Bitcoin fällt unter 80.000 Dollar – Coinbase warnt vor Abrutschen auf 75.000
Liquidationen, ETF-Abflüsse und steigende Ölpreise setzen den Markt gleichzeitig unter Druck
CryptoDaily 4 min

Bitcoin auf tiefstem Stand seit September
Bitcoin ist am Wochenende auf 79.146 Dollar gefallen – den tiefsten Stand seit September. Long-Positionen im Wert von über 400 Millionen Dollar wurden liquidiert.
Liquidationswelle trifft überhebelten Markt
Der Rutsch unter die 80.000-Dollar-Marke löste eine Kettenreaktion im Derivatemarkt aus.
Was ist eine Liquidation? Wenn gehebelte Positionen an Kryptobörsen einen bestimmten Verlust erreichen, werden sie automatisch geschlossen – das nennt man Liquidation. Massenhafte Liquidationen können Preisbewegungen verstärken.
Laut Coinglass wurden in 24 Stunden insgesamt 837 Millionen Dollar an Positionen liquidiert, davon 83 Prozent auf der Long-Seite. Allein bei Bitcoin summierten sich die Zwangsauflösungen auf 233 Millionen Dollar, bei Ethereum auf 182 Millionen Dollar. Die größte Einzelliquidation betraf eine Ethereum-Long-Position über knapp 12 Millionen Dollar auf Binance. Das Muster zeigt, wie einseitig bullisch der Markt positioniert war, bevor der Preisverfall einsetzte. Marktbeobachter verweisen zudem auf die geringe Liquidität am Wochenende, die den Abverkauf zusätzlich verstärkt haben dürfte.
Coinbase sieht 75.000 Dollar als nächste Auffanglinie
Colin Basco, Senior Quantitative Strategist bei Coinbase, identifiziert die Zone zwischen 80.000 und 82.000 Dollar als aktuell entscheidende Unterstützung. Dort treffen der 50-Tage-Durchschnitt und die durchschnittliche Kostenbasis der ETF-Käufer zusammen. Bricht diese Zone, rückt laut Basco der Bereich um 73.000 bis 75.000 Dollar als nächste relevante Haltelinie in den Fokus.
Was ist der Coinbase-Premium? Der Coinbase-Premium misst die Preisdifferenz von Bitcoin an der US-Börse Coinbase im Vergleich zu globalen Handelsplätzen. Ein negativer Premium deutet auf schwächere Nachfrage aus den USA hin.
Mehrere Indikatoren stützen diese vorsichtige Einschätzung. Die Stablecoin-Liquidität im Kryptomarkt ist seit dem Hoch im Mai um rund 13 Milliarden Dollar gesunken. Der Coinbase-Premium blieb im gesamten Oktober negativ. On-Chain-Daten von CryptoQuant zeigen zudem ein negatives Nachfragewachstum für Bitcoin.
Am Optionsmarkt stieg der sogenannte 25-Delta-Skew für kurzfristige Laufzeiten von 5 auf 15 Prozent, was auf erhöhte institutionelle Nachfrage nach Absicherung gegen fallende Kurse hindeutet. Für längere Laufzeiten fiel der Anstieg deutlich moderater aus. Das deutet darauf hin, dass professionelle Marktteilnehmer die aktuelle Schwäche als kurzfristiges Phänomen einordnen.
Ölpreis und Fed-Erwartungen als Belastungsfaktoren
Der Druck kommt nicht nur aus dem Kryptomarkt selbst. Brent-Rohöl überstieg erstmals seit März die Marke von 117 Dollar pro Barrel. Gleichzeitig kletterte die US-Inflation im September auf 3,7 Prozent.
Diese Kombination hat Folgen für die Geldpolitik: Laut FedWatch-Daten stieg die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung der Federal Reserve auf über 10 Prozent, nachdem sie einen Tag zuvor noch bei 5,5 Prozent gelegen hatte. Coinbase rechnet für Dezember mit einer Wahrscheinlichkeit von 80 Prozent für eine Anhebung um 25 Basispunkte.
Was sind Basispunkte? Ein Basispunkt entspricht 0,01 Prozentpunkten. 25 Basispunkte bedeuten eine Zinsänderung um 0,25 Prozentpunkte.
Steigende Zinsen erhöhen die Attraktivität festverzinslicher Anlagen und entziehen spekulativen Assets wie Bitcoin tendenziell Kapital. US-Spot-Bitcoin-ETFs verzeichneten am 23. Oktober laut Marktdaten Netto-Abflüsse von 635 Millionen Dollar – einer der größten Einzeltageswerte in der zweiten Jahreshälfte 2026.
Warum das jetzt zählt
Bitcoin steht an einer technisch und fundamental kritischen Schwelle. Die Zone um 80.000 Dollar trennt eine geordnete Korrektur von einem potenziell tieferen Rücksetzer. Oberhalb dieser Marke bleibt das Bild angespannt, aber stabil. Darunter öffnet sich ein Bereich mit deutlich weniger Kaufinteresse. Ein Angebotscluster von über 2,1 Millionen BTC zwischen 87.500 und 91.700 Dollar begrenzt gleichzeitig das Erholungspotenzial nach oben.
Einordnung / Ausblick
Die kommende Woche bringt mit der Fed-Sitzung am 27. und 28. Oktober sowie dem Inflationsbericht am 29. Oktober zwei Termine, die über Richtung und Tempo der nächsten Bewegung entscheiden dürften.
- Bull-Szenario: Eine Stabilisierung oberhalb von 80.000 Dollar und ein nachlassender Ölpreis könnten das kurzfristige Sentiment drehen.
- Bear-Szenario: Solange der makroökonomische Gegenwind anhält und die Liquidität im Kryptomarkt weiter sinkt, bleibt das Abwärtsrisiko in Richtung 73.000 bis 75.000 Dollar erhöht.
Die Schwankungsbreite bleibt in beiden Richtungen groß.
Hinweis: Keine Anlageberatung. Dieser Artikel dient ausschließlich der Information und stellt keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten dar.
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