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Bitcoin fällt unter 77.000 Dollar nach US-Angriff auf Iran

Geopolitische Eskalation, steigende Ölpreise und ein globaler Anleihenausverkauf drücken den Kurs – die Marktstruktur sendet widersprüchliche Signale.

CryptoDaily 3 min

Bitcoin fällt unter 77.000 Dollar nach US-Angriff auf Iran

Ein US-Luftangriff auf iranische Atomanlagen hat die Finanzmärkte am Wochenende erschüttert

Bitcoin fiel zeitweise auf 76.760 Dollar – der tiefste Stand seit Anfang August.

Ölpreis und Anleihen setzen den Rahmen

Der Angriff hat die geopolitische Risikoprämie an den Rohstoffmärkten schlagartig erhöht. Brent-Rohöl überstieg laut Marktdaten 92 Dollar je Barrel – ein Anstieg von mehr als zwei Prozent. Händler fürchten eine iranische Blockade der Straße von Hormus, durch die rund ein Fünftel der weltweiten Öllieferungen fließt.

Parallel verschärfte sich der globale Anleihenausverkauf. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen kletterte auf 4,78 Prozent. Japanische 30-Jahres-Staatsanleihen erreichten mit 4,18 Prozent ein Allzeithoch, was Kapitalrückflüsse nach Tokio auslöste.

Die FIMA-Repo-Fazilität ist ein Notfallinstrument, über das ausländische Zentralbanken kurzfristig Dollar-Liquidität bei der US-Notenbank abrufen können. Hohe Nutzung gilt als Zeichen von Dollarknappheit im internationalen Finanzsystem. Sie verzeichnete laut Fed-Daten Zugriffe von 115 Millionen Dollar. Die Marktwahrscheinlichkeit für eine Zinserhöhung beim Fed-Treffen am 15. September lag laut Fed-Funds-Futures zuletzt bei 69 Prozent. Steigende Realzinsen entziehen risikobehafteten Anlagen wie Bitcoin traditionell Kapital, weil sichere Staatsanleihen attraktiver werden.

Strukturelle Signale zeigen ein gespaltenes Bild

Der Kursrückgang trifft auf eine Marktstruktur, die sich zuletzt deutlich verbessert hatte. Bitcoin hatte den August laut Branchendaten bei rund 69.500 Dollar eröffnet und mit einem Plus von 25 Prozent abgeschlossen – nach Berechnungen von Marktanalysten der stärkste Monatsgewinn seit November 2024.

Institutionelle Zuflüsse in Bitcoin-Spot-ETFs stiegen laut Branchendaten von 172 Millionen Dollar im Juli auf 3,52 Milliarden Dollar im August. Strategy, der größte börsennotierte Bitcoin-Halter, kaufte am vergangenen Montag weitere Bitcoin im Wert von 200 Millionen Dollar.

Der Bull Score Index ist ein von CryptoQuant berechneter Indikator, der mehrere On-Chain-Kennzahlen bündelt und die Stärke eines Aufwärtstrends auf einer Skala von 0 bis 100 misst. Werte über 60 gingen historisch mit längeren Aufwärtsphasen einher. Der Index stieg laut CryptoQuant von 30 auf 80. Doch der Einbruch am Wochenende hat Spuren hinterlassen. Laut CoinGlass wurden innerhalb von zwölf Stunden gehebelte Long-Positionen im Wert von 420 Millionen Dollar zwangsweise geschlossen. Bitcoin fiel dabei unter seinen 200-Tage-Durchschnitt, eine viel beachtete Linie, die den mittleren Kursverlauf der vergangenen 200 Handelstage abbildet.

Warum das jetzt zählt

Der Rückgang unter 77.000 Dollar stellt die bisherige Erholungsrallye auf die Probe. Die Kombination aus steigenden Ölpreisen, höheren Anleiherenditen und geopolitischer Unsicherheit entzieht dem Kryptomarkt kurzfristig Kapital. Gleichzeitig stehen die hohen ETF-Zuflüsse und die institutionelle Nachfrage als mögliche Stabilisatoren dagegen. Die kommenden Tage werden zeigen, welche Kraft überwiegt.

Einordnung und Ausblick

Bull-Szenario

Die institutionelle Nachfrage bleibt intakt. Tom Lee von Fundstrat bezeichnete den Rückgang laut einem CNBC-Interview als geopolitischen Auswascheffekt und verwies auf die ETF-Zuflüsse als stabilisierenden Faktor. Arthur Hayes, Mitgründer der Kryptobörse BitMEX, argumentierte in einem Blogbeitrag, dass steigende Ölpreise die US-Notenbank letztlich zu expansiveren Maßnahmen zwingen könnten – ein langfristig positives Signal für knappe Vermögenswerte wie Bitcoin.

Bear-Szenario

Eine weitere Eskalation im Nahen Osten würde den Ölpreis weiter treiben und die Inflation neu entfachen. Steigende Anleiherenditen und ein stärkerer Dollar könnten Bitcoin unter die Marke von 70.000 Dollar drücken. Die hohe Liquidierungswelle zeigt zudem, dass der Markt fragil gehebelt war.

Entscheidend werden die kommenden 48 Stunden: Bleibt der Konflikt auf einen einzelnen Angriff begrenzt, dürfte sich die Panikprämie schnell abbauen. Bei einer Vergeltung stehen die Märkte vor einem längeren Stresstest – und Bitcoin vor der Frage, ob es in einer echten geopolitischen Krise als Risikoanlage verkauft oder als neutraler Wertspeicher gesucht wird.

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