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Bitcoin-Handelsvolumen bricht um 81 Prozent ein

Spot-Volumen auf dem tiefsten Stand seit drei Jahren, während Whale-Käufer und die Bank of Japan leise Gegenakzente setzen

CryptoDaily 3 min

Bitcoin-Handelsvolumen bricht um 81 Prozent ein

Das Bitcoin-Spot-Handelsvolumen ist laut CryptoQuant seit Oktober 2025 um 81 Prozent eingebrochen. Der Rückgang trifft den Markt in einer Phase, in der Bitcoin bei etwa 77.000 Dollar zwischen technischen Schlüsselmarken pendelt.

Wenn niemand mehr handelt

Der Volumeneinbruch zieht sich über den gesamten Markt. Auf Binance fielen die monatlichen Umsätze von knapp 199 Milliarden auf rund 36 Milliarden Dollar - der niedrigste Stand seit Juli 2023. Auch Gateio und Bybit melden Rückgänge von 66 bis 80 Prozent im Spothandel. CryptoQuant-Analyst Darkfost deutet das Muster als mögliche Verkäufererschöpfung: Wer verkaufen wollte, hat längst verkauft. Übrig bleibt ein ausgedünntes Orderbuch, in dem bereits moderate Impulse überproportionale Kursbewegungen auslösen können.

Was ist ein Orderbuch?

Das Orderbuch listet alle offenen Kauf- und Verkaufsaufträge an einer Börse auf. Bei geringem Volumen ist es ausgedünnt - schon kleine Orders können den Kurs stark bewegen.

Die Ursachen liegen weniger im Krypto-Sektor selbst als im makroökonomischen Umfeld. Anhaltende Inflationssorgen, geldpolitische Unsicherheit und geopolitische Spannungen haben Kapital in Rohstoffe, Energie und defensive Aktienwerte umgelenkt. Im Bärenmarkt 2023 ging ein vergleichbar niedriges Volumen allerdings einer mehrmonatigen Stabilisierung voraus, bevor der nächste Aufwärtstrend einsetzte.

Stille Käufer, stille Notenbank

Unter der Oberfläche des dünnen Handels bewegt sich dennoch Kapital. Laut Blockstream-CEO Adam Back akkumuliert ein einzelner Bitfinex-Whale seit über einer Woche täglich 450 Bitcoin über eine systematische Kaufstrategie. Die Käufe erfolgen per TWAP-Algorithmus, der die Orders gleichmäßig über den Tag verteilt, um den Marktpreis möglichst wenig zu beeinflussen. Das Verhalten deutet auf langfristige Überzeugung, nicht auf kurzfristige Spekulation.

Was ist ein TWAP-Algorithmus?

TWAP steht für Time-Weighted Average Price. Er teilt eine große Order in viele kleine Teilaufträge auf, die über einen definierten Zeitraum gleichmäßig ausgeführt werden - so wird der Einfluss auf den Marktpreis minimiert.

Gleichzeitig liefert die Bank of Japan einen oft unterschätzten Liquiditätsfaktor. Bei ihrem Zinsentscheid Ende April beließ die BOJ den Leitzins zum dritten Mal in Folge bei 0,75 Prozent. Solange japanische Zinsen niedrig bleiben, bleibt der Yen-Carry-Trade intakt: Günstiges Kapital in Yen wird aufgenommen und in höherverzinsliche Anlagen umgeschichtet, darunter auch Krypto-Assets. BOJ-Gouverneur Kazuo Ueda hielt sich eine Zinserhöhung im Juni offen, sollte die Inflation über steigende Energiekosten weiter anziehen. Eine Straffung würde das Zinsdifferenzial verengen und könnte Carry-Trade-Positionen auflösen - ein Szenario, das Mitte 2024 bereits Krypto- und Aktienmärkte gleichzeitig belastete.

Warum das jetzt zählt

Bitcoin steht technisch an einer Weggabelung. Die Unterstützung bei 75.000 Dollar, gestützt durch den 50-Tage-Durchschnitt, hält bislang. Darüber liegt ein dichtes Band an Verkaufsangeboten zwischen 78.000 und 82.000 Dollar. Ein nachhaltiger Bruch unter 75.000 Dollar würde den Weg Richtung 70.000 Dollar öffnen. Umgekehrt würde erst eine Rückeroberung der 80.000er-Marke bullisches Momentum signalisieren.

Einordnung und Ausblick

Die Kombination aus historisch niedrigem Volumen, gezielter Whale-Akkumulation und einer abwartenden japanischen Geldpolitik ergibt ein Bild verdichteter Spannung. Der Markt ist nicht panisch, sondern erschöpft.

  • Bullisches Szenario: Das niedrige Volumen markiert wie 2023 eine Verkäufererschöpfung. Die Whale-Akkumulation deutet auf informiertes Kapital, das günstige Kurse nutzt. Ein stabiler BOJ-Kurs stützt die globale Liquidität.
  • Bearisches Szenario: Eine BOJ-Zinserhöhung im Juni könnte Carry-Trade-Auflösungen auslösen und Risikoassets unter Druck setzen. Ohne frische Nachfrage bleibt das dünne Orderbuch anfällig für abrupte Abverkäufe unter die 75.000-Dollar-Marke.

Ob daraus eine Erholung oder ein weiterer Rückgang entsteht, hängt weniger an kryptointernen Faktoren als an der nächsten Wende im Makro-Umfeld: Ölpreise, BOJ-Entscheidung im Juni, Dollar-Dynamik.

Hinweis: Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Kryptowährungen unterliegen hohen Kursschwankungen. Jede Investitionsentscheidung sollte auf eigener Recherche basieren.

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