93 % der neuen Token unter Wasser
CryptoRank-Daten zeigen: Fast alle seit 2024 gestarteten Krypto-Token mit relevanter Marktkapitalisierung handeln deutlich unter ihrem Ausgabepreis. Das Problem ist strukturell.
CryptoDaily 3 min

Von 113 Token, die seit 2024 ihr Token Generation Event hatten und eine Marktkapitalisierung über 100 Millionen US-Dollar erreichten, notieren nur acht oberhalb ihres Launch-Preises. Das entspricht einer Ausfallquote von 93 Prozent. Der mediane Verlust gegenüber dem jeweiligen Startpreis liegt bei minus 95,7 Prozent. Die Zahlen stammen vom Analyseanbieter CryptoRank und beziehen sich auf den Stand vom 21. Juli 2026.
Hohe Bewertungen, dünne Märkte
Die Ursache liegt nicht in einzelnen Projekten, sondern im Muster der Markteinführungen selbst. Viele Token starten mit hohen Bewertungen, während nur ein geringer Anteil der Gesamtmenge tatsächlich handelbar ist. Das erzeugt einen optisch hohen Marktwert, der auf einer schmalen Basis steht.
Was ist ein Token Generation Event?
Der Zeitpunkt, an dem ein neuer Token erstmals ausgegeben und handelbar wird. Der Preis bei diesem Event dient als Referenzwert für spätere Kursvergleiche.
Nach dem Launch setzt dann regelmäßig Verkaufsdruck ein, etwa durch frühe Investoren, deren Anteile schrittweise freigegeben werden. CryptoRank nennt neben diesem Mechanismus auch dünne Liquidität und regulatorische Unsicherheit als Hauptfaktoren für die Verluste. In einem Markt, in dem wenige Verkäufe den Preis stark bewegen, reichen bereits moderate Abgaben, um Kurse dauerhaft zu drücken.
Die wenigen Ausnahmen bestätigen das Muster
Unter den acht Token, die über ihrem Ausgabepreis handeln, sticht Hyperliquid mit einem Plus von rund 1.500 Prozent heraus. Ondo Finance liegt etwa 101 Prozent im Plus. Beide Projekte unterscheiden sich von der Mehrheit durch funktionale Produkte und eine vergleichsweise breite Nutzerbasis. Hyperliquid wurde zudem in den S&P Pantera Digital Asset Index aufgenommen, was institutionelle Sichtbarkeit schafft.
Dass nur Projekte mit nachweisbarem Nutzen den Launch-Preis halten konnten, unterstreicht die zentrale Schwäche des restlichen Feldes: Viele Token wurden zu Bewertungen eingeführt, die weder durch Nutzung noch durch Nachfrage gedeckt waren.
Warum das jetzt zählt
Die Daten sind kein Momentbild einer schlechten Marktphase. Sie beschreiben ein strukturelles Problem im Krypto-Primärmarkt. Wenn 93 von 100 Token mit nennenswerter Marktkapitalisierung unter ihrem Ausgabepreis liegen, stellt das die Preisfindung bei Neuemissionen grundsätzlich infrage. Für Anleger bedeutet das: Der Launch-Preis eines Tokens sagt wenig über seinen fairen Wert aus, solange Bewertung und tatsächlich verfügbare Liquidität auseinanderklaffen.
Einordnung und Ausblick
Die Zahlen dürften die Debatte über faire Token-Launches weiter befeuern. Bereits seit Monaten fordern Marktteilnehmer transparentere Bewertungen und höhere Streubesitzanteile zum Zeitpunkt der Erstausgabe. Ob sich daraus tatsächlich neue Standards entwickeln, bleibt offen. Solange hohe Launch-Bewertungen für frühe Investoren und Projektteams profitabel sind, fehlt der ökonomische Anreiz zur Veränderung. Die Leidtragenden dieses Modells sind vor allem jene Anleger, die zum Ausgabepreis oder kurz danach einsteigen. Gleichzeitig zeigen die wenigen erfolgreichen Projekte, dass der Markt durchaus zwischen Substanz und Spekulation unterscheiden kann – wenn auch erst im Nachhinein.
Hinweis: Keine Anlageberatung. Dieser Artikel dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten dar.
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