Bitcoin gewinnt 5 Prozent – Waffenruhe mit Iran löst Kaufwelle aus
Geopolitische Entspannung treibt den Kurs über 72.000 Dollar, während Miner verkaufen und Langzeithalter akkumulieren
CryptoDaily 4 min

Eine zweiwöchige Waffenruhe zwischen den USA und dem Iran hat Bitcoin über 72.000 Dollar getrieben
Doch hinter der Euphorie zeigt sich ein gespaltener Markt: Institutionelle Zuflüsse treffen auf Miner-Verkaufsdruck, und Langzeithalter verknappen das Angebot still.
Waffenruhe als Zündfunke – und ihre Grenzen
US-Präsident Trump verkündete am Montag über Truth Social die Aussetzung militärischer Aktionen gegen den Iran für zwei Wochen. Die Bedingung: eine vollständige Öffnung der Straße von Hormus. Pakistan vermittelte, Teheran akzeptierte – betonte aber, dies bedeute kein Ende des Konflikts.
Die Märkte reagierten sofort. Bitcoin stieg um rund 5 Prozent auf über 72.500 Dollar, den höchsten Stand seit Mitte März. Ether legte 7 Prozent zu, Solana 8 Prozent. Gleichzeitig fielen die Ölpreise um etwa 15 Prozent.
Die Kaufwelle war erheblich. Laut dem On-Chain-Analysten DeFiTracer flossen nach der Ankündigung rund 4,5 Milliarden Dollar in Bitcoin-Käufe über die großen Börsen. US-Spot-Bitcoin-ETFs meldeten am selben Tag Nettozuflüsse von 471 Millionen Dollar, der höchste Tageswert seit über fünf Wochen.
Was sind Spot-Bitcoin-ETFs? Börsengehandelte Fonds, die direkt in Bitcoin investieren und es institutionellen wie privaten Anlegern ermöglichen, über regulierte Produkte am Bitcoin-Kurs teilzuhaben.
Doch die Reaktion hat eine kurze Haltbarkeit. Der Crypto Fear and Greed Index stand am Dienstag bei 11, tief im Bereich extremer Angst. Die Polymarket-Odds für Bitcoin über 100.000 Dollar bis Jahresende stiegen nur marginal auf 34 Prozent. Geopolitische Impulse dieser Art wirken historisch als kurzfristige Katalysatoren, nicht als Trendwenden.
Miner unter Druck, Langzeithalter in Position
Während die Schlagzeilen von der Waffenruhe dominiert werden, vollzieht sich unter der Oberfläche eine strukturelle Verschiebung. Bitcoin-Miner verkaufen in einem Umfang, der die kurzfristige Preisdynamik spürbar bremst. MARA Holdings stieß im März über 15.000 BTC ab. Riot Platforms transferierte in der ersten Aprilwoche 1.500 BTC zum Verkauf.
Die Hashrate fiel am Montag auf 953 Exahashes, ein Rückgang von 12 Prozent gegenüber Ende Februar.
Was ist die Hashrate? Die gesamte Rechenleistung, die dem Bitcoin-Netzwerk zur Verfügung steht. Sinkt sie, bedeutet das, dass weniger Miner aktiv sind – häufig weil der Betrieb bei niedrigeren Bitcoin-Kursen nicht mehr rentabel ist.
Der Grund: Bitcoin liegt mehr als 45 Prozent unter seinem Allzeithoch von 126.000 Dollar. Geschätzt 252 Exahashes an älterer Mining-Kapazität sind offline. Viele Miner finanzieren mit Verkäufen den Umbau zu KI-Rechenzentren.
Dem gegenüber steht eine bemerkenswerte Akkumulationsbewegung. Laut CryptoQuant halten sogenannte Akkumulationsadressen inzwischen 4,37 Millionen BTC – mehr als doppelt so viel wie Anfang 2024. Diese Wallets empfangen ausschließlich Bitcoin und senden nie. Die Zuflüsse über Börsen und aktive Handelsadressen sanken dagegen auf 300.000 bis 350.000 BTC, verglichen mit über einer Million in den Expansionsphasen 2023 und 2024.
Der Bitcoin Network Activity Index überschritt erstmals seit Dezember 2024 seinen 365-Tage-Durchschnitt. Gleichzeitig fiel der Active Addresses Momentum auf den tiefsten Wert seit April 2018. Das Netzwerk wird von Langzeithaltern dominiert, kurzfristige Teilnehmer sind weitgehend abwesend.
Historisch korrespondierten solche Phasen mit Akkumulationsböden und reduziertem Verkaufsdruck. Allerdings ging ein vergleichbarer Rückgang der aktiven Adressen 2024 einem Preiseinbruch von 35 Prozent voraus. Die Divergenz zwischen steigender Akkumulation und stagnierendem Preis deutet darauf hin, dass das verfügbare Angebot absorbiert wird, ohne sich bisher im Kurs niederzuschlagen.
Warum das jetzt zählt
Bitcoin bewegt sich in einem Spannungsfeld zwischen kurzfristiger geopolitischer Euphorie und tieferliegenden Marktkräften. Die Waffenruhe hat Druck abgelassen, aber nicht die fundamentale Ausgangslage verändert. Der Optionsmarkt zeigt mit einem Put-Call-Skew von 17 Prozent zugunsten von Puts weiterhin erhöhte Nachfrage nach Absicherung. Technisch liegt der entscheidende Widerstand bei 74.000 Dollar.
Was ist ein Put-Call-Skew? Ein Maß dafür, ob am Optionsmarkt mehr auf fallende Kurse (Puts) oder steigende Kurse (Calls) gesetzt wird. Ein Skew zugunsten von Puts signalisiert, dass Marktteilnehmer verstärkt Absicherung gegen Kursverluste suchen.
Einordnung / Ausblick
Die strukturelle Erzählung bleibt intakt: Langzeithalter akkumulieren, das liquide Angebot schrumpft, institutionelle Produkte wie Spot-ETFs ziehen punktuell Kapital an.
- Bullisches Szenario: Ein nachhaltiger Ausbruch über 74.000 Dollar könnte Anschlusskäufe Richtung 75.000 Dollar auslösen. Die fortschreitende Angebotsverknappung durch Langzeithalter stützt mittelfristig die Preisstruktur.
- Bärisches Szenario: Miner verkaufen aus wirtschaftlicher Notwendigkeit, die globale Hashrate sinkt, und ein einzelner Tag starker ETF-Zuflüsse ist kein Beweis für eine Trendwende bei der institutionellen Nachfrage. Auf der Unterseite gilt die Zone um 67.500 Dollar als kritisch. Eine erneute Eskalation am Persischen Golf könnte die Gewinne schnell wieder auslöschen. Solange der Preis unter seinem Allzeithoch verharrt und geopolitische Risiken jederzeit kippen können, bleibt die Erholung auf Bewährung.
Hinweis: Keine Anlageberatung. Dieser Artikel dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Finanzprodukten dar.
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