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Bitcoin-ETFs absorbieren fast eine Milliarde Dollar an einem Tag

Stärkster ETF-Zufluss seit Oktober 2025 hebt den Durchschnittshalter erstmals seit Januar wieder in die Gewinnzone

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Bitcoin-ETFs absorbieren fast eine Milliarde Dollar an einem Tag

Fast eine Milliarde Dollar flossen am Montag in US-Spot-Bitcoin-ETFs

Fast eine Milliarde Dollar flossen am Montag in US-Spot-Bitcoin-ETFs – der höchste Tageszufluss seit Oktober 2025. Bitcoin testete in derselben Woche erstmals seit acht Monaten die 87.000-Dollar-Marke.

Milliardensignal aus drei Häusern

Laut dem Datenanbieter SoSoValue verbuchten US-Spot-Bitcoin-ETFs am 22. September Nettozuflüsse von 999 Millionen Dollar. BlackRocks iShares Bitcoin Trust führte mit 381 Millionen Dollar, gefolgt von ARK 21Shares mit 289 Millionen und Fidelity mit 239 Millionen Dollar. Alle sechs größten ETF-Produkte trugen zu den Zuflüssen bei. Bloomberg-Analyst Eric Balchunas wertet das als Zeichen breiter Investorenaktivität – nicht einzelner Großallokatoren.

Die ETFs absorbierten rund 11.500 BTC an einem einzigen Handelstag. Im Oktober 2025, als Bitcoin sein bisheriges Allzeithoch von 126.080 Dollar erreichte, lag der Rekordzufluss bei 1,2 Milliarden Dollar. Die Vorwoche war mit 6,2 Millionen Dollar Nettozufluss der schwächste Wochenwert seit Produktstart gewesen.

Bloomberg-Analyst James Seyffart beziffert die geschätzte Kostenbasis der ETF-Käufer auf 81.722 Dollar pro Bitcoin. Mit einem aktuellen Kurs um 86.500 Dollar liegt der durchschnittliche ETF-Halter erstmals seit Januar wieder im Gewinn. Historisch ging ein solcher Wechsel in vergangenen Zyklen mit steigender Haltebereitschaft einher.

Was ist Kostenbasis?

Die Kostenbasis bezeichnet den durchschnittlichen Kaufpreis, den Investoren für ein Asset bezahlt haben. Liegt der aktuelle Kurs darüber, befinden sich die Halter im Gewinn.

Warum gerade jetzt

Der Zeitpunkt fällt mit mehreren Faktoren zusammen. Bitcoin hat nach Daten von CryptoQuant erstmals seit März 2023 über seinem 365-Tage-Durchschnitt geschlossen – ein technisches Signal, das in den Zyklen 2019 und 2023 den Beginn von Aufwärtsphasen markierte. Glassnode bestätigt, dass die MVRV-Ratio ihren langfristigen Durchschnitt überschritten hat.

Was ist die MVRV-Ratio?

Die MVRV-Ratio (Market Value to Realized Value) vergleicht den aktuellen Marktwert eines Krypto-Assets mit dem Durchschnittspreis, zu dem alle Coins zuletzt bewegt wurden. Werte über 1 deuten darauf hin, dass der Markt insgesamt im Gewinn liegt.

Makroökonomisch trugen fallende Ölpreise und sinkende Treasury-Renditen zur Rückkehr in Risikoassets bei. Das US-Finanzministerium kündigte an, seine Rückkaufoperationen für Staatsanleihen mindestens zu verdoppeln – ein Schritt, den Analysten als liquiditätsstützend werten. Die Fed erhöhte zwar den Leitzins um 25 Basispunkte auf 3,75 bis 4,00 Prozent, kauft aber seit Dezember 2025 parallel kurzfristige Staatsanleihen, was den effektiven Liquiditätsentzug begrenzt.

Balchunas weist auf einen technischen Vorbehalt hin: ETF-Flussdaten werden mit Zeitverzug gemeldet. Ein erheblicher Teil der Montagszuflüsse reflektiere wahrscheinlich Kaufaktivität vom Freitag. Die direkte Marktreaktion auf den Kursausbruch über 86.000 Dollar dürfte erst in den nächsten Datenpublikationen sichtbar werden.

Gegenwind bleibt bestehen

Trotz der starken Tageszahl zeigt das Gesamtbild Bruchstellen. Der Glassnode-Wochenbericht vom 21. September wies noch einen negativen wöchentlichen ETF-Saldo von rund 300 Millionen Dollar aus. Futures Open Interest und Funding-Raten lagen oberhalb ihrer Hochbänder, was erhöhte Liquidationsanfälligkeit signalisiert. Rund zwei Drittel des Bitcoin-Angebots befinden sich im Gewinn, was erfahrungsgemäß Verkaufsdruck erzeugen kann.

Was ist Open Interest?

Open Interest bezeichnet die Gesamtzahl offener Terminkontrakte (Futures) auf ein Asset. Hohe Werte deuten auf starke Hebelwirkung im Markt hin und können bei Kursbewegungen zu Zwangsliquidationen führen.

On-Chain-Daten von Bitfinex relativieren dieses Risiko teilweise: Der adjusted SOPR liegt bei 1,01, knapp über dem Breakeven. Trotz eines Kursanstiegs von 47 Prozent seit dem Juli-Tief realisieren Halter kaum Gewinne. Bitfinex spricht von einem Markt, in dem es kaum Verkaufsdruck zu absorbieren gebe. Das ist potenziell stützend, solange es anhält.

Technisch liegt der nächste Widerstandsbereich bei 88.000 bis 90.000 Dollar. CryptoQuant-Analyst Mark Casar sieht einen nachhaltigen Aufwärtstrend erst als wahrscheinlich, wenn Bitcoin die 2-Jahres-Moving-Average bei rund 88.761 Dollar überwindet. Auf der Unterseite bleibt die Verteidigung des 80.500-Dollar-Niveaus entscheidend.

Warum das jetzt zählt

Der Milliardenzufluss vom Montag ist das stärkste Signal institutioneller Nachfrage seit fast einem Jahr. Ob daraus ein Trend wird, hängt von der Stabilität der Spot-Nachfrage jenseits kurzfristiger Short-Squeezes ab, von der Fähigkeit des Marktes, Gewinnmitnahmen zu absorbieren, und von der weiteren Entwicklung der Makroliquidität.

Einordnung / Ausblick

Bull-Szenario: Die breite Beteiligung aller großen ETF-Anbieter, die Rückkehr des Durchschnittshalters in die Gewinnzone und die liquiditätsstützende Fiskalpolitik könnten weitere Zuflüsse anziehen. Ein Ausbruch über 88.761 Dollar würde das technische Bild deutlich aufhellen.

Bear-Szenario: Der negative Wochensaldo vor dem Montag, erhöhtes Futures-Leverage und die Tatsache, dass zwei Drittel des Angebots im Gewinn liegen, schaffen Potenzial für abrupte Korrekturen. Die Fed-Zinserhöhung begrenzt zudem den Spielraum für nachhaltige Risikobereitschaft.

Die kumulative Nettozuflussbilanz seit Produktstart liegt bei 56,16 Milliarden Dollar, das verwaltete Vermögen bei 110 Milliarden. Die Infrastruktur steht. Die Frage ist, ob das Kapital bleibt.

Hinweis: Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Jede Investitionsentscheidung sollte auf eigener Recherche basieren.

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