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Bitcoin fällt unter 66.000 Dollar – Anleihenmarkt wird zum Taktgeber

Steigende US-Renditen verdrängen Geopolitik als Haupttreiber und drücken Bitcoin in den Bärenmarkt-Modus

CryptoDaily 4 min

Bitcoin fällt unter 66.000 Dollar – Anleihenmarkt wird zum Taktgeber

Bitcoin fällt auf 65.530 Dollar

Bitcoin ist in dieser Woche auf 65.530 Dollar gefallen – ein Minus von rund acht Prozent innerhalb von 24 Stunden. Der eigentliche Treiber ist nicht die Geopolitik, sondern der US-Anleihenmarkt.

Anleihen statt Öl: Warum der Zinsmarkt jetzt entscheidet

Noch vor wenigen Tagen reagierte Bitcoin kurz positiv auf diplomatische Signale im Nahostkonflikt. Ein Angriffsstopp auf iranische Energieanlagen ließ den Kurs am 23. März auf 71.794 Dollar steigen. Doch die Erholung verpuffte innerhalb von Tagen. Der Grund: Die Renditen am Anleihemarkt gaben ihren kurzen Rückgang wieder vollständig ab.

Der MOVE Index, ein Maß für die erwartete Schwankungsbreite am US-Staatsanleihenmarkt, sprang um knapp 18 Prozent auf 115 Punkte. Fed-Gouverneurin Lisa Cook erklärte laut Medienberichten, der geopolitische Konflikt habe das Risikogleichgewicht in Richtung Inflation verschoben. Gleichzeitig preisen Fed-Futures für 2026 praktisch keine Zinssenkung mehr ein. Laut FedWatch-Daten liegt die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung bis Januar 2027 bei 48 Prozent.

Was ist der MOVE Index?

Der MOVE Index misst die vom Optionsmarkt erwartete Volatilität bei US-Staatsanleihen. Hohe Werte signalisieren Unsicherheit über die künftige Zinsentwicklung.

Adam Kobeissi von The Kobeissi Letter bringt es auf den Punkt: Nicht der Ölpreis, sondern der Anleihemarkt sei die dominante Makrovariable. Sollten die Renditen die Schwelle von 4,50 bis 4,70 Prozent erreichen, steige die Wahrscheinlichkeit einer politischen Reaktion deutlich. BitMEX-Mitgründer Arthur Hayes sieht eine substanzielle Krypto-Erholung erst dann, wenn der Anleihemarktdruck groß genug werde, um eine Liquiditätsreaktion von Fed oder Finanzministerium zu erzwingen.

Großanleger kaufen, doch der Optionsmarkt bleibt skeptisch

Inmitten des Abverkaufs zeigen On-Chain-Daten ein bekanntes Muster: Wallets mit 10 bis 10.000 Bitcoin haben laut Santiment im vergangenen Monat rund 61.568 BTC hinzugekauft. Santiment wertet dieses Akkumulationsverhalten als historisch konsistentes Vorbotenmuster für eine Aufwärtsbewegung. Zugleich waren die Exchange-Abflüsse im März durchgehend positiv, was auf eine Verlagerung in Cold Storage hindeutet.

Was ist Cold Storage?

Cold Storage bezeichnet die Aufbewahrung von Kryptowährungen auf Wallets ohne Internetverbindung. Coins werden dabei von Börsen abgezogen, was als Zeichen langfristiger Halteabsicht gilt.

Doch der Optionsmarkt zeichnet ein anderes Bild. Der Put-Call-Skew auf Deribit stieg auf 15 Prozent – weit außerhalb des neutralen Bereichs. Der April-Put bei 66.000 Dollar impliziert eine Wahrscheinlichkeit von 53 Prozent, dass Bitcoin bis Ende April unter dieser Marke bleibt. Beim jüngsten monatlichen Optionsverfall mit einem Nominalvolumen von 18,6 Milliarden Dollar wurden 97 Prozent der Call-Optionen wertlos. Über 210 Millionen Dollar an gehebelten Long-Positionen wurden liquidiert.

Was ist der Put-Call-Skew?

Der Put-Call-Skew misst das Preisverhältnis zwischen Verkaufs- (Put) und Kaufoptionen (Call). Ein hoher positiver Wert zeigt, dass der Markt verstärkt Absicherung gegen fallende Kurse nachfragt.

Parallel positioniert sich Morgan Stanley mit einem eigenen Spot-Bitcoin-ETF. Die im S-1-Antrag festgelegte Gebühr von 0,14 Prozent wäre laut Cointelegraph die niedrigste im US-Markt und liegt unter dem BlackRock-Produkt IBIT. Bloomberg-Analyst Eric Balchunas bewertet das als strukturell bedeutsam, weil Morgans rund 16.000 Finanzberater mit 6,2 Billionen Dollar an Kundenvermögen das Produkt empfehlen könnten. Doch selbst dieser institutionelle Rückenwind entfaltet seine Wirkung erst, wenn die Makrobedingungen es zulassen.

Warum das jetzt zählt

Bitcoin verhält sich derzeit nicht als geopolitischer Hedge, sondern als liquiditätssensibles Makro-Asset. Solange die Anleiherenditen steigen und Zinssenkungserwartungen schwinden, bleibt der Spielraum nach oben begrenzt. Die Akkumulation durch Großanleger deutet auf langfristige Überzeugung hin, doch der Optionsmarkt preist kurzfristig weitere Schwäche ein.

Einordnung / Ausblick

Bullisches Szenario: Steigt der Renditedruck weiter, könnte die Fed oder das US-Finanzministerium mit Liquiditätsmaßnahmen reagieren. Das wäre der Katalysator, auf den institutionelle Käufer warten. Die anhaltende Akkumulation durch Großanleger stützt diese These.

Bärisches Szenario: Halten sich die Renditen zehnjähriger US-Staatsanleihen oberhalb von 4,50 Prozent und bleibt eine geldpolitische Reaktion aus, dürfte Bitcoin unter Druck bleiben. Der Optionsmarkt preist mit über 50 Prozent Wahrscheinlichkeit Kurse unter 66.000 Dollar bis Ende April ein.

Die entscheidende Variable ist nicht der Ölpreis und nicht die nächste diplomatische Wendung. Es ist die Frage, ob der Renditedruck groß genug wird, um eine geldpolitische Reaktion auszulösen. Bis dahin dominiert der Anleihenmarkt.

Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Investitionen in Kryptowährungen sind mit erheblichen Risiken verbunden.

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