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Bitcoin bei 77.000 Dollar: Langzeithalter verkaufen mit Verlust, doch das Fundament hält

On-Chain-Daten zeigen eine ungewöhnliche Konstellation: Erfahrene Investoren realisieren Verluste, während ihre Kohorte gleichzeitig wächst. Was das für den Markt bedeutet.

CryptoDaily 3 min

Bitcoin bei 77.000 Dollar: Langzeithalter verkaufen mit Verlust, doch das Fundament hält

Bitcoin notiert aktuell bei rund 77.900 Dollar

und hat erstmals seit Februar wieder die Marke von 76.000 Dollar überschritten. Doch hinter der Erholung zeigt sich ein widersprüchliches Bild.

Langzeithalter zwischen Verlust und Expansion

Der zentrale Widerspruch liegt in zwei Kennzahlen, die normalerweise nicht gleichzeitig in diese Richtung ausschlagen. Laut On-Chain-Analyst Axel Adler Jr. stieg das sogenannte LTH Realized Supply, also das Volumen an Coins in den Händen langfristiger Halter, von 5,26 Millionen BTC im Januar auf 8,32 Millionen BTC Mitte April. Das entspricht einem Zuwachs von über drei Millionen Bitcoin in drei Monaten.

Was ist der LTH SOPR? Der Spent Output Profit Ratio (SOPR) für Langzeithalter misst, ob diese Gruppe beim Verkauf ihrer Coins im Gewinn oder Verlust liegt. Ein Wert über 1,0 bedeutet Gewinnmitnahmen, ein Wert unter 1,0 zeigt Verlustverkäufe an.

Gleichzeitig liegt der LTH SOPR seit fünf Tagen unter der Neutralmarke von 1,0. Ende März fiel der Wert sogar auf 0,798 – ein Teil der erfahrenen Investoren verkauft also zu Preisen unterhalb ihres Einstiegskurses.

Adler ordnet das Bild vorsichtig ein. Der Anstieg des Realized Supply reflektiere teilweise, dass ältere Coins die 155-Tage-Schwelle überschreiten und damit statistisch in die Langzeithalter-Kategorie rutschen. Es handele sich eher um eine Liquiditätskompression als um frische Nachfrage. Entscheidend sei, dass noch kein klassisches Kapitulationsmuster vorliege. Solange die Verlustverkäufe kurz und flach bleiben und das Gesamtvolumen der Langzeithalter nicht sinkt, ähnle die Situation eher einer Konsolidierungsphase als einem Bärenmarkt.

US-Nachfrage kühlt ab, Short-Liquidationen heizen auf

Ein zweites Signal ergänzt das Bild. Der Coinbase Premium Gap misst, ob Bitcoin auf der US-Börse Coinbase teurer oder günstiger gehandelt wird als auf Binance. Laut CryptoQuant-Analyst Maartunn ist dieser Indikator nach neun positiven Tagen erstmals wieder ins Negative gerutscht. Er interpretiert das als Zeichen nachlassender Kaufbereitschaft US-basierter, tendenziell institutioneller Akteure.

Diese Abkühlung steht in Kontrast zur jüngsten Kursbewegung. Allein in den letzten 24 Stunden wurden laut CoinGlass über 209 Millionen Dollar an Short-Positionen in Bitcoin liquidiert. Im gesamten Krypto-Derivatemarkt waren es mehr als 456 Millionen Dollar. Die Erholung über 76.000 Dollar wurde also maßgeblich durch erzwungene Eindeckungen getrieben, nicht durch frische Kaufwellen.

Sollte der Coinbase Premium weiter fallen, warnt Maartunn vor einem Rücksetzer ähnlich dem in der zweiten Märzhälfte. Damals folgte auf eine kurze Erholung ein erneuter Kursrückgang.

Warum das jetzt zählt

Die aktuelle Marktlage verdichtet sich zu einer klaren Frage: Reicht die strukturelle Basis der Langzeithalter, um den nachlassenden kurzfristigen Kaufdruck auszugleichen? Die On-Chain-Daten deuten darauf hin, dass Bitcoin sich in einer Übergangsphase befindet – kein Ausverkauf, aber auch kein breiter Nachfrageschub.

Einordnung und Ausblick

Für ein bearisches Signal müssten laut Adler zwei Bedingungen gleichzeitig erfüllt sein:

  1. Der SOPR müsste nachhaltig unter den März-Tiefstand von 0,798 fallen.
  2. Das LTH Realized Supply müsste zu sinken beginnen.

Beides ist derzeit nicht der Fall.

Bullisches Szenario: Der Coinbase Premium stabilisiert sich, die Erholung über 77.000 Dollar zieht organische Käufer an, und die wachsende Langzeithalter-Basis bildet ein solides Fundament für weitere Kursgewinne.

Bearisches Szenario: Der Coinbase Premium rutscht weiter ab, die Erholung bleibt rein liquidationsgetrieben, und der Verkaufsdruck der Langzeithalter verstärkt sich. Ein Rücksetzer ähnlich der zweiten Märzhälfte wäre dann wahrscheinlich.

Die Spanne zwischen Konsolidierung und erneutem Rücksetzer ist schmal. Das Fundament der Langzeithalter hält, doch die kurzfristige Nachfrage muss nachziehen.

Hinweis: Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Jede Investition in Kryptowährungen ist mit Risiken verbunden – eigene Recherche wird empfohlen.

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