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Bitcoin-ETFs kaufen viermal mehr als Miner fördern – doch eine Angebotszone bremst

865 Millionen Dollar Wochenzuflüsse treffen auf 1,79 Millionen BTC mit Einstandspreis im aktuellen Kursbereich

CryptoDaily 4 min

Bitcoin-ETFs kaufen viermal mehr als Miner fördern – doch eine Angebotszone bremst

Institutionelle Käufer absorbieren ein Vielfaches der neu geschürften Bitcoin

Trotzdem kommt der Kurs kaum vom Fleck – eine massive Verkaufsbereitschaft knapp über dem aktuellen Niveau bremst.

ETF-Nachfrage verschlingt das neue Angebot

US-Spot-Bitcoin-ETFs verzeichneten in der Woche bis zum 12. August laut Bitfinex Nettomittelzuflüsse von 865 Millionen Dollar – der stärkste Wochenwert seit April und der fünfte positive Handelstag in Folge. BlackRock und Fidelity stellten den Großteil der Zuflüsse. In absoluten Zahlen absorbierten die Fonds rund 13.300 BTC, mehr als das Vierfache der etwa 3.150 BTC, die im selben Zeitraum neu geschürft wurden.

Auf dem Papier müsste dieses Ungleichgewicht den Preis nach oben drücken. Bitcoin legte in der Berichtswoche jedoch nur rund zwei Prozent zu und bewegt sich weiterhin im Bereich um 64.000 Dollar. Der S&P 500 stieg im selben Zeitraum um 3,6 Prozent – ein Hinweis darauf, dass Bitcoin aktuell weniger vom breiten Risikoappetit profitiert als gewöhnlich. Die Erklärung liefert ein Blick auf die Angebotsseite.

Die 65.000-Dollar-Mauer

On-Chain-Daten zeigen, dass rund 1,79 Millionen BTC eine Kostenbasis zwischen 62.000 und 65.000 Dollar haben.

Was ist Kostenbasis? Die Kostenbasis bezeichnet den durchschnittlichen Kaufpreis, zu dem ein Anleger seine Bitcoin erworben hat. Liegt der aktuelle Kurs nahe der Kostenbasis, neigen viele Halter dazu, ihre Bestände zu verkaufen, um Verluste zu vermeiden oder minimale Gewinne zu sichern.

Viele dieser Halter sitzen auf minimalen Gewinnen oder leichten Verlusten und dürften bei einem Anstieg in diese Zone verkaufen wollen. Das schafft einen strukturellen Widerstand, den selbst starke ETF-Zuflüsse bislang nicht durchbrechen konnten.

Strategy – ehemals MicroStrategy – unterstrich diese Dynamik laut CryptoPotato mit dem Verkauf von 1.638 BTC zu einem Durchschnittspreis von rund 63.957 Dollar. Der Erlös von etwa 105 Millionen Dollar dient der Finanzierung von Vorzugsdividenden und Aktienrückkäufen. Der Verkauf zeigt, dass selbst überzeugte Bitcoin-Unternehmen im aktuellen Kursbereich Bestände abbauen.

Futures treiben, Spot fehlt

Zusätzlich zur Angebotszone offenbart die Marktstruktur ein zweites Problem. CryptoQuant-Daten belegen, dass die Erholung von einem Wochentief bei 63.200 Dollar primär durch Futures-Nachfrage getragen wird. Die 30-Tage-Nachfrage bei Perpetual Futures ist wieder positiv, während die Spot-Nachfrage auf der Blockchain negativ bleibt.

Was sind Perpetual Futures? Perpetual Futures sind Terminkontrakte ohne festes Ablaufdatum, mit denen Händler auf steigende oder fallende Kurse setzen können – oft mit Hebel. Steigt die Nachfrage dort ohne gleichzeitige Käufe am Spotmarkt, gilt eine Rally als fragil.

CryptoQuant-CEO Ki Young Ju ordnet das ein: Eine nachhaltige Rally erfordere sowohl Spot- als auch Futures-Nachfrage. Ein ähnliches Setup gab es im April dieses Jahres, als Bitcoin von 66.000 auf 79.000 Dollar stieg – getragen fast ausschließlich durch gehebelte Positionen. Der Anstieg endete abrupt mit einem Leverage-Abbau. Laut Glassnode liegen aktuell 54,6 Prozent des Bitcoin-Angebots im Gewinn; ein Ausbruch über 65.000 Dollar wäre nötig, um das Bild zu drehen.

Warum das jetzt zählt

Die US-Makrolage verschärft die Pattsituation. Die Juli-Payrolls fielen mit minus 23.000 Stellen schwächer aus als erwartet, die Arbeitslosenquote liegt bei 4,1 Prozent. Trotzdem preisen Futures-Märkte die Wahrscheinlichkeit einer Fed-Zinserhöhung im September mit knapp 44 Prozent ein. Die Rendite 30-jähriger US-Staatsanleihen notiert über 5,2 Prozent. Solange Langfristrenditen auf diesem Niveau verharren, bleibt Kapital in Anleihen gebunden, das sonst in Risikoassets fließen könnte.

Einordnung / Ausblick

Bitfinex-Analysten halten einen Ausbruch über 65.000 Dollar für möglich, knüpfen ihn aber an zwei Bedingungen: anhaltende ETF-Zuflüsse und ein Nachlassen der Langfristrenditen.

  • Bullisches Szenario: Halten die ETF-Zuflüsse an und sinken die Langfristrenditen, könnte Bitcoin die Widerstandszone bei 65.000 Dollar durchbrechen. Ein Anstieg darüber würde den Anteil profitabler Bestände deutlich erhöhen und weiteren Verkaufsdruck reduzieren.
  • Bärisches Szenario: Bleibt die Spot-Nachfrage negativ und verharren die Anleiherenditen auf hohem Niveau, droht ein erneuter Leverage-Abbau wie im April. Die Spanne zwischen 62.000 und 65.000 Dollar dürfte den Markt dann weiter dominieren.

Die institutionelle Nachfrage ist real und in ihrem Ausmaß bemerkenswert. Doch sie trifft auf eine Angebotszone, die historisch gewachsen ist, und auf eine Marktstruktur, die auf Hebel statt auf echte Käufe setzt. Solange Spot-Nachfrage nicht mitzieht und die Zinslandschaft sich nicht verändert, bleibt Bitcoin in seiner Spanne gefangen – ungeachtet der Milliarden, die wöchentlich in ETFs fließen.

Hinweis: Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Jede Investitionsentscheidung sollte auf eigener Recherche basieren.

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