Bitcoin fällt unter 77.000 Dollar – Inflation und Anleihen erhöhen den Druck
Steigende Erzeugerpreise und Zinserwartungen treiben Bitcoin auf ein neues Monatstief
CryptoDaily 3 min

Die US-Inflationsdaten vom Donnerstag haben den Kryptomarkt belastet. Bitcoin rutschte unter 77.000 Dollar, während die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung der Fed laut CME FedWatch Tool auf rund 70 Prozent stieg.
Erzeugerpreise heizen Zinsangst an
Der US-Erzeugerpreisindex für August lag laut Bureau of Labor Statistics mit 5,4 Prozent im Jahresvergleich über den erwarteten 5,3 Prozent. Mehr als drei Viertel des Anstiegs bei den Güterpreisen entfielen auf Energie. Der Zeitpunkt verschärft die Lage: Brent-Öl notiert erstmals seit Mai wieder über 105 Dollar pro Barrel, getrieben laut Reuters durch militärische Spannungen zwischen den USA und dem Iran in der Straße von Hormus sowie Houthi-Angriffe auf saudische Anlagen.
Die Anleihemärkte reagierten unmittelbar. Die Rendite 30-jähriger US-Staatsanleihen erreichte 5,35 Prozent – den höchsten Stand seit 2007. Ein Rückkauf von Staatsanleihen durch das Finanzministerium im Volumen von sechs Milliarden Dollar zeigte keine nachhaltige Wirkung. Laut CME FedWatch Tool stieg die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung um 25 Basispunkte beim Fed-Meeting am 16. September von 61 auf rund 70 Prozent. Fed-Chef Kevin Warsh hatte zuvor in seiner ersten Rede erklärt, die Inflation sei nicht ausreichend gesunken.
Was sind Basispunkte?
Ein Basispunkt entspricht einem Hundertstel Prozentpunkt. 25 Basispunkte bedeuten eine Zinsänderung um 0,25 Prozentpunkte.
Bitcoin zwischen Makrodruck und technischen Schlüsselzonen
Bitcoin fiel im Tagesverlauf auf rund 76.748 Dollar. US-Spot-Bitcoin-ETFs verzeichneten laut Cointelegraph zwei Sitzungen mit Nettoabflüssen in Folge: 46,6 Millionen Dollar am Montag und 100,7 Millionen Dollar am Dienstag. Das Muster spiegelt ein bekanntes Schema: Steigende Realzinsen machen nicht-renditebringende Assets wie Bitcoin und Gold strukturell unattraktiver. Auch Gold verlor am selben Tag mehr als ein Prozent.
Was sind Realzinsen?
Realzinsen ergeben sich aus dem Nominalzins abzüglich der Inflationsrate. Steigen sie, werden zinslose Anlagen wie Bitcoin oder Gold im Vergleich weniger attraktiv.
Technisch liegt Bitcoin unterhalb des Bollinger-Band-Mittelwerts bei 78.650 Dollar. Die nächste Unterstützung am unteren Band liegt bei rund 76.400 Dollar. Der RSI steht bei 55 und zeigt nachlassende Dynamik, ohne bereits überverkauftes Terrain zu erreichen.
Warum das jetzt zählt
Am Freitag steht mit dem US-Verbraucherpreisindex der letzte große Inflationsdatenpunkt vor dem Fed-Entscheid an. Bestätigt er den Aufwärtstrend der Erzeugerpreise, dürfte die Zinserhöhung für den Markt zur Gewissheit werden. Für Bitcoin wäre das die dritte Zinserhöhung in einem Zyklus, der historisch eher von Lockerung geprägt sein sollte.
Coinbase-CEO Brian Armstrong setzte am selben Tag in einem CNBC-Interview einen Kontrapunkt: Er bezeichnete 400.000 Dollar bis 2030 als vernünftiges Kursziel und erklärte, der Tiefpunkt des aktuellen Zyklus sei erreicht. Zudem erwarte er eine baldige Verabschiedung des Clarity Act im US-Senat. Es sind Aussagen mit Signalwirkung, aber ohne neue Datenbasis.
Einordnung und Ausblick
Die Lage am Donnerstag war eindeutig belastend: Öl über 105 Dollar, Anleiherenditen auf Mehrjahreshochs, eine EZB-Zinserhöhung und breite Verluste an den Aktienmärkten. Bitcoin handelt 2026 stärker im Gleichlauf mit Gold als mit Technologieaktien. Das macht den Kurs anfällig für genau jene Kräfte, die derzeit beide Märkte belasten: steigende Realzinsen und ein aufwertender Dollar.
- Bärisches Szenario: Ein Schlusskurs unter 76.400 Dollar würde den Ausbruch unter das untere Bollinger Band bestätigen und den Weg Richtung 75.000 Dollar öffnen.
- Bullisches Szenario: Auf der Oberseite liegt bei 79.500 bis 80.000 Dollar eine dichte Liquiditätszone, die als kurzfristiger Magnet wirken könnte. Schwächer als erwartet ausfallende Verbraucherpreise könnten eine Erholung auslösen.
Die Richtung dürfte der CPI-Bericht am Freitag vorgeben.
Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Jede Investitionsentscheidung sollte auf eigener Recherche basieren.
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