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Bitcoin-ETFs beenden Abflussserie – doch die Erholung steht auf wackeligem Fundament

Erste Zuflüsse seit acht Wochen treffen auf bärische Strukturdaten und skeptische Analysten

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Bitcoin-ETFs beenden Abflussserie – doch die Erholung steht auf wackeligem Fundament

Nach acht Wochen ununterbrochener Abflüsse verzeichnen US-Spot-Bitcoin-ETFs erstmals wieder Nettozuflüsse

Doch mehrere Indikatoren deuten darauf hin, dass die Trendwende fragiler ist, als die Schlagzeile vermuten lässt.

197 Millionen Dollar gegen 8,26 Milliarden Dollar Abflüsse

In der Woche bis zum 11. Juli flossen netto 197,4 Millionen Dollar in US-Spot-Bitcoin-ETFs zurück. Damit endet eine Serie, die seit Anfang Mai kumulative Nettoabflüsse von 8,26 Milliarden Dollar produziert hatte. Das Bild ist allerdings ungleich verteilt: BlackRocks iShares Bitcoin Trust steuerte allein 291,9 Millionen Dollar bei, während Grayscale, Fidelity und ARK 21Shares gleichzeitig Kapital verloren. Die Zuflüsse konzentrieren sich also auf einen einzigen Anbieter, nicht auf eine breite Erholung der Nachfrage.

Was ist ein Spot-Bitcoin-ETF?

Ein börsengehandelter Fonds, der direkt in Bitcoin investiert und dessen Kurs abbildet. Anleger können so über ein reguläres Wertpapierdepot an der Bitcoin-Entwicklung teilhaben, ohne die Kryptowährung selbst zu halten.

Auch bei Ether-ETFs zeigt sich ein ähnliches Muster. Laut SoSoValue flossen in der gleichen Woche 84,42 Millionen Dollar zurück, nach kumulativen Abflüssen von 1,2 Milliarden Dollar seit Mai. BlackRock und Fidelity führten auch dort. Der Wendepunkt bei beiden Produktkategorien fällt zeitlich zusammen, was auf einen gemeinsamen Auslöser hindeutet. Bitcoin stieg seit Monatsbeginn von 57.700 auf über 64.000 Dollar, ein Plus von rund elf Prozent.

Saisonale Erholung, nicht strukturelle Wende

Die entscheidende Frage lautet, ob hinter den Zuflüssen eine echte Nachfragebelebung steckt oder ein saisonales Strohfeuer. Mehrere Analysten dämpfen die Erwartungen. Markus Thielen von 10x Research stuft die Flows als nicht robust ein und verweist auf Stablecoin-Abflüsse sowie typische Schwäche in den Monaten August und September. Bitcoin zeige zudem ein wiederkehrendes Muster stärkerer Performance in der ersten Monatshälfte mit anschließender Konsolidierung.

CryptoQuant liefert dazu die passenden Strukturdaten. Der Bull Score Index liegt bei 20 und damit tief im bärischen Bereich.

Was ist der Bull Score Index?

Ein von CryptoQuant berechneter Sammelindikator, der mehrere On-Chain- und Marktdaten bündelt. Werte über 60 signalisieren bullische Marktbedingungen, Werte darunter gelten als bärisch.

Für eine nachhaltige Rally wäre ein Wert über 60 erforderlich. Solange dieser Schwellenwert nicht überschritten wird, gelten Preisanstiege laut CryptoQuant als Bärenmarkt-Erholungen, nicht als Trendumkehr. Der Gesamtnachfrage-Indikator fiel Anfang Juni auf minus 650.000 BTC und hat sich zwar Richtung neutral erholt, ist aber noch nicht in positives Territorium zurückgekehrt. Historisch passen die aktuellen Bewegungen ins Bild vergangener Bärenmärkte: 2018 und 2022 stieg Bitcoin im Juli jeweils um 17 bis 20 Prozent, bevor die Schwäche zurückkehrte.

Zusätzlichen Gegenwind erzeugt Strategy, ehemals MicroStrategy. Das Unternehmen verkaufte laut einem SEC-Filing von Anfang Juli Bitcoin im Wert von 216 Millionen Dollar und verabschiedete ein Kapitalrahmenwerk, das weitere Verkäufe zur Dividendenfinanzierung erlaubt. Geoff Kendrick von Standard Chartered bewertet die Kommunikation rund um diesen Strategiewechsel als unzureichend und sieht darin eine kurzfristige Belastung für den Bitcoin-Preis. Die MSTR-Aktie hat seit Juli 2025 mehr als 70 Prozent ihres Wertes verloren.

Warum das jetzt zählt

Die Rückkehr der ETF-Zuflüsse ist ein notwendiges, aber kein hinreichendes Signal. BlackRock trägt die Erholung fast im Alleingang, während breitere Nachfrageindikatoren weiterhin Schwäche zeigen. Russell Thompson von Hilbert Capital erwartet, dass Bitcoin im Abschwungzyklus verbleibt und ein zyklisches Tief erst um Oktober erreichen könnte. Jamie Coutts von Real Vision sieht zwar technische Anzeichen nachlassenden Verkaufsdrucks, bestätigt aber kein Ende des Bärenmarkts.

Einordnung und Ausblick

Für eine echte Trendwende müssten mehrere Bedingungen zusammenkommen: eine Rückkehr der Gesamtnachfrage in positives Territorium, ETF-Zuflüsse über mehrere Anbieter hinweg und ein Bull Score Index deutlich über 60. Solange diese Schwellen nicht überschritten werden, bleibt die aktuelle Erholung das, was die Daten nahelegen: eine typische Bärenmarkt-Rally in einem intakten Abwärtszyklus.

  • Bull-Szenario: Breite ETF-Zufüsse setzen sich fort, der Bull Score Index steigt über 60, und die Gesamtnachfrage dreht ins Positive – das würde eine strukturelle Trendwende bestätigen.
  • Bear-Szenario: Die Zuflüsse bleiben auf BlackRock beschränkt, saisonale Schwäche im August und September setzt ein, und Strategy-Verkäufe belasten den Kurs weiter – Bitcoin testet erneut die Tiefs vom Juni.

Hinweis: Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Jede Investition birgt Risiken – eigenständige Recherche wird empfohlen.

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