin an dieser Marke, zuletzt am 2. Oktober bei 87.197 Dollar. Der Jahreseröffnungskurs von 87.722 Dollar liegt nur knapp darüber und fungiert als zusätzlicher technischer Widerstand.
Was ist Verkaufsliquidität? Damit sind gebündelte Verkaufsaufträge in den Orderbüchern der Börsen gemeint. Wenn sich viele Verkaufsorders auf einem bestimmten Preisniveau konzentrieren, wirkt das wie eine Mauer, die den Kurs am Steigen hindert.
Keith Alan von Material Indicators identifiziert 87.375 Dollar als monatlichen Schwellenwert: Erst ein bestätigter Tagesschluss darüber würde eine Bewegung Richtung 91.500 Dollar wahrscheinlich machen. Auf der Unterseite liegt der entscheidende Support bei 83.500 Dollar, dem 21-Tage-Durchschnitt.
Bemerkenswert ist der Kontrast zur Wall Street. Der S&P 500 legte seit Ende März rund 24 Prozent zu und erreichte 7.835 Punkte. Doch die Rallye ist schmal: Nur 25 Prozent der gelisteten Aktien handeln über ihrem 50-Tage-Durchschnitt. Technologiewerte treiben den Index fast im Alleingang. Die Korrelation zwischen Bitcoin und dem S&P 500 stieg laut CryptoQuant zuletzt auf 0,51, den höchsten Wert seit Juni. Trotzdem folgt Bitcoin nicht nach oben – ein Hinweis auf eigenständige Bremsfaktoren im Kryptomarkt.
ETF-Zuflüsse trocknen aus
Der wichtigste dieser Bremsfaktoren: Das institutionelle Kaufinteresse lässt nach. In der Woche zum 2. Oktober fielen die Zuflüsse in US-Spot-Bitcoin-ETFs laut Farside Investors von 2,39 Milliarden auf 241 Millionen Dollar – ein Rückgang von rund 90 Prozent. Ein einzelner Abflusstag von 148,7 Millionen Dollar am 30. September beendete eine neuntägige Zufluss-Serie.
Was sind Spot-Bitcoin-ETFs? Das sind börsengehandelte Fonds, die direkt Bitcoin halten. Sie ermöglichen institutionellen und privaten Anlegern, über regulierte Börsen in Bitcoin zu investieren, ohne die Kryptowährung selbst verwahren zu müssen.
BlackRocks IBIT bleibt der dominierende Fonds mit Wochenzuflüssen von 450 Millionen Dollar. Doch Fidelitys FBTC verlor im gleichen Zeitraum 168 Millionen Dollar. Die Divergenz zwischen den beiden größten Produkten zeigt, dass die ETF-Nachfrage nicht mehr breit getragen wird.
Laut Bitfinex liegt der durchschnittliche Einstandspreis der ETF-Investoren bei 84.320 Dollar. Bitcoin notierte 233 Tage unterhalb dieses Niveaus, bevor es ihn am 21. September zurückeroberte. Ein Rückfall unter 82.600 Dollar würde diese Anleger rechnerisch wieder in den Verlust bringen und könnte die Abflüsse beschleunigen. Für einen Ausbruch über 87.722 Dollar bräuchte es laut Bitfinex-Analysten mehrere ETF-Sitzungen mit jeweils mindestens 340 Millionen Dollar Zufluss. Davon ist der Markt aktuell weit entfernt.
Anleihen, Fed und die versteckten Gegenströme
Erschwerend kommt hinzu, dass Anleiherenditen auf Mehrjahreshochs notieren. Zehnjährige US-Treasuries rentieren laut Bitfinex über 5,2 Prozent – der höchste Stand seit 19 Jahren. Das entzieht risikobehafteten Anlagen systematisch Kapital, weil Anleger mit Staatsanleihen bereits hohe Renditen erzielen können.
Gleichzeitig gibt es Signale, die den Druck mittelfristig mildern könnten. Die Wahrscheinlichkeit einer weiteren Fed-Zinserhöhung im Oktober fiel laut CME FedWatch auf 19 Prozent, nachdem der September-Beschäftigungsbericht nur 29.000 neue Stellen auswies. Sollte der CPI-Bericht am 14. Oktober einen Rückgang der Inflation bestätigen, könnte das die Zinserwartungen weiter drücken und risikosensitive Anlagen entlasten.
Auf der Angebotsseite sendeten zuletzt reaktivierte Bitcoin-Wallets gemischte Signale. Die US-Regierung transferierte laut News.Bitcoin.com Bestände im Wert von 71 Millionen Dollar nach sechs Wochen Inaktivität. Zwei weitere Wallets mit zusammen 1.346 BTC, seit 13 Jahren unangetastet, führten eine Testtransaktion durch. Ob daraus tatsächlich Verkaufsdruck entsteht, bleibt bislang unbestätigt. Doch die On-Chain-Bewegungen erhöhen die Nervosität in einem Markt, der ohnehin auf dünner Liquidität handelt.
Warum das jetzt zählt
Bitcoin befindet sich in einer ungewöhnlichen Lage: Die makroökonomischen Rahmenbedingungen verschieben sich potenziell zu seinen Gunsten, doch die kurzfristige Marktstruktur blockiert den Kursanstieg. ETF-Zuflüsse sind der Schlüssel. Ohne nachhaltige institutionelle Käufe fehlt die Kraft, die konzentrierte Verkaufsliquidität bei 87.000 Dollar zu absorbieren.
Einordnung / Ausblick
Die Bitfinex-Analysten skizzieren eine klare Spanne: Zwischen 84.000 und 87.722 Dollar bleibt Bitcoin in einer Warteschleife, solange die Spotnachfrage schwach bleibt.
- Bullisches Szenario: Oberhalb von 87.722 Dollar öffnet sich das Fenster Richtung 90.000 Dollar – vorausgesetzt, die ETF-Zuflüsse erholen sich auf mindestens 340 Millionen Dollar pro Sitzung und der CPI-Bericht am 14. Oktober fällt günstig aus.
- Bärisches Szenario: Unterhalb von 81.300 Dollar, kombiniert mit ETF-Abflüssen, rückt die Zone um 77.000 Dollar in den Fokus. Ein Rückfall unter den durchschnittlichen ETF-Einstandspreis könnte eine Abwärtsspirale auslösen.
Die Entscheidung dürfte in den kommenden Wochen fallen, getrieben von CPI-Daten, dem Fed-Meeting Ende Oktober und der Frage, ob sich das ETF-Kaufinteresse erholt.
Hinweis: Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Jede Investition birgt Risiken – eigenständige Recherche wird empfohlen.
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