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Bitcoin durchbricht den Jahres-Durchschnitt – Fidelity ruft das Ende des Bärenmarkts aus

Langzeithalter akkumulieren, Short-Seller werden liquidiert, und der wichtigste technische Widerstand seit Monaten fällt. Doch steigende Zinsen bleiben ein Risiko.

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Bitcoin durchbricht den Jahres-Durchschnitt – Fidelity ruft das Ende des Bärenmarkts aus

Bitcoin notiert erstmals seit November 2025 wieder oberhalb der 365-Tage-Durchschnittslinie

Fidelitys Head of Global Macro, Jurrien Timmer, sieht darin den Beginn eines neuen mehrjährigen Bullmarktzyklus.

Fidelity sieht zwei Signale für die Trendwende

Jurrien Timmer stützt seine These auf zwei Beobachtungen.

  1. Bitcoin hielt sich über ein Jahr lang oberhalb von 60.000 Dollar – eine Konsolidierungsphase, die historisch das Ende früherer Bärenmärkte kennzeichnete.
  2. Die Korrelation zwischen Bitcoin und Gold ist positiv geworden. In vergangenen Zyklen fiel dieser Gleichlauf regelmäßig mit dem Übergang in eine neue Aufwärtsphase zusammen.

Was ist die 365-Tage-Durchschnittslinie? Sie zeigt den mittleren Bitcoin-Kurs der vergangenen 365 Tage. Notiert der aktuelle Preis darüber, werten Analysten dies als technisch positives Signal.

Timmer erwartet ein makroökonomisches Umfeld mit dauerhaft höheren Kapitalkosten, in dem Staaten über geldpolitische Maßnahmen die Anleiherenditen kontrollieren müssen. In einem solchen Regime steige die Nachfrage nach knappen Vermögenswerten wie Gold und Bitcoin strukturell an.

Die technische Bestätigung kam am Freitag. Bitcoin schloss oberhalb des 50-Wochen-Durchschnitts, nachdem ein erster Versuch Anfang September noch gescheitert war. Alex Thorn, Forschungsleiter bei Galaxy Research, bewertete die Bewegung als belastbar. Am Optionsmarkt preisen institutionelle Händler laut Deribit eine Wahrscheinlichkeit von 35 Prozent ein, dass Bitcoin bis Dezember 90.000 Dollar erreicht.

Akkumulation gegen den Strom

Parallel zur technischen Erholung zeigen On-Chain-Daten eine strukturelle Verschiebung auf der Angebotsseite. Seit Februar steigt der Gesamtbestand langfristiger Halter kontinuierlich an, während das von kurzfristigen Marktteilnehmern gehaltene Angebot zurückgeht. Analyst Funding Vest von CryptoQuant spricht von einer rekordverdächtigen Akkumulationsphase. Bei weiter steigenden Preisen könnte diese Dynamik einen Angebotsengpass auslösen.

Was sind On-Chain-Daten? Damit sind öffentlich einsehbare Transaktionsdaten auf der Bitcoin-Blockchain gemeint. Sie zeigen unter anderem, wie lange Coins gehalten werden und ob große Bestände bewegt werden.

Die ETF-Zuflüsse untermauern das Bild. Am Freitag flossen laut The Block 433 Millionen Dollar netto in US-Bitcoin-Spot-ETFs, angeführt von Fidelitys FBTC. Bemerkenswert: Ether-ETFs beendeten im gleichen Zeitraum eine vierwöchige Zuflussserie mit Nettoabflüssen, was auf eine gezielte Rotation in Bitcoin hindeutet.

Allerdings signalisieren nicht alle Daten Entwarnung. Die Bitcoin-Reserven auf Binance erreichten laut CryptoQuant mit 702.900 BTC den höchsten Stand des Jahres. Steigende Börsenbestände deuten auf potenzielles Verkaufsangebot hin, das bei nachlassender Nachfrage den Kurs belasten könnte. Analyst Joao Wedson weist zudem darauf hin, dass die Handelsaktivität im Vergleich zum vorherigen Bullenmarkt gedämpft bleibt – ein mögliches Zeichen für schwache Kleinanleger-Beteiligung.

Warum das jetzt zählt

Die Rally steht auf einem schmalen Grat. Trader Bob Loukas sieht bei einem klaren Durchbruch über das Mai-Hoch von 82.000 Dollar Potenzial für einen Anstieg über 90.000 Dollar. Scheitert Bitcoin an dieser Marke, rückt die Zone um 71.000 Dollar als Unterstützung in den Fokus. Der Relative-Stärke-Index im überkauften Bereich und ein sich formendes Doppeltop-Muster bei rund 82.200 Dollar mahnen kurzfristig zur Vorsicht.

Das größere Risiko kommt von der Zinsseite. Die Fed hat die Leitzinsen zuletzt um 25 Basispunkte angehoben, weitere Erhöhungen für 2027 gelten als möglich. Auch die Bank of Japan hat die Zinsen erhöht. Ein steigender US-Dollar-Index übt traditionell Druck auf risikobehaftete Anlageklassen aus. Im Senat scheiterte zudem der CLARITY Act, ein Gesetzesvorschlag zur Krypto-Regulierung, was politische Unsicherheit aufrechterhält.

Einordnung / Ausblick

Die kommenden Wochen werden zeigen, ob die Akkumulation langfristiger Halter und die institutionellen Zuflüsse stark genug sind, um den geldpolitischen Gegenwind zu kompensieren.

  • Bull-Szenario: Fidelitys Zyklusthese und die On-Chain-Daten sprechen für eine nachhaltige Trendwende. Anhaltende ETF-Zuflüsse und sinkende Short-Positionen könnten den Kurs über 90.000 Dollar treiben.
  • Bear-Szenario: Die Zinslandschaft, ein stärkerer Dollar und die dünne Retail-Beteiligung sprechen dagegen. Steigende Börsenreserven bei Binance erhöhen das potenzielle Verkaufsangebot. Ein Scheitern am 82.000-Dollar-Widerstand könnte eine Korrektur Richtung 71.000 Dollar einleiten.

Hinweis: Keine Anlageberatung. Alle genannten Kurse und Prognosen dienen ausschließlich der Information. Eigene Recherche wird empfohlen.

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